Politik
Günter Grass galt lange als das "Gewissen der Nation".
Günter Grass galt lange als das "Gewissen der Nation".(Foto: picture alliance / dpa)

Neuer Gedichtband veröffentlicht: Grass greift wieder Israel an

Obwohl ihn Israel mit einem Einreiseverbot abgestraft hat, veröffentlicht Günter Grass erneut kritische Zeilen zum jüdischen Staat. In seinem Gedichtband "Eintagsfliegen" huldigt der deutsche Literaturnobelpreisträger den israelischen "Landesverräter" Vanunu. Doch die Textsammlung zeigt auch: Die Kritik an seinen jüngsten Werken perlt nicht an ihm ab.

Vor kaum einem halben Jahr sorgte Günter Grass mit seinem israelkritischen Gedicht "Was gesagt werden muss" für Aufsehen – im denkbar negativsten Sinne. Medien warfen dem deutschen Literaturnobelpreisträger Lyrik auf Stammtischniveau und Antisemitismus vor. Israel erklärte ihn zur Kritik an Israel für Einreiseverbot Jetzt wagt sich Grass mit dem Gedichtband "Eintagsfliegen" trotzdem wieder mit israelkritischen Zeilen an die Öffentlichkeit.

Nach "Was gesagt werden muss" veröffentlichte Grass ein Gedicht zur Eurokrise, für das er viel Spott erntete.
Nach "Was gesagt werden muss" veröffentlichte Grass ein Gedicht zur Eurokrise, für das er viel Spott erntete.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Band umfasst 87 Texte. In einem würdigt Grass den israelischen Nukleartechniker Mordechai Vanunu als "Held unserer Tage" und "Vorbild". Der Schriftsteller ruft damit zwischen den Zeilen zum militärischen Geheimnisverrat auf - überall dort in der Welt, wo Vernichtungswaffen hergestellt werden.

Vanunu machte 1986 das geheime Nuklearprogramm Israels im Ausland bekannt. Der israelische Geheimdienst Mossad lockte ihn daraufhin nach Rom und entführte ihn per Schiff nach Israel, wo er zu 18 Jahren Haft verurteilt wurde.

Auch das Gedicht "Was gesagt werden muss", in dem Grass Israel vorwirft, den ohnehin brüchigen Weltfrieden zu gefährden, weil das Land für sich das Recht auf einen Erstschlag gegen die Atomanlagen des Irans in Anspruch nimmt,  ist Teil des Bandes.

Grass verliert Autorität

Offensichtlich perlte die Kritik an diesem Werk, das zunächst in Tageszeitungen erschien, nicht am Autor der "Blechtrommel" ab. Für seinen Gedichtband überarbeitete Grass den Text. So heißt es jetzt nicht mehr, die "Atommacht Israel" gefährde den Weltfrieden, sondern "die gegenwärtige Regierung der Atommacht Israel".

Ob sein Gedichtband nun für eine vergleichbare gesellschaftliche Debatte sorgt wie einst "Was gesagt werden muss", ist allerdings fraglich. Nicht, weil er seinen Thesen nun durch Korrekturen ein Stück ihrer Brisanz genommen hätte. Vielmehr, weil dem oft als "Gewissen der Nation" bezeichneten Autor durch seine jüngsten literarischen Arbeiten ein großes Stück seiner Autorität verloren ging.

Schon als Grass im Mai ein Grass rechnet mit Euro-Politik ab veröffentliche, blieb das große Echo von Intellektuellen , Künstlern und Politikern aus. Der Vorsitzende des Europaausschusses im Bundestag, Gunther Krichbaum sagte damals: "Insgesamt sollte man Günter Grass nicht mehr ganz so ernst nehmen."

Quelle: n-tv.de

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