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Kurz vor einer öffentlichen Hinrichtung in Gaza-City.
Kurz vor einer öffentlichen Hinrichtung in Gaza-City.(Foto: REUTERS)

Exekutionen in Gaza-Stadt: Hamas tötet angebliche Spitzel

Die radikal-islamische Hamas macht kurzen Prozess mit "Verrätern": Vor den Augen hunderter Zuschauer erschießen die Militanten angebliche "Spione" Israels. Ihre blutverschmierten Leichen werden im Zentrum von Gaza abgelegt.

Augenzeugen der Exekutionen.
Augenzeugen der Exekutionen.(Foto: REUTERS)

Im Gaza-Krieg geht die radikal-islamische Hamas gnadenlos gegen angebliche Kollaborateure vor. Bei öffentlichen Hinrichtungen werden 18 Menschen wegen einer angeblichen Kollaboration mit Israel erschossen. Es waren die ersten derartigen Exekutionen in der Region seit den 90er Jahren.

Elf Menschen seien am Morgen nahe einer Polizeistation in Gaza erschossen worden, berichtete der Hamas-nahe Fernsehsender Al-Aksa TV. Sieben weitere wurden demnach vor einer Moschee getötet. Augenzeugen zufolge wurden mehrere blutverschmierte Leichen auf einem Platz im Zentrum von Gaza abgelegt. Weitere Leichen wurden vor der Al-Azhar-Universität gefunden. Damit stieg die Zahl der binnen zwei Tagen getöteten angeblichen "Spione" auf 21. Eine Hamas-nahe Webseite schrieb, es werde "keine Gnade" für Kollaborateure geben, die geschnappt würden.

Der Schlag gegen die angeblichen Informanten könnte in einen Zusammenhang mit gezielten Tötungen durch die israelische Armee stehen. Am Dienstagabend hatte das israelische Militär das Haus von Hamas-Militärchef Mohammed Deif angegriffen und dabei seine Frau und seinen kleinen Sohn getötet. Am Donnerstag tötete Israels Luftwaffe drei ranghohe Hamas-Kommandeure in Rafah sowie ein hochrangiges Mitglied des Islamischen Dschihad. Es wird vermutet, dass Palästinenser im Gazastreifen Informationen über die Aufenthaltsorte der von Israel gesuchten "Terrorziele" an dessen Armee weitergeben. Hamas-Chef Ismail Hanija hatte in der Nacht zum Freitag angekündigt, Israel werde für die Liquidierung der Hamas-Mitglieder "einen hohen Preis zahlen".

Arye Shalicar, Sprecher der israelischen Armee sagte, Israel sei "immer auf den Extremfall vorbereitet". Als "Warnsignal" an die radikal-islamische Hamas hatte Israel am Donnerstag 10.000 Reservisten eingezogen.

Raketen in beide Richtungen

Die israelische Armee griff nach eigenen Angaben am Freitag rund 30 Ziele im Gazastreifen an. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben mehrere Menschen getötet. Die Gesamtzahl der Toten seit Beginn der israelischen Militäroffensive am 8. Juli stieg demnach auf 2090. Mehr als 10.000 Palästinenser wurden verletzt. Auf israelischer Seite kamen 64 Soldaten und 3 Zivilisten um, Hunderte wurden verletzt. Militante Palästinenser schossen am Freitag erneut Raketen auf Israel. In der südlichen Stadt Beerscheva wurde ein Mann durch Schrapnellteile verletzt. In Aschdod traf eine Rakete nach Medienberichten eine Synagoge. Dabei wurden drei Personen verletzt, berichtete die Nachrichtenseite "ynet". Am Freitag seien rund 60 Geschosse auf Israel abgefeuert worden, sagte eine Militärsprecherin.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und der Exilchef der radikal-islamischen Hamas, Chaled Maschaal, trafen in Katar zusammen, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Maan. Es ist das zweite Treffen der Palästinenservertreter binnen zwei Tagen. Abbas sollte danach nach Ägypten weiterreisen, um sich mit dem dortigen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi zu beraten. Deutschland, Frankreich und Großbritannien setzen sich für eine UN-Beobachtermission im Gazastreifen ein. Der Entwurf einer entsprechenden Resolution liege dem UN-Sicherheitsrat vor, sagte ein UN-Diplomat am Donnerstag.

Die Resolution soll eine Öffnung der Grenzen zum Gazastreifen beinhalten, aber auch Sicherheitsgarantien für Israel enthalten. Die EU will sich demnach stärker in Gaza engagieren. Eine militärische Mission ist allerdings nicht vorgesehen; Blauhelm-Soldaten würden nicht stationiert. Auch die USA sollen sich nach Medienberichten der Initiative angeschlossen haben. Versuche, eine dauerhafte Waffenruhe durch ägyptische Vermittlung zu erreichen, waren bislang gescheitert. Beobachtern zufolge wäre Israel durchaus aufgeschlossen gegenüber der Resolution. Parallel gibt es einen Entwurf von Jordanien, der eine starke palästinensische Handschrift trägt. Unklar ist noch, ob beide Resolutionen bestehenbleiben und wann über sie abgestimmt werden könnte.

Quelle: n-tv.de

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