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Ein Bild aus einer anderen Zeit: Merkel und Putin im April 2013 beim Eröffnungsrundgang der Hannover Messe.
Ein Bild aus einer anderen Zeit: Merkel und Putin im April 2013 beim Eröffnungsrundgang der Hannover Messe.(Foto: picture alliance / dpa)

Merkel und Putin: Die Zeit der Spielchen ist vorbei

Von Hubertus Volmer

Früher prägten Sticheleien und gegenseitiger Respekt das Verhältnis von Kanzlerin Merkel und Präsident Putin. Heute ist klar: Seine Beziehungen zum Westen sind nicht zu reparieren - egal, was Putin darüber sagt.

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel den russischen Präsidenten Wladimir Putin 2007 in dessen Sommerresidenz in Sotschi besuchte, ließ der seine Labradorhündin an der Kanzlerin herumschnuppern. Eine Demonstration der Macht: Merkel mag keine Hunde, seit sie als Kind von einem gebissen wurde.

Merkel revanchierte sich nur indirekt. Berichten zufolge machte sie sich im kleinen Kreis gern mal über den Macho Putin lustig, der sich neben Tigern und mit nacktem Oberkörper fotografieren lässt. Öffentlich verpasste sie keine Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass der Umgang mit Menschenrechten in Putins Russland zu wünschen übrig lässt. Trotz allem respektierten Merkel und Putin einander - nicht wie Kumpels, mehr wie die Anführer gegnerischer Banden.

Diese Zeit ist vorbei. Nach dem G20-Gipfel im australischen Brisbane hielt Merkel in Sydney eine Rede, in der sie den russischen Präsidenten namentlich zwar nicht nannte. Ihre Kritik an ihm war jedoch umso schärfer. Es gebe Kräfte in Europa, "die sich dem gegenseitigen Respekt und einer Konfliktlösung mit demokratischen und rechtsstaatlichen Mitteln verweigern, die auf das angebliche Recht des Stärkeren setzen und die Stärke des Rechts missachten".

Und weiter: "Altes Denken in Einflusssphären, womit internationales Recht mit Füßen getreten wird, darf sich nicht durchsetzen. Ich bin überzeugt: Es wird sich auch nicht durchsetzen, mag der Weg auch noch so lang, noch so beschwerlich sein und noch so viele Rückschläge mit sich bringen."

"Harmonisierung der globalen Beziehungen"

Während Merkel in Australien an ihrer Rede feilte, strahlte die ARD am Sonntagabend bei "Günther Jauch" ein Interview aus, das einmal mehr Putins eigenwilliges Verhältnis zur Realität demonstrierte. Darin sprach der Präsident unter anderem davon, wie wunderbar die Stimmung zwischen Russland und Deutschland in den letzten zehn, fünfzehn Jahren gewesen sei. "Ich weiß nicht, ob es so eine Stimmung jemals zuvor gegeben hatte - ich denke, nicht." Dies sei doch eine sehr gute Grundlage auch für die Beziehungen zwischen Russland und Europa, sogar für eine "Harmonisierung der globalen Beziehungen".

Tatsächlich jedoch ist Putin keineswegs an Harmonisierungen zum Westen gelegen. Seine "europäischen Partner" sieht Putin längst als Gegner. Sein Projekt einer Eurasischen Union ist nicht als Ergänzung, sondern als Alternative zur EU gedacht. Putin hat die russisch-europäischen Beziehungen auf das Niveau plumper Machtpolitik gezogen.

Für Putin gehe es um sein politisches Überleben und um Russlands zukünftige politische Landschaft, schreibt der Herausgeber der russischen Fachzeitschrift "Russia in Global Affairs", Fyodor Lukyanov. Angesichts eines so hohen Einsatzes stelle sich die Frage: "Warum sollte man von ihm erwarten, dass er Zugeständnisse macht - vor allem, da er doch niemals die Beziehungen zum Westen reparieren kann?"

Lukyanov sieht Russland auf einem Weg in eine quasi-sowjetische geopolitische Expansion. Lustige Spielchen mit Hunden und Macho-Imitationen wird es im Verhältnis zwischen Putin und Merkel jedenfalls nicht mehr geben. Beim G20-Gipfel in Brisbane traf die Kanzlerin Putin unter vier Augen, Publikum war bei dem mehrstündigen Gespräch nicht zugelassen. "Die Gespräche waren vertraulich", sagte Merkel später nur. "Wir haben sehr allgemein und grundsätzlich noch einmal über den gesamten Konflikt gesprochen." Nicht einmal Fotos von dem Treffen gab es; Merkel und Putin wollten dieses Mal ganz offensichtlich keine Inszenierung - kein Bild, in dem Merkel Putin tief in die Augen blickt wie bei den Feiern zum D-Day in der Normandie, kein breitbeinig-desinteressiert auf seinem Stuhl lümmelnder Putin bei derselben Gelegenheit.

Die Show fiel also aus, ein Ergebnis gab es ebenso wenig. "Vielleicht" seien die Gespräche in Brisbane hilfreich gewesen, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Man muss diesen Optimismus wohl chronisch nennen.

Quelle: n-tv.de

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