Gaza-Flottille liegt in Athen festIsrael bleibt hart

Israel zeigt sich laut einem Bericht fest entschlossen, die geplante Hilfsflottille für den Gazastreifen zu stoppen. Dabei solle jedoch "so wenig Reibung wie nur möglich" entstehen, heißt es. Zudem gibt es Vorwürfe, die Aktivisten hätten Chemikalien an Bord. Die Schiffe liegen noch in Athen fest - angeblich wegen Sabotage.
Der Streit um eine internationale Flottille mit Hilfsgütern für den Gazastreifen spitzt sich zu. Ein israelischer Militärsprecher warf den Organisatoren vor, dass mehrere der 400 pro-palästinensischen Aktivisten Chemikalien wie Schwefeldünger mit an Bord gebracht hätten. Damit wollten sie israelische Soldaten am Entern der Schiffe hindern und kampfunfähig machen.
Eine Sprecherin der Organisation "Free Gaza" wies die Vorwürfe als lächerlich zurück. "Israel weiß, dass es sich um eine gewaltfreie Initiative handelt. Alle Teilnehmer haben sich mit einer Erklärung verpflichtet, dass sie auf Gewalt verzichten", sagte Huwaida Arraf.
Derzeit steht noch nicht fest, wann die zehn Schiffe mit rund 3000 Tonnen Hilfsgütern an Bord vom griechischen Hafen Piräus aus Kurs auf den Gazastreifen nehmen. Der Grund: Ein Schiff ist manövrierunfähig. Unbekannte hätten die Schiffsschraube und die Antriebswelle des griechisch-schwedischen Passagierschiffs abgeschlagen, so Dimitris Plionis, einer der griechischen Organisatoren der Flotte. Er sprach von "Sabotage". "Unser Ziel ist, so schnell wie möglich auszulaufen", sagte Arraf.
"So wenig Reibung wie möglich"
Im Streit um die Gaza-Flottille will Israel weiterhin hart bleiben. Der nationale Sicherheitsrat beschloss, dass die Schiffe den Hafen von Gaza nicht anlaufen dürfen. Dabei solle es mit den Passagieren "so wenig Reibung wie möglich geben", heißt es in einer Erklärung des Büros von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.
Kurz zuvor hatte Verteidigungsminister Ehud Barak mitgeteilt, dass die Armee schon entsprechende Anweisungen erhalten habe. "Wir werden sie zunächst warnen, wir werden erklären, wir werden Reibungen möglichst vermeiden, aber letzten Endes kann die Flottille nicht nach Gaza." Er forderte die Organisatoren auf, die Pläne aufzugeben.
Israel hat nach der Machtübernahme der radikal-islamischen Hamas-Organisation im Juni 2007 den Gazastreifen weitgehend abgeriegelt. Israel stuft die Hamas als Terrororganisation ein. Die Seeblockade soll nach israelischen Angaben verhindern, dass Waffen in den Gazastreifen geschmuggelt werden. Israel hat den Organisatoren der Flotte angeboten, die Hilfsgüter in einem israelischen oder ägyptischen Hafen löschen zu lassen. Von dort könnten sie auf dem Landweg in den Gazastreifen transportiert werden.
Appell an die Vereinten Nationen
Ein israelisches Armeekommando hatte vor gut einem Jahr bereits eine Gaza-Flottille im Mittelmeer mit Gewalt gestoppt. Die Soldaten töteten bei der Übernahme des türkischen Passagierschiffes "Mavi Marmara" neun Aktivisten.
Die Behörden im Gazastreifen appellierten an die Vereinten Nationen, Druck auf Israel auszuüben, damit es die "unfaire Blockade" des Gazastreifens beendet. Die Abriegelung widerspreche den "einfachsten Prinzipien der Menschenrechte".