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Wer in Deutschland die Kippa trägt, sollte sich sicher fühlen können.
Wer in Deutschland die Kippa trägt, sollte sich sicher fühlen können.(Foto: picture alliance / dpa)

"Indoktrination in Heimatländern": Gemeinden befürchten Asyl für Antisemiten

Jüdische Gemeinden fürchten, dass im Zuge der Flüchtlingskrise neben Nazis und neurechten Verschwörungstheoretikern eine weitere Gruppe von Antisemiten in Deutschland entstehen könnte. Die Gefahr von einsickernden IS-Kämpfern wird jedoch wohl überschätzt.

Die Jüdischen Gemeinden in Hessen befürchten über kurz oder lang Anfeindungen muslimischer Flüchtlinge aus arabischen Ländern gegen Juden. "Momentan haben diese Leute kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland natürlich andere Probleme", sagte der Vorstand der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Jacob Gutmark. "Aber wir haben die Sorge, dass die tiefsitzenden antijüdischen Vorbehalte über kurz oder lang auch hierzulande ihren Ausdruck finden."

"Wir hoffen natürlich, dass eine erfolgreiche Integrationspolitik diese Überzeugungen abzuschwächen hilft", betonte Gutmark. "Aber nach Jahrzehnten der Indoktrinierung über das Fernsehen oder Zeitungen in den Herkunftsländern kann man das nicht über Nacht wegwischen." Die Entwicklung sei deshalb nicht absehbar. "Wir werden ja auch von der rechten Ecke immer beäugt. Und immer, wenn es jemanden nicht zu mögen gibt, sind wir gut dafür", sagte Gutmark. "Wir bleiben deswegen in einem gewissen Spannungszustand."

Forscher: Wohl keine IS-Kämpfer unter Geflüchteten

Aus der Sicht des Politikwissenschaftlers Ruud Koopmans vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung werden die Gefahren extremistischer Tendenzen unter Flüchtlingen überschätzt. So sei ein unbemerktes Einsickern von Anhängern des Islamischen Staats (IS) im Zuge der Flüchtlingskrise unwahrscheinlich.

Die größte Zahl der Zuwanderer aus Syrien fliehe vor dem Assad-Regime: In der Gruppe der sunnitischen Muslime gebe es zwar "zweifellos eine Gruppe, die einer eher traditionellen Form des Islams anhängt." Das sei aber "kurzfristig keine Bedrohung". Die Zweifel in der Bevölkerung an der deutschen Flüchtlingspolitik hängen Koopmans zufolge vor allem mit Unsicherheiten zusammen. Gerade Menschen auf dem Land und im Osten Deutschlands, die bislang weniger mit Zuwanderern in Kontakt gekommen seien, fühlten sich von der Politik nicht ausreichend ernst genommen, sagte Koopmans.

Hessen will Familiennachzug bremsen

Hessens Regierungschef Volker Bouffier sprach sich indes gegen einen raschen Nachzug der Familien von Flüchtlingen aus. "Die Situation wird für uns nicht leichter, wenn wir Familien nun in großer Zahl ins Land holen - das muss auf Jahre gestreckt werden", sagte der CDU-Politiker der Zeitung "Die Welt". Zudem forderte er eine Konzentration auf engste Familienmitglieder von Flüchtlingen, "also Ehepartner und Kinder".

Konkret verlangte Bouffier, dass Familienmitglieder in Sicherheit, "also etwa in einem Lager in der Türkei", frühestens ein Jahr nach der Anerkennung eines Asylbewerbers in Deutschland nachkommen könnten. Anders solle es sich mit verfolgten Familienmitgliedern verhalten. Bouffier warnte davor, dass der Nachzug völlig ungeplant vonstatten gehe. "Die Zahlen müssen weniger werden", sagte er.

Quelle: n-tv.de

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