Politik

Bahn streicht Verbindungen: Der Nachtzug nach Paris fällt aus

Im Bett zum Kaffee auf die Champs Élysées? Damit ist es bald vorbei. Die Bahn streicht ihre Nachtzüge nach Paris, Amsterdam und Kopenhagen. Das Unternehmen will so Verluste vermeiden. Kritiker fordern dagegen, das Nachtzuggeschäft zukunftsfähig zu machen.

Liegewagen für den sparsamen Reisenden, Schlafwagen für die Erste-Klasse-Schläfer - wer früh genug buchte, kam günstig und ausgeruht nach Paris.
Liegewagen für den sparsamen Reisenden, Schlafwagen für die Erste-Klasse-Schläfer - wer früh genug buchte, kam günstig und ausgeruht nach Paris.(Foto: picture alliance / dpa)

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember streicht die Bahn ihre Nachtzüge nach Paris, Kopenhagen und Amsterdam. Als Gründe nannte eine Sprecherin der Bahn hohe Betriebskosten und eine vergleichsweise kleine Zielgruppe sowie die hohen Trassengebühren in Frankreich. Durch die Streichungen wolle die Bahn einen Betrag im "zweistelligen Millionenbereich" einsparen, sagte die Sprecherin n-tv.de.

Die Nachtzüge von Hamburg, Berlin und München nach Paris sowie die nächtlichen Verbindungen nach Amsterdam und Kopenhagen sind der Bahn zufolge die drei unwirtschaftlichsten Linien im Nachtzuggeschäft des Konzerns: Im vergangenen Jahr habe man auf diesen Strecken einen Verlust von 12 Millionen Euro bei einem Umsatz von 48 Millionen Euro gemacht. Die Streichung der drei Nachtzugverbindungen ist nur ein erster Schritt. In den nächsten zwei Jahren werde man sich diesen Bereich sehr genau anschauen, sagte die Bahnsprecherin. Ziel sei es, das Nachtzuggeschäft zukunftsfähig zu machen - nicht, es abzuschaffen.

Dennoch sieht das Bündnis "Bahn für alle" die Zukunft des gesamten Nachtzugverkehrs in Gefahr. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel - die Bahn ist schließlich ein Unternehmen in Staatsbesitz - und den Bahn-Chef Rüdiger Grube fordert das Bündnis, Nachtzüge wie auch Autoreisezüge nicht abzuschaffen. Selbst innerhalb der Bahn wird Protest organisiert: Nach einem Aufruf des Betriebsrats demonstrierten am Mittwoch Bahn-Mitarbeiter vor dem Hauptsitz des Konzerns am Potsdamer Platz in Berlin für den Erhalt des Nachtverkehrs.

Die bahninternen Kritiker werfen der Bahn vor, falsche Prioritäten zu haben. Viele Wagen seien mehrere Jahrzehnte alt und müssten ausgetauscht werden, heißt es in einer Mail, die von Mitarbeitern der Nachtzug-Sparte der Bahn an Kollegen verschickt wurde. Dies würde größere Investitionen erfordern, zu denen die Bahn jedoch nicht bereit sei. Stattdessen verlagere der Konzern sein Geschäft lieber auf die Straße.

Der Grünen-Verkehrsexperte Matthias Gastel forderte, die Bahn solle ihre Nachtzugangebote für zwei Jahre garantieren und diese Zeit nutzen, ein zukunftsfähiges Konzept zu entwickeln. Er verweist auf die durchaus vorhandene Nachfrage: Seit der Bundestagswahl vor einem Jahr habe er 15 Mal einen Nachtzug genutzt, sagte Gastel n-tv.de. Er hätte dies noch wesentlich häufiger getan, wenn dies möglich gewesen wäre. Meist seien die Verbindungen allerdings schon vier Wochen im Voraus ausgebucht gewesen.

Quelle: n-tv.de

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