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Einschläge israelischer Angriffe in Gaza-Stadt. Zugleich sind die Flugbahnen von Raketen zu sehen, die in Richtung Israel abgefeuert wurden.
Einschläge israelischer Angriffe in Gaza-Stadt. Zugleich sind die Flugbahnen von Raketen zu sehen, die in Richtung Israel abgefeuert wurden.(Foto: REUTERS)

Hamas verhandelt und droht: "Israel hat sich in Gaza blamiert"

Während der Beschuss zwischen Israel und der Hamas andauert, scheinen die Verhandlungen in Kairo einen gewissen Optimismus zu rechtfertigen. Man sei einem Waffenstillstand "sehr nahe", heißt es von ägyptischer Seite. Hamas-Chef Maschaal stellt Forderungen an Israel. Die israelische Armee sieht er "blamiert".

Nach sechs Tagen der Gewalt zwischen Israel und der palästinensischen Hamas bemühen sich Diplomaten in der ägyptischen Hauptstadt darum, die Kämpfe zu beenden. Am Abend landete UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Kairo, um Ägypten bei seinen Bemühungen um eine Vermittlung zu unterstützen.

In Kairo laufen derzeit Gespräche mit Vertretern beider Seiten über eine mögliche Waffenruhe. Ein hochrangiger ägyptischer Regierungsvertreter sagte der israelischen Zeitung "Haaretz", man sei "sehr nahe" an einem Waffenstillstand. "Was gebraucht wird, ist mehr Flexibilität auf der israelischen Seite. Morgen wird ein kritischer Tag in den Verhandlungen sein."

Am Nachmittag hatte bereits der ägyptische Regierungschef Hischam Kandil vorsichtigen Optimismus verbreitet: Die Gespräche liefen, und er hoffe, dass es schon bald eine Einigung gebe. "Ich glaube, wir stehen dicht davor." Es liege aber in der Natur der Sache, dass das Ergebnis nur schwer vorhersehbar sei. Israel und die Hamas sprechen in Kairo zwar nicht direkt miteinander, verhandeln aber über ägyptische und internationale Vermittler.

Rund 100 Tote im Gazastreifen

Die Kämpfe gingen derweil unvermindert weiter. Die israelische Armee teilte mit, sie habe am Montag 80 Ziele im Gazastreifen beschossen. Dabei seien mindestens 14 Palästinenser getötet worden. Insgesamt wurden seit Beginn der Operation "Säule der Verteidigung" 1350 Ziele im Gazastreifen beschossen. Auf Israel wurden 1128 Raketen abgefeuert, meldete "Haaretz" am späten Nachmittag. 37 davon gingen in besiedeltem Gebiet nieder.

Nach Angaben der israelischen Armee wurden in der schmalen Küstenregion seit Beginn der Operation "Säule der Verteidigung" 95 Menschen getötet. Ein Drittel davon sei an dem Konflikt unbeteiligt gewesen. Nach Darstellung des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums im Gazastreifen erreichte die Zahl der getöteten Palästinenser am Montag die 100. Darunter seien 24 Kinder, 10 Frauen und 12 Männer im Alter über 50 Jahren gewesen.

Auch der Beschuss Israels durch Raketen aus dem Gazastreifen ging nach einer ruhigen Nacht am Montag weiter. Bis zum Nachmittag wurden Berichten zufolge 75 Raketen auf Israel abgefeuert. Eine Frau und ein Mann wurden laut "Haaretz" bei unterschiedlichen Vorfällen von Granatsplittern verletzt. Eine weitere Rakete landete neben einer Schule in Aschkelon im Süden Israels. Verletzt wurde dort niemand. Bislang starben auf israelischer Seite drei Menschen.

Hamas: "Wer Gaza angreift, wird dort beerdigt"

Hamas-Chef Maschaal in Kairo: Wer immer Gaza angreife, "wird dort beerdigt werden".
Hamas-Chef Maschaal in Kairo: Wer immer Gaza angreife, "wird dort beerdigt werden".(Foto: dpa)

Als Bedingung für eine Waffenruhe mit Israel nannte der im Exil lebende Hamas-Chef Chaled Maschaal bei einer Pressekonferenz in Gaza eine Aufhebung der Blockade des Gazastreifens. "Wir sind nicht gegen eine Beruhigung, halten aber an unseren Forderungen fest", sagte Maschaal.

