Politik

KZ-Aufseher aus der U-Haft entlassen: Holocaust-Überlebende kritisieren Justiz

Die Staatsanwaltschaft wirft Hans Lipschis vor, im KZ Auschwitz "den Lagerbetrieb und damit die Vernichtungsaktion unterstützt zu haben". Doch Lipschis entgeht einer Strafe; er gilt mittlerweile als dement. Überlebende der NS-Verbrechen sind empört.

Für die Überlebenden nationalsozialistischer Vernichtungslager ist die Entlassung des 94 Jahre alten KZ-Aufsehers Hans Lipschis aus der Untersuchungshaft eine bittere Erfahrung. Lipschis, der wegen  beginnender Demenz für verhandlungsunfähig erklärt wurde, habe immerhin seit 1982 wieder in Deutschland gelebt, "wo seine Mitgliedschaft in der SS und sein Einsatz in Auschwitz den Behörden durchaus bekannt waren", sagte Christoph Heubner, Exekutivpräsident des Internationalen Auschwitz-Komitee (IAK), am Rande einer Tagung der Überlebendenorganisation in Oswiecim. Das Landgericht Ellwangen hatte zuvor den Haftbefehl gegen den 94-Jährigen aufgehoben und seine Freilassung bekannt gegeben.

Die Opfer der Nationalsozialisten hätten viele Jahre auf die deutsche Justiz gewartet - lange bevor der Gesundheitszustand der mutmaßlichen Täter einen Prozess unmöglich machte. "Heute wird den Überlebenden zugemutet, dass die Mörder und Mittäter von Auschwitz ihr Leben zu Ende führen können, ohne je mit ihrer Schuld und Gnadenlosigkeit konfrontiert worden zu sein", sagte Heubner. Sie erwarteten daher, dass die deutsche Justiz nun die noch anhängenden NS-Verfahren zügigst bearbeite.

Quelle: n-tv.de

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