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Die Griechen sind schon lange an der Grenze der Belastbarkeit angelangt.
Die Griechen sind schon lange an der Grenze der Belastbarkeit angelangt.(Foto: dapd)

Studie: Besorgniserregender Trend: EU droht die soziale Spaltung

Die wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede in der EU erreichen enorme Ausmaße. Während die leistungsstarken Länder des Nordens eine Arbeitslosenquote von nur noch rund 5 Prozent erreichen, liegt sie in Südeuropa bei über 25 Prozent. Verlierer sind Langzeitarbeitslose, junge Menschen, Frauen und Alleinerziehende.

Der Europäischen Union droht eine soziale Spaltung zwischen Nord- und Südländern. Während Staaten wie Deutschland in der anhaltenden Krise vergleichsweise gut dastehen, wachsen die wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede zu Sorgenkindern wie Spanien und Griechenland. Das teilte die EU-Kommission in Brüssel mit. Die Spaltung spiegelt sich auch in der neuen Rekordarbeitslosenquote in der Eurozone von 11,8 Prozent wider.

Die EU-Kommission stellt in einem Bericht über Beschäftigung und die soziale Lage in Europa im Jahr 2012 einen "besorgniserregenden Trend" und ein "neues Muster" der Auseinanderentwicklung zwischen Ländern aus dem Norden und dem Süden besonders der Eurozone fest: Der Unterschied bei der Arbeitslosenquote zwischen diesen beiden Gruppen lag im Jahr 2000 bei 3,5 Prozentpunkten und verschwand bis zum Jahr 2007 sogar. Seit dem Beginn der Finanz- und Schuldenkrise ist die Spaltung aber wieder auf 7,5 Prozent in die Höhe geschossen.

Enorme Unterschiede bei der Arbeitslosenquote

Arbeitslose warten auf die Auszahlung ihrer Arbeitslosenunterstützung in Athen.
Arbeitslose warten auf die Auszahlung ihrer Arbeitslosenunterstützung in Athen.(Foto: dpa)

Diese Entwicklung lässt sich auch an den neuen Arbeitslosenzahlen des EU-Statistikbüros Eurostat ablesen. In Österreich waren demnach im November 4,5 Prozent der Erwerbsfähigen arbeitslos, in Luxemburg waren es 5,1 Prozent und in Deutschland 5,4 Prozent. In den Krisenländern Spanien und Griechenland hatte hingegen mehr als jeder Vierte keine Arbeit. In Spanien lag die Quote im November bei 26,6 Prozent, die letzte Statistik für Griechenland aus dem September weist eine Arbeitslosenquote von 26,0 Prozent aus.

Auch bei der Jugendarbeitslosigkeit sind Spanien und Griechenland mit Quoten von 56,5 Prozent beziehungsweise 57,6 Prozent besonders betroffen. Insgesamt stieg die Arbeitslosigkeit in der Eurozone mit einer Quote von 11,8 Prozent und 18,82 Millionen Menschen ohne Job auf ein neues Rekordhoch. In allen 27 EU-Ländern zusammen wuchs die Zahl der Arbeitslosen aufgrund der schlechten Entwicklung in der Eurozone auf mehr als 26 Millionen an.

Immer mehr Langzeitarbeitslose

Zudem ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen im Laufe der Wirtschaftskrise weiter gestiegen. Während 2009 noch 33 Prozent aller Arbeitslosen ein Jahr oder länger ohne Beschäftigung blieben, waren es 2011 insgesamt schon 42,5 Prozent. Dies liege auch an falschen Qualifikationen, sagte Andor: "In einigen Ländern, besonders in Süd- und Osteuropa, passen Fähigkeiten und Jobs nicht gut zusammen - und dies hat sich verschlechtert."

Kein Silberstreif am Horizont

"2012 war ein weiteres schlechtes Jahr für Europa, was die Arbeitslosigkeit und die sich verschlechternde soziale Lage angeht", sagte EU-Sozialkommissar Laszlo Andor. Eine deutliche Verbesserung sei auch im neuen Jahr unwahrscheinlich, wenn es im Kampf gegen Euro-Krise und soziale Ausgrenzung sowie bei der Suche nach Investitionen keine schnelleren Fortschritte gebe. Besonders im Süden Europas sieht die Kommission das Problem, dass die Arbeitskräfte nicht den Anforderungen des Marktes entsprechend ausgebildet sind.

Armut trifft Junge, Frauen, Alleinerziehende

Die Gefahr eines dauerhaften Abrutschens in die Armut ist der EU-Kommission zufolge zwischen den EU-Ländern höchst unterschiedlich. Ein wachsendes Armutsrisiko bestehe besonders in den Staaten aus dem Süden und dem Osten der EU. Eine "neue Trennung" zeichne sich ab zwischen Ländern, die in einer Abwärtsspirale abnehmender Arbeitsleistung, schnell steigender Joblosigkeit und sinkenden Einkommen gefangen seien, und solchen Staaten mit robusteren Sozialsystemen und reformierten Arbeitsmärkten. Besonders von Armut bedroht seien junge Menschen, arbeitslose Frauen sowie alleinerziehende Mütter.

Während die durchschnittlichen Haushaltseinkommen in zwei Dritteln der EU-Staaten in der Krise sanken, wuchsen sie etwa in Deutschland, Frankreich und Polen. Die stärksten Einbrüche erlitten die Menschen in Griechenland, Spanien und Zypern.

Quelle: n-tv.de

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