Politik
Jens Spahn positioniert sich in der Flüchtlingspolitik als loyaler Merkel-Kritiker.
Jens Spahn positioniert sich in der Flüchtlingspolitik als loyaler Merkel-Kritiker.(Foto: REUTERS)
Montag, 29. August 2016

Burkaphobiker kommt gut an: "Guardian" kürt Spahn zu Merkel-Nachfolger

Von Vivian Kübler

Ob Angela Merkel erneut als Kanzlerin kandidiert, ist noch offen. Eine britische Zeitung stellt als potenziellen Nachfolger einen Politiker vor, den viele Wähler in Deutschland nicht auf dem Schirm haben dürften.

Der CDU Politiker Jens Spahn, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, ist der zurzeit heißeste Anwärter auf das Amt des Bundeskanzlers in der Zeit nach Angela Merkel. Das behauptet zumindest der britische "Guardian". Gründe gibt es viele, allen voran seine Position in der Flüchtlingspolitik.

Zwar zweifeln nur wenige an einer erneuten Kandidatur der Amtsinhaberin. In den vergangenen elf Jahren führte sie Deutschland durch globale Krisen, behielt einen kühlen Kopf und konnte sich dabei immer auf eins verlassen: den Rückhalt ihrer Partei. Aber die Flüchtlingskrise hat daran bekanntlich gerüttelt. Nicht alle Unionspolitiker unterstützen Merkels liberalen Flüchtlingskurs, Kritik kommt vor allem aus der eigenen Partei. Ihre erneute Kanzlerkandidatur scheint daher nicht mehr so selbstverständlich wie noch vor vier Jahren.

Zur Bundestagswahl 2021 wird Spahn 40 Jahre alt sein.
Zur Bundestagswahl 2021 wird Spahn 40 Jahre alt sein.(Foto: REUTERS)

So überrascht es nicht, dass öffentlich über mögliche Alternativen nachgedacht wird. Spahn würde den offensichtlichen Wunsch nach einem Kurswechsel erfüllen: Er beschreibt sich selbst als "Burkaphobiker". Dem "Guardian" sagt er: "Deutschland ist nicht das richtige Land für diejenigen, die ihre Frauen in Burkas und Niqabs verschleiern wollen ... Wir müssen ein starkes Signal aussenden, was akzeptabel ist und was nicht."

Spahn steht für eine neue Generation von Konservativen

Der gerade einmal 36-Jährige mag vielen nicht wie der typische Kanzlerkandidat einer konservativen Partei vorkommen, und tatsächlich sagt er selbst: "Eine politische Karriere wie meine wäre vor zehn Jahren noch schwieriger umzusetzen gewesen." Der Grund: Spahn ist offen homosexuell. Aber die Zeiten haben sich geändert - auch im katholischen Münsterland, Spahns Heimat.

Seine politische Karriere verlief vergleichsweise steil. 2013 wurde er als potenzieller Kandidat für das Amt des Gesundheitsministers gehandelt, ging aber am Ende leer aus. Er macht seine Enttäuschung öffentlich, aber aus der Bahn geworfen hat ihn das nicht. 2014 bewarb er sich um einen Platz im CDU-Präsidium. Es war eine Kampfkandidatur, ausgerechnet gegen den von der Parteispitze unterstützten damaligen Gesundheitsminister Hermann Gröhe. Doch Spahn setzte sich durch. Er strebt nach Höherem, steht für eine neue Generation moderner Konservativer und sieht in der Flüchtlingspolitik seine Chance. Seine größte Angst sei, sagt er dem "Guardian", dass die deutsche Kultur, die in den letzten zehn Jahren sehr viel liberaler geworden sei, "durch eine konservative Ausprägung des Islam und eine rechtsradikale Gegenbewegung gegen Einwanderung" an Offenheit verliert.

Spahn kritisierte Aspekte der Merkelschen Flüchtlingspolitik zwar scharf, stellte sich aber nicht wirklich gegen ihre Linie. Die Öffnung der Grenzen am 4. September 2015 sei eine "korrekte und logische Entscheidung" gewesen. Sein "Aber" ist, dass klar gemacht werden müsse, dass das eine Ausnahmesituation war und die Regierung die Situation bereits wieder im Griff hätte. Auch sei ausdrücklich zu sagen, dass man sich der Herausforderung der Integration durchaus bewusst sei.

Seine Einstellung, für die Freiheit der deutschen Kultur kämpfen zu müssen und die Integration nicht mit zwei Wochen Sprachkurs erledigt sei, kommt dennoch gut bei den Parteimitgliedern an, die sich von Merkels Flüchtlingskurs distanzieren. Der "Guardian" jedenfalls schätzt Spahns Chancen hoch ein – was dem ehrgeizigen Politiker sicherlich gefallen dürfte.

Quelle: n-tv.de

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