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Der Berliner Denis Cuspert auf einem Staudamm im Irak: Früher sang er als "Deso Dogg" Rapsongs, heute tötet er angeblich unter dem Namen Abu Talha al-Almani für ein Kalifat.
Der Berliner Denis Cuspert auf einem Staudamm im Irak: Früher sang er als "Deso Dogg" Rapsongs, heute tötet er angeblich unter dem Namen Abu Talha al-Almani für ein Kalifat.(Foto: picture alliance / dpa)

Das "Kalifat" zieht Europäer an: EU rechnet mit 3000 Dschihadisten

Die Ausrufung eines Kalifats durch den Islamischen Staat zeigt offenbar Wirkung. Die Zahl der europäischen Terrorkämpfer in Nahost sei binnen kurzem auf 3000 gestiegen, heißt es. Eine Gruppe bereitet dabei besondere Sorgen.

Laut Schätzung des EU-Terrorbeauftragten haben sich bislang rund 3000 Menschen aus Europa dem Kampf muslimischer Extremisten im Irak und Syrien angeschlossen. Die Zahl sei innerhalb weniger Monate sprunghaft von 2000 auf 3000 angestiegen, sagte der Belgier Gilles de Kerchove. "Nach meiner Einschätzung sind es rund 3000", so der EU-Fachmann. "Der Strom ist nicht ausgetrocknet. Die Ausrufung eines Kalifats (durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat/IS) hat womöglich Wirkung erzielt."

Den Angaben der EU zufolge kämen die meisten europäischen Kämpfer der Extremisten im Nahen Osten aus Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Schweden und Dänemark. Weniger stark, aber dennoch spürbar, sei der Zustrom aus Spanien, Italien, Irland und Österreich.

Drei Gruppen von Rückkehrern

Zwischen 20 und 30 Prozent der 'Terror-Touristen' seien aus den Kampfgebieten wieder in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt, schätzte de Kerchove weiter. Einige von ihnen würden in Europa ein ganz normales und unauffälliges Leben führen, andere litten unter den Erfahrungen, die sie im Nahen Osten gemacht hatten.

Wieder andere hingegen hätten sich im Anschluss an ihre Kampferfahrung weiter radikalisiert und stellten mittlerweile eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Es sei eine schwierige Aufgabe für die Staaten der EU, Angehörige dieser letzten Gruppe zu identifizieren und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.  

In der ganzen EU herrscht große Sorge darüber, dass sich von den Hunderten Zurückgekehrten die Radikalsten mit Kampferfahrung der Planung und Umsetzung von Anschlägen widmen könnten. Der Anschlag eines jungen Franzosen auf ein jüdisches Museum Ende Mai in Brüssel bekräftigte diese Sorge ebenso wie die jüngste Aufforderung von IS-Sprechern, Zivilisten und Soldaten der Länder, die sich am Kampf gegen die Terrormiliz beteiligen, zu töten. Anfang Juli vereinbarten Deutschland und weitere europäische Staaten einen Aktionsplan gegen die Bedrohung durch zurückkehrende Dschihadisten.

Quelle: n-tv.de

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