Politik
Menschen in Tripolis feiern das Ende des Gaddafi-Regimes.
Menschen in Tripolis feiern das Ende des Gaddafi-Regimes.(Foto: dpa)

"Oberkörper eines 40-Jährigen": Gaddafi starb an Hirnblutung

Der Arzt, der Gaddafis Totenschein ausgestellt haben soll, führt den Tod des libyschen Ex-Diktators laut einem Medienbericht auf eine Hirnblutung zurück. Spuren einer Misshandlung vor dem Tod habe er aber nicht entdeckt. Gaddafis Leiche habe das verlebte Gesicht eines 69-Jährigen gehabt, aber den Oberkörper eines 40-Jährigen, sagt der Arzt.

Der gestürzte libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi ist einem Medienbericht zufolge an einer Hirnblutung nach einer massiven Kopfverletzung gestorben. Die Hirnblutung habe zu einer Herniation geführt, einer "Einklemmung von Gehirnteilen mit einer anschließenden Lähmung des Atemzentrums". Die Herniation sei die Ursache für seinen Tod gewesen, sagte der Arzt Abu Bakr Traina, der Gaddafis Totenschein ausgestellt habe, dem "Spiegel".

"Ob das eine Kugel war oder ein Schrapnell, wissen wir nicht", ergänzte er mit Blick auf die Kopfverletzung. Die Eintrittswunde in der Stirn sei ziemlich klein, nur die Austrittswunde an der Schläfe sei größer. "Das Geschoss selbst ist verschwunden."

Keine Spuren von Misshandlungen

Er verstehe das Interesse an den genauen Umständen des Todes des Ex-Machthabers, doch sei er skeptisch, ob das Geheimnis jemals aufgeklärt werden könne, sagte Traina. "Der offizielle Obduktionsbericht von den Ärzten aus Tripolis wird demnächst veröffentlicht, aber ohne das Fragment können die auch nicht viel mehr sagen", fügte er hinzu.

Nach Trainas Angaben fanden sich an Gaddafis Leiche keine Anzeichen schwerer Misshandlungen vor seinem Tod. Traina fand den Leichnam nach eigenen Angaben in einem besseren Zustand vor als erwartet: "Ich dachte, er sei bestimmt furchtbar zugerichtet mit schweren Hämatomen, Brüchen, Wunden. Ich dachte, er sei totgeschlagen worden. Aber als wir ihn vom Blut gereinigt hatten, sah ich kaum blaue Flecken, auch Rippenbrüche konnte ich keine ertasten." Gaddafi habe "das verlebte Gesicht eines 69-Jährigen, aber den Oberkörper eines 40-Jährigen, kaum Falten, flacher Bauch" gehabt.

Gräber von Angehörigen geschändet

Angehörige von Gaddafis Stamm stehen an den geschändeten Gräbern.
Angehörige von Gaddafis Stamm stehen an den geschändeten Gräbern.(Foto: REUTERS)
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Unterstützer des Nationalen Übergangsrats in Libyen hatten Gaddafi am 20. Oktober nach einem NATO-Luftangriff auf seine Heimatstadt Sirte gefangen genommen.

Nach Angaben des Übergangsrats starb er im Kreuzfeuer zwischen Anhängern und Gegnern. Anderen Berichten zufolge wurde Gaddafi Opfer eines Lynchmords. In einem im Internet veröffentlichten Video sagte ein Anhänger des Übergangsrats, er habe Gaddafi in den Kopf geschossen.

Gaddafi wurde an unbekanntem Ort Gaddafi in Wüste beigesetzt . In seiner Heimatstadt Sirte wurden dem "Spiegel" zufolge die Gräber seiner Mutter und seiner Großmutter geschändet und die Überreste der Leichen verschleppt.

Berichte über Rache an Gaddafi-Anhängern

Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten üben Milizen in der libyschen Stadt Misrata Rache an Anhängern Gaddafis. Die Organisation Human Rights Watch (HRW) berichtete unter Berufung auf Dutzende Augenzeugen im ganzen Land, Bewaffnete aus Misrata würden aus der Nachbarstadt Tawargha vertriebene Einwohner "terrorisieren". Es lägen glaubhafte Berichte vor, dass auf unbewaffnete Menschen aus Tawargha geschossen werde, zudem gebe es willkürliche Festnahmen und Gefangene würden brutal geschlagen.

Die Milizen werfen den ehemaligen Einwohnern Tawarghas demnach vor, an der Seite von Gaddafis Truppen in Misrata Gräueltaten wie Vergewaltigungen und Morde verübt zu haben. Tawarghas galt als Hochburg von Gaddafi-Anhängern und diente seinen Truppen auch als Basis für Angriffe auf Rebellen in Misrata. Als die Aufständischen Mitte August ihre Offensive in Richtung Tripolis ausweiteten, wurden die meisten der rund 30.000 Einwohner vertrieben.

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Quelle: n-tv.de

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