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Polarisiert nicht nur bei seinem Besuch in Köln: der türkische Ministerpräsident Erdogan.
Polarisiert nicht nur bei seinem Besuch in Köln: der türkische Ministerpräsident Erdogan.(Foto: REUTERS)

"Du bist weiter gegangen": Erdogan will Özdemir nicht mehr sehen

Auch nach seinem Besuch in Köln fühlt sich Recep Tayyip Erdogan ungerecht behandelt von deutschen Politikern und Medien. In einer Rede schießt er vor allem gegen den "sogenannten Türken", Grünen-Chef Cem Özdemir.

Gerade war er noch in Deutschland und versetzte 18.000 Menschen in der Köln-Arena in Ekstase, jetzt meldet sich Recep Tayyip Erdogan aus seiner Heimat wieder zu Wort. Mit Sorge habe er die Ergebnisse der Europawahl zur Kenntnis genommen, sagt der türkische Ministerpräsident, und holt noch zu einem Rundumschlag gegen deutsche Medien und Politiker aus. Vor ihrem gegen den Grünen-Chef Cem Özdemir.

In einer vom Fernsehen übertragenen Rede vor der Parlamentsfraktion seiner Regierungspartei AKP wies Erdogan den Protest gegen seine Reise nach Köln zurück. In Deutschland lebten drei Millionen Türken, sagte er. "Wir fahren dorthin, koste es, was es wolle." Deutsche Medien hätten ihn "mit Überschriften voller rassistischem Hass" attackiert.

Schwere Vorwürfe richtet Erdogan an den Grünen-Politiker Cem Özdemir. Der "sogenannte Türke" und Ko-Vorsitzende einer deutschen Partei habe "sehr hässliche" Dinge über seinen Besuch gesagt. Erdogan deutete an, dass er Özdemir nicht mehr in der Türkei sehen wolle. Die Grünen-Politikerin Claudia Roth habe die Türkei zwar auch häufig kritisiert, doch sei ihr nie ein Besuch in der Türkei verwehrt worden. "Aber du bist weiter gegangen", sagte Erdogan an Özdemir gerichtet. Dieser hatte Erdogan im Vorfeld seines Besuch gewarnt, er solle die Konflikte der Türkei nicht nach Deutschland tragen und keinen Wahlkampf in eigener Sache machen. Eine Absage von Erdogans Aufritt in Köln, wie ihn manche Politiker gefordert hatten, hatte Özdemir jedoch explizit abgelehnt.

69 Prozent gegen Türkei-Beitritt

Betroffen äußert sich Erdogan über den Ausgang der Europawahl. Das Erstarken rechtspopulistischer Parteien ist nach seiner Einschätzung eine Folge von Untätigkeit Europas angesichts rechtsradikaler Tendenzen. Seit Jahren warne sein Land vor einem wachsenden Rassismus und vor Neonazi-Verbrechen in Europa. Das Wahlergebnis habe die türkischen Befürchtungen bestätigt.

In seiner Rede warf Erdogan europäischen Staaten zudem vor, Spannungen in der Türkei anzufachen, um dem Land zu schaden. Die ausländische Unterstützung für gewaltbereite Gruppen in der Türkei sei wohlbekannt, sagte er. Das habe seine Regierung mit Dokumenten bewiesen, doch den Drahtziehern gehe es darum, die Türkei zu spalten und zu schwächen. Erdogan verwies auf kürzliche Straßenschlachten im Istanbuler Stadtteil Okmeydani, bei denen zwei Menschen starben. Bei der Gewalt habe die linksextreme Gruppe Revolutionäre Volksbefreiungsfront eine wichtige Rolle gespielt. Diese habe Ausbildungslager in Griechenland.

Einer Umfrage zufolge sind die Deutschen zurzeit mehrheitlich gegen einen EU-Beitritt der Türkei. 69 Prozent sprechen sich in einer Untersuchung von Forsa gegen eine Aufnahme in die Europäische Union aus. Lediglich 26 Prozent meinen, das Land solle EU-Mitglied werden. 2005 waren nur 52 Prozent gegen einen Beitritt gewesen.

Quelle: n-tv.de

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