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Ein am Samstag abgeschossener aserbaidschanischer Helikopter.
Ein am Samstag abgeschossener aserbaidschanischer Helikopter.(Foto: AP)
Sonntag, 03. April 2016

Unterstützung für Aserbaidschan: Erdogan mischt sich in Kaukasus-Konflikt ein

Nun schaltet sich auch der türkische Präsident Erdogan in den Konflikt um das umstrittene Grenzgebiet Berg-Karabach ein. "Wir werden Aserbaidschan bis zum Ende unterstützen", versichert er - was Russlands Präsidenten Putin kaum gefallen dürfte.

Im Konflikt um das Grenzgebiet Berg-Karabach im Südkaukasus hat die türkische Regierung Aserbaidschan ihre Unterstützung zugesichert. "Wir beten dafür, dass unsere aserbaidschanischen Brüder mit den kleinstmöglichen Verlusten die Oberhand in diesen Kämpfen gewinnen", erklärte Präsident Recep Tayyip Erdogan. "Wir werden Aserbaidschan bis zum Ende unterstützen."

An der Frontlinie zu dem Gebiet Berg-Karabach hatte es seit der Nacht zum Samstag schwere Gefechte mit Toten auf aserbaidschanischer und auf armenischer Seite gegeben. 30 Soldaten wurden getötet, außerdem starben ein aserbaidschanischer und ein armenischer Zivilist. Der Vorfall gilt als die heftigste Eskalation zwischen den Ex-Sowjetrepubliken seit Jahren.

Die Gefechte dauerten auch am Sonntagmorgen noch an. An der Südgrenze der Unruheregion gebe es weiterhin Kämpfe mit dem aserbaidschanischen Militär, sagte ein Sprecher des armenischen Verteidigungsministeriums der Agentur Interfax. Aserbaidschan kündigte inzwischen eine einseitige Waffenruhe an. Als "Zeichen guten Willens" sei die Feuerpause beschlossen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Baku mit. Allerdings würden alle von den armenischen Truppen besetzten Gebiete "befreit", sollte das armenische Militär seine "Provokationen" nicht stoppen.

Sorge wächst

Die Gefechte lösten international Besorgnis aus. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Beteiligten auf, "den Kämpfen ein sofortiges Ende zu setzen, die Waffenstillstandsvereinbarung vollständig zu respektieren und sofortige Schritte zur Deeskalation der Situation zu unternehmen". Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier telefonierte nach Angaben des Auswärtigen Amtes am Sonntagvormittag mit seinem aserbaidschanischen Kollegen Elmar Mammadyrow. Armeniens Präsident Serge Sarkissjan wird am Dienstag in Berlin erwartet. Auch das biete Gelegenheit, nach Wegen zu einer Konfliktlösung zu suchen, hieß es im Außenministerium.

Die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan streiten seit vielen Jahren um die Region Berg-Karabach. Proarmenische Rebellen hatten das mehrheitlich von Armeniern bewohnte Gebiet, das zu Sowjetzeiten Aserbaidschan zugeschlagen worden war, Ende der 80er Jahre mit Eriwans Unterstützung unter ihre Kontrolle gebracht. Anfang der 1990er Jahre hatte sich die Region in einem Krieg mit fast 30.000 Toten für unabhängig erklärt. Ein 1994 vereinbarter Waffenstillstand ist seit Jahren brüchig. Die Führung in Baku hat mehrfach gedroht, das abtrünnige Gebiet zurückzuerobern.

Russland sieht sich als Schutzmacht Armeniens und hat Tausende Soldaten in dem Land mit rund drei Millionen Einwohnern stationiert. Der russische Präsident Wladimir Putin mahnte Armenien und Aserbaidschan zur Zurückhaltung. Putin sei zutiefst besorgt angesichts der Gewalteskalation, sagte sein Sprecher.

Quelle: n-tv.de

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