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Feuertod im Eisenkäfig: IS ermordet jordanischen Piloten

Der "Islamische Staat" schreckt offenbar vor keiner Grausamkeit zurück: Der als Geisel genommene jordanische Pilot erleidet einen furchtbaren Tod. In einem Video führen die Dschihadisten der Welt vor, wie der Mann bei lebendigem Leib in einem Eisenkäfig verbrennt. Jordanien schwört Rache.

Die Terrormiliz Islamischer (IS) Staat hat den als Geisel genommenen jordanischen Kampfpiloten Muas al-Kasasba in einem Eisenkäfig bei lebendigem Leib verbrannt. Auf einem von IS-Helfern veröffentlichten Video ist zu sehen, wie Dschihadisten ihre wehrlose Geisel zunächst vorführen und dann in den Käfig sperren. Seine orangefarbene Kleidung scheint mit einer Flüssigkeit getränkt. Dann legt ein maskierter Mann Feuer an eine Art Lunte.

"Mit Wut und Trauer haben wir die Nachricht vernommen": Jordaniens König Abdullah II. (l.) erfährt während seines Staatsbesuch bei US-Präsident Barack Obama vom Tod der Geisel.
"Mit Wut und Trauer haben wir die Nachricht vernommen": Jordaniens König Abdullah II. (l.) erfährt während seines Staatsbesuch bei US-Präsident Barack Obama vom Tod der Geisel.(Foto: REUTERS)

Als die Flammen den Käfig erreichen, beginnt die Kleidung der Geisel binnen Sekunden lichterloh zu brennen. Das hilflose Opfer schlägt um sich, wirft sich in seinem Todeskampf hin und her und bricht schließlich zusammen. Die Tat löste weltweit Abscheu und Entsetzen hervor.

Die IS-Milizen setzen die demonstrative Zurschaustellung brutaler Hinrichtung offensichtlich als Waffe ein, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Nach zahlreichen Enthauptungen haben sie mit dem Feuertod im Käfig offenbar eine noch schrecklichere Mordmethode gefunden.

"Fehlgeleitete Verbrecherbande, die nichts mit unserer Religion zu tun hat": König Abdullah II.
"Fehlgeleitete Verbrecherbande, die nichts mit unserer Religion zu tun hat": König Abdullah II.(Foto: Reuters)

Jordaniens König Abdullah II. beschwor angesichts des grausigen Todes die Einheit der Nation. "Mit Wut und Trauer haben wir die Nachricht vernommen, dass der Pilot und Held Muas al-Kasasba von der Terrororganisation IS getötet wurde - von der feigen, fehlgeleiteten Verbrecherbande, die nichts mit unserer Religion zu tun hat", sagte er in einer TV-Ansprache. Die Nachricht vom Tod der Geisel erreichte ihn in Washington, wo sich der Monarch derzeit zum Staatsbesuch aufhält.

In solch schwierigen Zeiten sei es die Pflicht der Söhne und Töchter der Nation, zusammenzuhalten, erklärte Abdullah II. Dies werde letztlich zu größerer Stärke führen. Noch am selben Abend traf sich Abdullah mit US-Präsident Barack Obama. Der US-Präsident hatte die IS-Terrormiliz zuvor als "bösartige und barbarische Organisation" verurteilt.

Zieht der IS Jordanien in den Krieg?

Das US-Außenministerium teilte mit, die Echtheit des Videos werde geprüft. Bis zuletzt hatte die jordanische Regierung nach einer Lösung gesucht - und sogar erwogen, einem Gefangenenaustausch zuzustimmen. Doch offensichtlich waren die Verhandlungen eine Farce.

Nach Angaben des jordanischen Staatsfernsehens soll der Pilot schon am 3. Januar getötet worden sein. Der Vater wurde laut Al-Arabija vom jordanischen Militär über den Tod seines Sohnes informiert. Al-Kasasba war im Dezember über dem nordsyrischen Al-Rakka abgestürzt und von den IS-Dschihadisten gefangen genommen worden.

Jordanien will nach Angaben aus Sicherheitskreisen nun im Gegenzug die inhaftierte irakische Dschihadistin Sadschida al-Rischawi exekutieren. Al-Rischawi werde am Mittwoch hingerichtet, sagte ein Sicherheitsvertreter.

Brutale Methoden für mehr Publicity

"Die Todesstrafe gegen (...) die Irakerin Sadschida al-Rischawi wird morgen im Morgengrauen vollstreckt", sagte der Sicherheitsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte. Al-Rischawi war nach einer Anschlagsserie auf drei Hotels in Amman, bei der Ende 2005 sechzig Menschen getötet wurden, festgenommen und im April 2006 zum Tode verurteilt worden.

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Der 26 Jahre alte Muas al-Kasasba war der erste Soldat der von den USA angeführten Anti-IS-Allianz, der in die Hände der Extremisten gefallen war. "Dies ist das erste Mal, dass die Gruppe eine Geisel verbrannt hat, die große Beachtung in den Medien gefunden hat", stellte das auf Terrorismus spezialisierte Intel Center aus Alexandria bei Washington fest. "Dies zeigt, dass die Gruppe fortlaufend ihre Methoden weiterentwickelt, um die größte Publicity zu erzielen."

Reaktionen von Ban, Merkel, Obama

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon reagierte mit ungewöhnlich scharfen Worten auf den Mord an dem jordanischen Piloten. Die Tat zeige, dass die terroristische Organisation keinerlei Respekt vor dem menschlichen Leben habe, sagte Ban. Seine Gedanken seien bei der Familie des 26-Jährigen, er stehe in Solidarität neben dem jordanischen Volk. Er forderte alle Regierungen auf, "ihre Bemühungen zu verstärken, um innerhalb der Grenzen der Menschenrechte die Geißel des Terrorismus und des Extremismus zu bekämpfen".

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dem jordanischen König kondoliert. "Mit großem Entsetzen habe ich die furchtbare Nachricht von der Ermordung des jordanischen Piloten (...) vernommen. Es ist unfassbar, dass Menschen zu einer solch grausamen Tat fähig sind", schrieb Merkel in einem Telegramm an den König. "Mein tief empfundenes Beileid und Mitgefühl gilt den Angehörigen des Opfers, denen ich in diesen schweren Stunden Kraft, Trost und Beistand wünsche."

Anti-IS-Allianz rückt zusammen

US-Präsident Obama erklärte, die Ermordung des Piloten Muas al-Kasasba werde die Bemühungen des Anti-IS-Bündnisses nur verdoppeln. "Welche Ideologie sie auch immer bedienen, sie ist ruiniert", sagte Obama. Die Extremisten des IS seien nur an Tod und Zerstörung interessiert. Bestätigen könne er die Echtheit der auf dschihadistischen Internetseiten veröffentlichten Bilder aus einem Video derzeit allerdings nicht.

Der Islamische Staat hatte Ende Januar von dem haschemitischen Königreich gefordert, die seit 2005 in Jordanien inhaftierte Islamistin Sadschida al-Rischawi gegen die japanische Geisel Kenji Goto freizulassen. Die Regierung in Amman hatte jedoch zusätzlich ein Lebenszeichen seines Piloten gefordert. Daraufhin veröffentlichten die Dschihadisten ein Video, in dem die Enthauptung Gotos gezeigt wurde.

Al-Kasasba befand sich seit dem 24. Dezember in der Gewalt des IS. Er war bei einem von der Anti-IS-Allianz koordinierten Angriffsflug in Nordsyrien abgestürzt. Ein letztes Lebenszeichen hatte der IS Ende Dezember veröffentlicht.

Quelle: n-tv.de

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