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Einzelhandel, Bau- und Gastgewerbe gehören zu den häufigsten Arbeitgebern für minijobbende Rentner.
Einzelhandel, Bau- und Gastgewerbe gehören zu den häufigsten Arbeitgebern für minijobbende Rentner.(Foto: dpa)

Spaß oder blanke Not?: Immer mehr Rentner jobben nebenher

Das Vergnügen hält sich bei vielen Jobs vermutlich in Grenzen. Doch immer mehr Menschen im Rentenalter arbeiten noch. In den vergangenen zwölf Jahren steigt die Zahl der Senioren unter den Minijobbern auf mehr als 900.000.

Immer mehr Männer und Frauen im Rentenalter bessern ihr Einkommen mit einem 450-Euro-Job auf. Vor zwölf Jahren waren es knapp 533.000, die einen Minijob hatten - in diesem Jahr im März waren es fast 904.000, wie aus einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linken hervorgeht. "Der weitaus überwiegende Teil der älteren Menschen dürfte nicht zum Spaß und Zeitvertreib weiter arbeiten, sondern aus finanzieller Not", erklärte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, Sabine Zimmermann.

Rentner mit Minijob mit einem Verdienst von monatlich höchstens 450 Euro beschäftigt der Regierung zufolge vor allem der Einzelhandel - hier waren im Jahr 2014 den Zahlen zufolge 85.000 Menschen über 65 Jahre beschäftigt. Im Baugewerbe waren es demnach rund 54.000, in der Branche "Verkehr und Lagerei", wozu etwa Briefträger und Lagerarbeiter zählen, rund 83.000. Im Gastgewerbe hatten knapp 43.000 Rentner einen geringfügig entlohnten Job, im Gesundheits- und Sozialwesen rund 76.000.

"Anstatt ihren Ruhestand zu genießen, arbeiten ältere Menschen zunehmend über die gesetzliche Altersgrenze hinaus, um der Armut zu entfliehen", kritisierte Zimmermann. Als deutlicher Hinweis könne gelten, dass ein Schwerpunkt bei den Minijobs im Einzelhandel liege, der nicht gerade bekannt für die angenehmsten Arbeitsbedingungen und das attraktivste Lohnniveau sei.

Sozialverband: Rente reicht nicht zum Leben

Zimmermann forderte, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten: "Die gesetzliche Rente muss wieder existenzsichernd werden, von ihr muss man leben können." Das Rentenniveau müsse angehoben, die Rente ab 67 Jahren abgeschafft werden.

Auch der Sozialverband VdK Deutschland sieht in der gestiegenen Zahl an Rentnern mit Minijobs einen deutlichen Hinweis auf wachsende Altersarmut. "Die Bundesregierung darf das Problem der Altersarmut nicht länger kleinreden und die Tatsache ignorieren, dass immer mehr älteren Menschen ihre Rente nicht zum Leben reicht", sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. "Durch das Absenken des Rentenniveaus befinden sich die Neurenten seit Jahren im Sinkflug, so dass immer mehr Rentner unter die Armutsschwelle rutschen."

Quelle: n-tv.de

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