Die Hamas hatte 2006 die Wahlen in den Palästinensergebieten gewonnen und die rivalisierende Fatah-Bewegung im Juni 2007 aus Gaza vertrieben. Die radikalislamische Bewegung blieb aber wegen ihrer Weigerung, den Staat Israel anzuerkennen, international isoliert. Seit dem Hamas-Sieg blockiert Israel Einfuhren nach Gaza. Auch Ägypten blockierte den Gazastreifen lange. Die neue Regierung um Präsident Mohammed Mursi lockerte die Regeln für ihren einzigen Grenzübergang nach Gaza im Juli.

Maschaal bezeichnete den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu als "Kriegsverbrecher". Wer immer Gaza angreife, "wird dort beerdigt werden", drohte er. "Dieser Feind probiert seine Waffen und seinen Eisernen Schild in der Erwartung anderer Kriege aus. Und doch haben die begrenzten Waffen in Gaza ihn und seine Armee blamiert. Wie will er (Israel) in anderen Kriegen bestehen?" Den israelischen Aufmarsch an der Grenze zum Gazastreifen bezeichnete Maschaal als Bluff. Wenn Netanjahu die Invasion wollte, hätte er sie längst angeordnet.

Israel strebt Verhandlungslösung an

Die israelische Armee hat Panzer, Artillerie und Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen zusammengezogen. Die Regierung will bis zu 75.000 Reservisten mobilisieren. Die Hälfte davon soll bereits eingezogen sein.

Dennoch würde Israel nach offizieller Darstellung eine diplomatische Lösung vorziehen. Wenn eine Lösung am Verhandlungstisch der Bevölkerung in Südisrael den Frieden garantiere, sei eine Bodenoffensive unnötig, sagte ein Vertrauter von Ministerpräsident Netanjahu der Nachrichtenagentur Reuters. "Aber wenn die Diplomatie scheitert, gibt es wohl keine Alternative mehr zu einer Bodenoffensive."

Medienzentrum in Gaza angegriffen

Bei dem Angriff der israelischen Luftwaffe auf ein Medienzentrum in Gaza wurde nach palästinensischen Angaben ein Kommandeur der Organisation Islamischer Dschihad getötet. Es handele sich um Rames Harb, Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden, verlautete aus den Reihen der Brigaden, die der bewaffnete Arm der Organisation Islamischer Dschihad sind.

In dem Hochhaus haben verschiedene Medien Büros, darunter auch der Hamas-Fernsehsender Al-Aksa. Zwei der Verletzten sind Zeugenaussagen zufolge Kameramänner, einer von ihnen arbeitet demnach für den saudi-arabischen Sender Al-Arabija. Das Medienzentrum in der Innenstadt von Gaza war bereits am Sonntag aus der Luft bombardiert worden.

EU fordert sofortiges Ende der Kämpfe

Die EU-Außenminister forderten in Brüssel ein sofortiges Ende der Kämpfe. Sie sagten zudem den Bemühungen Ägyptens um einen raschen Waffenstillstand ihre Unterstützung zu. Die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf Ziele in Israel verurteilten die Minister scharf. Israel habe das Recht, seine Bevölkerung gegen diese Angriffe zu verteidigen, müsse dabei aber "verhältnismäßig handeln", um Zivilisten nicht zu gefährden. Beide Seiten wurden aufgefordert, die internationalen Menschenrechte einzuhalten.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle brach nach dem Treffen in Brüssel in die Region auf. "Die wichtigste Voraussetzung für einen Waffenstillstand ist ein Ende der Raketenangriffe von Gaza in Richtung Südisrael", sagte er. Westerwelle will sich mit dem israelischen Außenminister Avigdor Lieberman und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas treffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich sehr besorgt über die Eskalation und forderte beide Seiten zum Waffenstillstand auf.

Erdogan: "Israel ist ein terroristischer Staat"

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verschärfte seine Kritik an Israel wegen der Angriffe auf den Gazastreifen. "Israel ist ein terroristischer Staat", zitierten türkische Medien den Regierungschef bei einer Konferenz in Istanbul. Die Welt verschließe die Augen vor an Zivilisten und Kindern im Gazastreifen begangenen Massakern, sagte Erdogan demnach.

Der Ministerpräsident hat die Palästinenser-Politik der israelischen Regierung in den vergangenen Jahren immer wieder kritisiert. Unter seiner Führung kam es zum Bruch der Türkei mit dem einstigen Verbündeten.

Quelle: n-tv.de

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