Politik
Alles ganz harmlos? "Fünf Männekes ziehen eine Weste an und ganz Deutschland steht Kopf."
Alles ganz harmlos? "Fünf Männekes ziehen eine Weste an und ganz Deutschland steht Kopf."

Alles nur ein Witz?: "Die Scharia-Polizei gibt es gar nicht"

Eine "Scharia-Polizei" erregt die Öffentlichkeit, Politiker fordern ein Verbot der Gruppe. Deren Anführer behauptet: Es gibt es uns gar nicht. Man habe nur die Leute "weg aus dem Sumpf" und "in die Moschee" holen wollen.

Der Anführer der Wuppertaler "Scharia-Polizei" hat die Aktion seiner Gruppe als PR-Gag dargestellt. "Fünf Männekes" hätten sich eine Weste angezogen, "und ganz Deutschland steht auf dem Kopf", sagte Sven Lau in Videos auf seiner Facebook-Seite.

Video

Der 33-jährige Lau, der als Erwachsener zum Islam konvertiert ist, gehört zu den wichtigsten Figuren der deutschen Salafistenszene. Seine Gruppe hatte bei Patrouillen im Wuppertaler Stadtteil Elberfeld eine "Shariah Controlled Zone", eine von der Scharia kontrollierte Zone, durchsetzen wollen. Nicht erlaubt wären darin nach ihrer Vorstellung Prostitution und Pornografie, aber auch Alkohol, Musik und Konzerte. Die selbst ernannte Islam-Polizei trug bei ihrer Aktion Westen mit der Aufschrift "Shariah Police". Unionsfraktionschef Volker Kauder forderte ein Verbot der Gruppe.

"Man will uns verbieten?", sagt Lau dazu in einem Video. "Kein Problem. Braucht ihr nicht. Weil uns gibt es gar nicht. Die Scharia-Polizei gibt es nicht, also viel Spaß beim Verbieten." Den Medien warf Lau vor, einseitig über Muslime zu berichten. Über die Ermordung der Ägypterin Marwa El-Sherbini etwa sei "nichts" berichtet worden. Konkret nennt Lau hier unter anderem n-tv. Tatsächlich hat n-tv wie zahlreiche andere Medien ausführlich über den Mord berichtet, der am 1. Juli 2009 die Öffentlichkeit schockierte.

Im anderen Video bestritt Lau, Passanten genötigt zu haben. "Wir sind einfach spazieren gegangen. Nicht mehr und nicht weniger." Es habe sich um eine einmalige Aktion gehandelt: "Ja, wir hatten die Westen für eine Stunde an. Und das war's." Eine Intention sei gewesen, Leute "weg von Drogen, weg aus dem Sumpf" und "in die Häuser Gottes" zu holen. Das habe man geschafft, die Moschee in Wuppertal sei am Wochenende "rappelvoll" gewesen.

In Wuppertal war im Mai ein salafistisches Zentrum eröffnet worden, als Redner trat dort Pierre Vogel auf, ein Prediger, der zu den führenden Köpfen der deutschen Konvertitenszene gehört und als Mentor von Lau gilt. Salafisten sind besonders fundamentalistische Muslime, nach Einschätzung des Verfassungsschutzes ist der Salafismus "in Deutschland wie auch auf internationaler Ebene die zurzeit dynamischste islamistische Bewegung". Der Behörde zufolge gab es im vergangenen Jahr 5500 Salafisten in Deutschland - 1000 mehr 2012.

Laut Polizei waren an der "Scharia-Polizei" nicht fünf, sondern elf Personen beteiligt. Sie wurden festgenommen, die Staatsanwaltschaft leitete ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz gegen sie ein.

Quelle: n-tv.de

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