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Will "die Interessen der Menschen in der Ostukraine sichern": Kreml-Chef Wladimir Putin.
Will "die Interessen der Menschen in der Ostukraine sichern": Kreml-Chef Wladimir Putin.(Foto: imago/ITAR-TASS)

Putins "Neurussland"-Pläne: Experten: Moskau hat eine Ukraine-Strategie

Russlands Präsident Putin stiftet mit dem Ruf nach einer eigenen "Staatlichkeit" für die Rebellengebiete in der Ukraine Verwirrung. Zwar rudert der Kreml wenig später zurück - Experten sind jedoch überzeugt, dass Moskau ganz eigene Pläne für die Region hat.

Andeutungen gab es einige: Schon im April nutzte Russlands Präsident Wladimir Putin für die Südostukraine den Begriff "Neurussland". In der Nacht zum Freitag legte er in einer offiziellen Kreml-Erklärung nach, in der er die Separatisten als "Verteidiger von Neurussland" lobte. Am Sonntag schließlich wurde sein Ruf publik, das Gebiet müsse eine eigene "Staatlichkeit" erhalten.

Zwar stellte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow kurz darauf klar, es gehe "absolut nicht" um einen staatlichen Status für die Rebellengebiete. Experten haben hingegen schon länger keinen Zweifel mehr, dass Moskau ganz eigene Pläne für die Region hat. "Putin hat endgültig entschieden", sagt der Kreml-kritische Moskauer Politologe Alexander Morosow. "Er glaubt, Neurussland solle existieren." In den kommenden Monaten würden die Strategen in Moskau die genauen Grenzen des Territoriums festlegen.

Historisch bezieht sich der Name Neurussland auf eine Provinz des Zarenreichs, die das russische Heer im 18. Jahrhundert von den Osmanen eroberte. Das Gebiet umfasste die heutige Ost- und Südukraine.

Nur eine Umbenennung der Südostukraine?

Warum die Bolschewiken das von Katharina der Großen eroberte Gebiet nach der Revolution von 1917 an die Ukraine übertragen hätten, "das weiß Gott allein", sagte Putin im April im russischen Fernsehen. Die Krim-Annexion rechtfertigte er mit ähnlicher Logik. Die Schwarzmeerhalbinsel habe bis 1954 zu Russland gehört, daher werde nun der Fehler von damals wieder gut gemacht.

Peskow fand es kaum bemerkenswert, dass der brisante Terminus in der offiziellen Putin-Erklärung in der Nacht zum Freitag auftauchte. "So ist das Gebiet historisch genannt worden.", sagte er im Radio. Es handele sich schlicht um einen russischen Namen für das Territorium.

Doch seit Sonntag scheint klar, dass Putin wohl mehr will, als die Südostukraine umzubenennen. Nachrichtenagenturen zitierten den Kreml-Chef aus einem am Freitag aufgezeichneten TV-Interview mit der Forderung, Gespräche zu Fragen "über die politische Organisation der Gesellschaft und eine Staatlichkeit für die Südostukraine" müssten "sofort beginnen".

In den zurückliegenden Wochen schien dies noch realitätsfern. Die ukrainischen Regierungstruppen drängten die prorussischen Separatisten immer weiter zurück, die Eroberung der Rebellenhochburg Donezk schien nahe, viele Anführer der Aufständischen warfen das Handtuch. Doch in der vergangenen Woche starteten die Separatisten plötzlich eine Gegenoffensive, die sich erstmals auch auf Gebiete im Süden bis zum Asowschen Meer erstreckte. Eine Region, die Russland auf dem Landweg mit der Krim verbinden würde.

Kiew und der Westen werfen Russland nicht nur vor, hinter der Blitzoffensive zu stecken. Einige ukrainische Regierungsvertreter beschuldigen Moskau einer direkten Invasion; die Nato geht von mehr als tausend russischen Soldaten auf ukrainischem Territorium aus. Angaben, die Russland weiterhin als falsch zurückweist.

Quelle: n-tv.de

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