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Eine mit Hellfire-Raketen bewaffnete US-amerikanische MQ-9-Reaper-Drohne in Afghanistan.
Eine mit Hellfire-Raketen bewaffnete US-amerikanische MQ-9-Reaper-Drohne in Afghanistan.(Foto: dapd)

Verzweifelter Appell von Ex-Soldaten: "Drohnen fördern IS-Rekrutierungen"

Von Gudula Hörr

Vier Ex-Angehörige der US Air Force wollen nach dem Terror in Paris nicht länger schweigen. In einem Brief an US-Präsident Obama erklären sie: Gerade der Drohnenkrieg führt zur Rekrutierung neuer IS-Terroristen und destabilisiert die Welt.

Die vier Männer wissen, wovon sie reden: Jahrelang waren Cian Westmoreland, Michael Haas, Brandon Bryant und Stephen Lewis als Piloten und Techniker in der US Air Force Teil des US-Drohnenkriegs. Doch nun, nach den Terroranschlägen von Paris, appellieren sie in einem dramatischen Brief an US-Präsident Barack Obama, Verteidigungsminister Ashton Carter und CIA-Chef John Brennan, ihre militärische Taktik zu überdenken. Ihr Argument: Der Drohnenkrieg führt unmittelbar zur Rekrutierung neuer Kämpfer von Terrororganisation wie dem Islamischen Staat (IS).

Ein zerstörter Truck im Jemen nach einem Drohnenangriff der USA.
Ein zerstörter Truck im Jemen nach einem Drohnenangriff der USA.(Foto: dpa)

"Wir haben erkannt, dass das Töten von unschuldigen Zivilisten nur das Gefühl von Hass verstärkt hat, das zu Terrorismus und Gruppen wie dem IS führt", schreiben die ehemaligen Angehörigen der Air Force. Dabei sei der Drohnenkrieg ein ähnliches Rekrutierungswerkzeug wie Guantanamo. "Diese Regierung und ihre Vorgänger haben ein Drohnenprogramm erschaffen, das eines der verheerendsten Triebkräfte für Terrorismus und die Destabilisierung in der Welt ist."

Den Grund, warum sie gerade jetzt an die Öffentlichkeit gehen, nennen die Soldaten auch: "Wir können nicht mehr schweigen und Tragödien wie in Paris beobachten, wenn wir wissen, welche verheerenden Effekte das Drohnenprogramm in der Welt und bei uns hat". Solch ein Schweigen würde ihrem Eid widersprechen, die Verfassung zu schützen und zu verteidigen. Sie seien Zeugen gewesen von großer Verschwendung; Missmanagement, Machtmissbrauch  und öffentlicher Lügen über das Drohnenprogramm.

Der Brief der vier Männer, die am Drohnenkrieg in Afghanistan, dem Irak und anderen Konfliktgebieten beteiligt waren, ist außergewöhnlich. "Es ist das erste Mal, dass so viele Menschen zusammen über das Dohnenprogramm sprechen", sagt Jessely Radack dem "Guardian". Sie arbeitet für die Investigativ-Plattform Expose Facts, die die Männer juristisch vertritt und sich um Whistleblower kümmert. Ihnen sei klar, dass sie strafrechtliche Verfolgung riskieren.

Drohnenkrieg wird weiter zunehmen

Ihr Appell kommt zu einer Zeit, da der Drohnenkrieg noch weiter ausgebaut werden könnte. Unmittelbar nach den Terrorangriffen von Paris machte Obama bereits klar, dass er eine Invasion mit US-Bodentruppen gegen den IS auf keinen Fall will. Als Konsequenz ist eine Verstärkung der US-Luftangriffe wahrscheinlich, wobei die Drohnen eine bedeutende Rolle spielen.

Schon in den vergangenen Jahren hat Obama militärisch vor allem auf Drohnen gesetzt und das Programm massiv ausgebaut. Nach Plänen des Pentagon soll zudem in den nächsten vier Jahren die Anzahl der täglichen Drohnenflüge um 50 Prozent zunehmen. Auch die Republikaner sind stramme Verfechter des Drohnenkriegs und erklären deutlich, dass die USA dafür auch den Tod Unschuldiger in Kauf nehmen müssen. Und das konservative Institute for the Study of War fordert nun als Konsequenz aus den Anschlägen von Paris, dass die US-Armee bei den Angriffen gegen den IS nicht so viel Rücksicht nehmen solle. Obama sei zu weit gegangen in seinem Bemühen, zivile Opfer zu vermeiden, heißt es dort.

Dabei ist gerade die extrem hohe Zahl ziviler Opfer ein großer Kritikpunkt am vermeintlich sauberen Drohnenkrieg. Geheime Dokumente, die der Webseite "The Intercept" zugespielt worden waren, zeigen, dass 90 Prozent der Toten im Drohnenkrieg zufällige Opfer sind. In Ländern wie Jemen und Somalia, wo die US-Aufklärungskapazitäten noch schlechter sind, dürfte es sogar zu noch mehr unbeabsichtigten Opfern kommen.

Die vier ehemaligen Angehörigen der Air Force, die alle unter dem Postraumatischen Belastungssyndrom leiden und sich von der US-Regierung im Stich gelassen fühlen, haben wenig Hoffnung, dass ihr Appell etwas ändert. "Wir wünschen uns, dass Sie unsere Sicht der Dinge bedenken", schreiben sie. Auch wenn diese Bitte vielleicht vergeblich sei angesichts der beispiellosen Verfolgung der Whistleblower Chelsea Manning, Julian Assange und Edward Snowden. Doch, so enden sie ihren Brief: "Für unser Land hoffen wir, dass es anders ist."

Quelle: n-tv.de

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