Politik

Platz 17A im Flug SU150: Der leere Sitz von Edward Snowden

Von Hubertus Volmer

Wo Edward Snowden sich aufhält, wissen nach wie vor nur Eingeweihte - und vermutlich der russische Geheimdienst. Wo sich der Sitz befindet, der für ihn in einer Linienmaschine nach Kuba gebucht war, ist dagegen bekannt: bei Twitter. Erster Tweet: "Ich fühle mich so leer."

Der Beweis: 17A und 17C sind leer.
Der Beweis: 17A und 17C sind leer.(Foto: AP)

Der Sitzplatz mit der Nummer 17A bleibt leer, als die Passagiermaschine der russischen Fluggesellschaft Aeroflot am Montag um kurz nach 12.30 Uhr in Moskau abhebt. An Bord des Fluges mit der Nummer SU150 nach Kuba sind mehrere Journalisten. Ein Reporter der britischen BBC beobachtet etwa zwei Dutzend Fotografen und Journalisten beim Boarding. Die Nachrichtenagentur AFP spricht gar von "einigen Dutzend", die 2000 Dollar in ein Ticket nach Havanna investiert haben.

Sie alle hoffen, live dabei zu sein, wenn Edward Snowden aus Moskau über die Karibik nach Ecuador fliegt. Doch der Sitzplatz, der für den Whistleblower gebucht worden war, bleibt leer. Den gut zwölfstündigen Flug im Airbus 330 vertreiben sich die Reporter damit, den leeren Sitz zu fotografieren. Snowden - oder der russische Geheimdienst? Oder Snowdens Wikileaks-Berater? - hat sie an der Nase herumgeführt.

"Ich habe das Gefühl, dass wir alle Teil einer grandiosen Spionage-Verschwörung sind", sagt Olga Denisova, eine Journalistin des russischen Auslandssenders Voice of Russia, während des Flugs nach Havanna. "Die Tatsache, dass wir ihn seit zwei Tagen nicht gesehen haben, bedeutet, dass er gute Unterstützung bekommt."

"Catch Me If You Can"

Immer stärker erinnert die Geschichte um Edward Snowden an einen Hollywood-Thriller, eine Mischung aus "Der Staatsfeind Nr. 1" mit Will Smith und "Catch Me If You Can" mit Leonardo DiCaprio. Bereits Snowdens Ausreise aus Hongkong war eine Überraschung - nicht für die chinesischen Behörden, die Snowden offenbar gebeten hatten, ihre Stadt zu verlassen, aber für die Öffentlichkeit.

Im Flughafen von Havann veralbert einer der russischen Piloten die Journalisten, indem er zurückfotografiert.
Im Flughafen von Havann veralbert einer der russischen Piloten die Journalisten, indem er zurückfotografiert.(Foto: AP)

Nachdem Snowden zuvor an einem unbekannten Ort in der Stadt untergetaucht war, teilten die Behörden der Sonderwirtschaftszone am Sonntag mit, Snowden befinde sich auf dem Weg in die russische Hauptstadt. Da war der Computerspezialist bereits seit fünf Stunden in der Luft. In Moskau soll Snowden, glaubt man den russischen Behörden, den Transitbereich des Flughafens Scheremetjewo nie verlassen haben - jedenfalls versteckt sich die russische Regierung hinter dieser Behauptung, wie auch die chinesische Regierung offiziell und gegen jede Plausibilität so tut, als habe sie mit der ganzen Sache nichts zu tun.

"Ich hätte es genauso gemacht"

Die Journalisten im Flugzeug nach Havanna geben die Hoffnung zunächst nicht auf. Snowden sei möglicherweise durch einen anderen Eingang ins Flugzeug gestiegen und halte sich im Cockpit versteckt, spekulieren einige von ihnen. Eine Stewardess hilft ihnen auf die Sprünge: "Ich glaube, er wäre total verrückt, wenn er diesen Flug genommen hätte", sagt sie laut AFP. "Sie sehen doch, was hier los ist. Ich hätte es genauso gemacht."

Nach der Landung in Kuba sagt ein finnischer Journalist, er fange an, "die witzige Seite der Dinge" zu sehen. So ging es wohl auch der Person, die den Twitter-Account @SnodensSeat ins Leben rief. Hier folgt ein Kalauer dem nächsten. "Ich fühle mich so leer", lautet der erste Tweet. Später heißt es: "Der Sitz neben mir hatte eine interessante Geschichte über #Snowden, aber ein @BBCNews-Reporter sitzt jetzt drauf. Wie geht es dir, 17C?" Auf diesem Sitz war Sarah Harrison erwartet worden, eine britische Rechtsexpertin, die für Wikileaks arbeitet und Snowden nach Angaben der Enthüllungsorganisation begleitet.

"He leaks"

Den besten Tweet setzte allerdings ein britscher Nutzer ab. "You're lucky he didn't turn up. He leaks." Zu Deutsch: "Du hast Glück, dass Snowden nicht gekommen ist. Er hält nicht dicht."

Im Flughafen von Havanna bestätigt schließlich einer der beiden russischen Piloten, dass Snowden nicht an Bord gewesen sei. "Kein Snowden. Keine besonderen Leute. Nur Journalisten." Denen ergeht es in Kuba so wie Snowden angeblich in Moskau: Ohne Visum dürfen sie den Transitbereich in Havanna nicht verlassen. Die meisten werden gleich wieder in den Rückflug nach Moskau gesetzt. Nicht einmal betrinken konnten sich die frustrierten Journalisten dort: Seit 2010 serviert Aeroflot keinen Alkohol mehr auf Flügen von und nach Havanna.

Quelle: n-tv.de

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