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Sechs fehlende Wasserhähne sollen in der neuen BND-Zentrale einen Millionenschaden angerichtet haben.
Sechs fehlende Wasserhähne sollen in der neuen BND-Zentrale einen Millionenschaden angerichtet haben.(Foto: dpa)

Gestohlene Wasserhähne: Experten vermuten Sabotage beim BND

Nach der Flutung großer Teile der künftigen Nachrichtendienstzentrale in Berlin sind die entscheidenden Fragen weiter offen. Experten glauben nicht an einen normalen Diebstahl. Auch was der vermeintliche "Spaß" kostet, ist unklar.

Bei dem durch sechs abmontierte Hähne entstandenen Wasserschaden im Neubau des Bundesnachrichtendienstes (BND) schließt die Polizei Sabotage nicht aus. "Den Tätern ging es nicht um den Diebstahl von ein paar billigen Wasserhähnen, sondern vor allem darum, Schaden zu verursachen", zitiert die "Berliner Zeitung" einen Ermittler. Auch mit dem Bau vertraute Experten vermuteten einen Sabotageakt. Nach Angaben eines Sprechers ermittelt die Polizei "in alle Richtungen".

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Bei dem jüngsten Vorfall waren im Hauptgebäude, das einen großen Lichthof umschließt, im vierten, fünften und sechsten Stockwerk der Seitenflügel sechs Wasserhähne abmontiert worden. Der zentrale Sicherheitsbereich des Komplexes in Berlins Mitte ist nach DPA-Informationen nicht betroffen.

Welche Auswirkungen der Wasserschaden auf die weiteren Umzugspläne des deutschen Auslandsgeheimdienstes in seine neue Zentrale hat, war zunächst unklar. Auch die Höhe des Sachschadens blieb offen. Nach Pfusch am Bau und Problemen mit dem Lüftungssystem hatte sich der für 2013 geplante Umzug mehrmals verzögert - er sollte nun bis 2017 dauern. Ob dies zu halten ist, bleibt unklar. Auch die Kosten waren explodiert: Zunächst sollte die neue Zentrale mit 730 Millionen Euro zu Buche schlagen. Zuletzt ging das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung von 912,4 Millionen Euro Baukosten aus. Der BND rechnet inklusive Umzug mit Gesamtausgaben von 1,3 Milliarden Euro für den Standort Berlin.

Umfassende Untersuchung gefordert

Das Wasser soll teils zentimeterhoch auf den Parkettböden im Besprechungsbereich gestanden haben. Im Übergang zum Torhaus brach eine Decke teilweise ein. Zuvor hatte das Wasser deren Rigipsverkleidung durchweicht. Die elektrische Anlage sei aber nicht betroffen, ebenso wenig Räume für Computerserver. Eine Sprecherin des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung (BBR), das für das größte Bauprojekt des Bundes nach dem Krieg zuständig ist, wollte sich zu Details nicht äußern.

Nach dpa-Informationen gehen mit der Hochsicherheitsbaustelle vertraute Experten nicht von einem einfachen Diebstahl aus. Geprüft werde, ob sich etwa ein Mitarbeiter einer Baufirma einen Spaß habe machen wollen, oder ob die Wasserhähne aus politischen Motiven entfernt worden seien, um dem BND zu schaden. Andere hielten einen Sabotageakt für wahrscheinlich.  

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele forderte eine umfassende Untersuchung des Schadens, der offenbar durch das Abmontieren von Wasserhähnen verursacht wurde. Schließlich sei die künftige Geheimdienstzentrale "nicht irgendein Gebäude", sagte Ströbele. Der Abgeordnete verwies darauf, dass der Hintergrund der Tat noch unklar sei. "Da sind der Fantasie Tür und Tor geöffnet", sagte der Abgeordnete, der die Grünen in dem für die Geheimdienste zuständigen Parlamentarischen Kontrollgremium vertritt.

Quelle: n-tv.de

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