Politik

Währung für den Gottesstaat: IS will Goldmünzen prägen

Die Terrormiliz Islamischer Staat will eine Währung für ihr "Kalifat" einführen, um sich vom "satanischen Zinswucher" zu lösen. Papiergeld soll es nicht geben, dafür Gold-, Silber- und Kupfermünzen.

Das selbsterklärte "Kalifat" der Terrormiliz Islamischer Staat bekommt eigenes Geld. Das berichtet die auf die Beobachtung von islamistischen Terrorgruppen spezialisierte SITE Intelligence Group unter Berufung auf eine Erklärung der Organisation.

Der Anführer des Islamischen Staats, Abu Bakr al-Baghdadi, habe die Einführung der Währung angeordnet, heißt es in der Erklärung. Mit dem Schritt will der IS sich vom globalen Wirtschaftssystem lösen, das auf "satanischem Zinswucher" beruhe und den Muslimen von außen aufgezwungen worden sei, um sie zu einem "leichten Opfer für Juden und Kreuzfahrer" zu machen. Das Geldsystem des Islamischen Staats werde auf den "inhärenten Werten" der Metalle Gold und Silber beruhen.

Allerdings richtet sich der Wert von Gold und Silber nicht nach Ideologien, sondern nach dem Weltmarkt, von dem der IS sich lösen will. Entsprechende Schwierigkeiten sieht der frühere US-Finanzstaatssekretär Jimmy Gurule auf den IS zukommen. "Man kann diese Art von Geld nicht einfach in Schuhkartons packen und unter die Matratze legen", sagte er CNN. "Irgendwann muss es ins Finanzsystem gehen." Gurule, der als Staatssekretär für die Finanzströme von Terrororganisationen zuständig war, geht davon aus, dass dabei Banken in Ländern wie Katar und Kuwait helfen könnten.

Fünf Dinar für knapp 700 Dollar

Scheine soll es für den "islamischen Dinar" nicht geben, sondern sieben Münzen: zwei aus Kupfer, drei silberne und zwei goldene. Entwürfe für die Münzen wurden vom IS schon veröffentlicht. Auf den Goldmünzen ist Weizen beziehungsweise eine Weltkarte abgebildet. Der ungefähre Wert der Münzen soll von rund 6,5 US-Cent für die kleinste Kupfermünze bis zu 694 US-Dollar für die größte Goldmünze reichen.

Der Nennwert der Goldmünzen liegt bei ein und fünf Dinar, die Silbermünzen sollen einen Nennwert von einem, fünf und zehn Dirham haben. Die Kupfermünzen tragen den Namen Fils, der in einigen arabischen Ländern für die kleinste Währungseinheit gebräuchlich ist. Ein Mitarbeiter von SITE sagte dem Magazin "Newsweek", es sei nicht klar, wie die Währung in Dinar und Dirham anderer islamischer Länder umgetauscht werden solle.

Außerdem ist unklar, wie der IS verhindern will, dass die Goldmünzen seinen Einflussbereich verlassen. Denn wenn der Wechselkurs der Währung sich nicht am Weltmarkt für Gold und Silber orientiert, ist denkbar, dass es lukrativ sein könnte, die Münzen aus dem IS-Territorium zu bringen und dort zu verkaufen.

Geld zur Beschaffung von Gold und Silber dürfte die Gruppe haben: Gurule zufolge ist der IS "die reichste Terrororganisation, die es je gab". Die Organisation nimmt zwischen ein und zwei Millionen US-Dollar am Tag durch den Verkauf von Erdöl aus eroberten Quellen ein. Berichten zufolge wird dieses Öl auch in das Nato-Land Türkei geschmuggelt. Weitere Einnahmequellen sind Lösegelder, Steuern und der Verkauf von Diebesgut.

Quelle: n-tv.de

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