Politik
Eine Mutter versucht in einem Wartezelt vorm Lageso, ihr Kind mit den Händen zu wärmen.
Eine Mutter versucht in einem Wartezelt vorm Lageso, ihr Kind mit den Händen zu wärmen.(Foto: dpa)

Lageso-Helfer schlagen Alarm: Flüchtlinge frieren vor Wartezelten

Angesichts der Eiseskälte spitzt sich die Lage vorm Berliner Lageso weiter zu: Helfer berichten von Flüchtlingen, die angeblich nach langem Warten wegen Erfrierungen behandelt werden müssen. Die Sozialverwaltung widerspricht diesen Aussagen.

Freiwillige Helfer der Initiative "Moabit hilft" und Caritasmitarbeiter haben erneut die Zustände vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) angeprangert. Trotz der klirrenden Kälte warteten dort weiterhin zahlreiche Flüchtlinge, teilweise schon ab 4 Uhr morgens, im Freien auf einen Termin. Mittlerweile führe das zu ernsthaften gesundheitlichen Belastungen. Dem "Tagesspiegel" sagte der Leiter des Caritas-Teams, Sascha Kiffer, es hätten allein am Montag zehn Flüchtlinge Erfrierungen erlitten. Sie seien von Notärzten behandelt worden. Dem widerspricht die Berliner Sozialverwaltung. "Wir haben mit dem Sozial-Team der Caritas vor Ort gesprochen", hieß es in einem Statement auf Facebook. "Dort hat man uns versichert, dass es weder Verdachtsfälle auf Erfrierungen noch Notarzt-Einsätze gegeben hat."

Eine Sprecherin von "Moabit hilft" berichtete der Zeitung, dass schon am Dienstag drei Wartende mit Kreislaufbeschwerden zusammengebrochen seien. Problematisch sei den Helfern zufolge vor allem die Tatsache, dass nicht alle Flüchtlinge in den - teils nur ungenügend beheizten - Zelten unterkommen würden. Einige müssten draußen auf einen Termin warten. Besonders gefährlich sei dies, weil die Flüchtlinge teilweise nicht ausreichend mit passender Winterkleidung und Schuhen ausgestattet seien. Einen Bericht, wonach einem Mann aufgrund von Erfrierungen ein Zeh amputiert werden musste, dementierte Kiffer im "Tagesspiegel".

Czaja: Familien und Behinderte bevorzugt

Sozialsenator Mario Czaja hatte zuletzt versprochen, die Situation am Lageso zu verbessern. Im ZDF sagte der CDU-Politiker, Ziel sei es, "dass wir all diejenigen, die neu nach Berlin ankommen, gleich am ersten Tag registrieren können." Es seien weitere Mitarbeiter eingestellt worden, die bei der Auszahlung von Geld und anderen Aufgaben helfen könnten. Familien mit Kindern sowie Kranke und Behinderte würden in der Behörde bevorzugt behandelt. Cjaza hatte bestritten, dass Flüchtlinge in der Kälte warten müssten.

Mit Beginn des neuen Jahres sind besonders viele Menschen auf das Lageso angewiesen. Sie holen dort ihre Sozialleistungen ab. Nach Angaben der Senatssozialverwaltung würden Kostenübernahmen für die Unterkunft und Taschengeldzahlungen mittlerweile automatisch verlängert, sodass die Flüchtlinge nicht jedes Mal wieder im Amt vorsprechen müssten. Dennoch gebe es laut Kiffer Menschen, die Terminzettel bei sich trügen, auf denen noch Tage im November oder September vermerkt seien.

Das Landesamt steht wegen der teils chaotischen Zustände bei der Terminvergabe seit Monaten in der Kritik. Erst Anfang Dezember war deshalb der Behördenchef Franz Allert zurückgetreten.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen