Politik

Angriff aus Russland?Hacker hatten Macron im Visier

25.04.2017, 14:29 Uhr
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Im Visier von Hackern: der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron. (Foto: imago/PanoramiC)

Das Wahlkampfteam des französischen Präsidentschaftskandidaten Macron soll von Hackern angegriffen worden sein. Bei der Attacke sollten unter anderem Login-Daten geknackt werden. Die Spuren deuten auf eine bekannte Gruppe hin.

Der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron ist Experten zufolge kürzlich Ziel eines Hackerangriffs geworden. Eine russische Gruppe habe im März sogenannte Phishing-Attacken gegen Macrons Bewegung "En Marche!" (In Bewegung!) unternommen, erklärte die Firma Trend Micro. Sie kommt aus Japan, agiert international und kümmert sich vor allem um Server- und Netzwerksicherheit. Hinter den Hackerangriffen steht nach Angaben von Trend Micro die Gruppe Pawn Storm.

Macrons Mitarbeiter sollten demnach über gefälschte Mails dazu verleitet werden, unabsichtlich Schadsoftware auf ihre Computer zu laden sowie Login-Daten und Passwörter zu verraten. "Solche Zugangsdaten eignen sich gut, um politische Parteien auszuspionieren", sagte Sicherheitsexperte Feike Hacquebord. Ob die Versuche vom März und April erfolgreich gewesen seien, lasse sich von außen nicht sagen. Er habe den Fall an die französischen Behörden weitergeleitet. Die für die Aktion benutzten Rechner seien abgeschaltet worden.

Wie bereits bei Hillary Clinton

"Pawn Storm" ist eine der ältesten Cyberspionagegruppen. Experten bringen die Gruppe, die auch unter den Namen "Fancy Bear", "Apt 28" und "Strontium" bekannt ist, mit dem russischen Militärgeheimdienst GRU in Verbindung. Hacquebord sagte, mit einer ähnlichen Technik wie bei Macrons Team hätten sich Hacker bereits in die Computer von Hillary Clinton und der CDU eingeschlichen. Die deutsche Cyberabwehrbehörde BSI warnt wegen der Bundestagswahl im September bereits vor Angriffen.

Ein Sprecher der französischen Sicherheitsbehörde Anssi bestätigte den Angriff auf Macrons Mitarbeiter. Beim Wahlkampfteam des Kandidaten war dagegen niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Macrons Bewegung "En Marche!" wurde seit Bekanntgabe seiner Präsidentschaftskandidatur aber nach eigenen Angaben schon Ziel tausender Hackerangriffe.

Die französische Regierung hatte in der Vergangenheit wiederholt vor einer russischen Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf gewarnt. Sie verdächtigte Moskau, die Wahl zugunsten der Rechtspopulistin Marine Le Pen oder des Konservativen François Fillon beeinflussen zu wollen. Beide gelten als russlandfreundlich. Am vergangenen Sonntag landete der parteilose Ex-Wirtschaftsminister bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl vor Le Pen an der Spitze. In der Stichwahl am 7. Mai ist der sozialliberale Reformpolitiker Favorit gegen die Rechtspopulistin.

Quelle: tno/AFP/rts

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