Seine Kräfte verlassen ihnJapans Kaiser will offenbar abdanken

Nur einmal hat sich der japanische Kaiser Akihito bisher in einer Ansprache an sein Volk gewendet. Umso bedeutender ist, dass der 82-Jährige nun öffentlich erklärt, dass er sich immer schwächer fühlt. Abgeben kann er sein Amt aber nicht so einfach.
Erstmals in der jüngeren Geschichte Japans deutet sich die Abdankung des Kaisers an. In einer seltenen Fernsehansprache erklärte der 82-jährige Monarch Akihito, seine Kraft lasse allmählich nach. Er sei besorgt, ob er seine Pflichten wie bisher erfüllen könne. Manchmal fühle er "verschiedene Einschränkungen", etwa durch seine "körperliche Fitness". Der Kaiser erklärte allerdings nicht, abdanken zu wollen. Dies könnte als unzulässige Einmischung in die Politik verstanden werden.
Der öffentlich-rechtliche Sender NHK hatte im Juli berichtet, Akihito wolle in wenigen Jahren zugunsten seines ältesten Sohnes Naruhito abdanken. Der Kaiser hat bereits eine Herzoperation hinter sich und wurde wegen Prostatakrebs behandelt.
Japanische Kaiser wurden früher als gottgleich verehrt. In der modernen Geschichte des Landes kam es noch nie vor, dass einer der Monarchen abdankte. Während Umfragen zufolge die meisten Japaner Verständnis für einen derartigen Schritt hätten, sind viele Konservative von Regierungschef Shinzo Abe dagegen. Sie fürchten eine Debatte darüber, ob auch Frauen den Thron besteigen dürfen sollen. Dies wäre für Traditionalisten ein Tabubruch.
Appell an Abe?
Abe erklärte nach der Rede, er nehme Akihitos Äußerungen ernst. Man müsse darüber nachdenken, was angesichts seines Alters getan werden könne. Die Regierung könnte die Andeutungen des Tennos als Wunsch interpretieren, ihm durch eine Änderung der Gesetze die Abdankung zu ermöglichen. Der Kaiser hat in Japan keinen Einfluss auf die Politik, sondern gilt laut Verfassung als ein Symbol für den Staat.
Akihito hat seine Verpflichtungen als Monarch zuletzt zurückgefahren und wird öfter von Kronprinz Naruhito vertreten. Der 56-Jährige hat eine Tochter. In der offiziellen Thronfolge kommt danach Naruhitos Bruder Akishino und dann sein Neffe, der neunjährige Hisahito.
Es war erst die zweite direkte Ansprache des in der Bevölkerung hoch angesehenen Kaisers an die Nation. Das erste Mal hatte er sich im März 2011 an sein Volk gewandt, nachdem ein Tsunami und ein Erdbeben schwere Verwüstungen angerichtet und zur Explosion des Atomkraftwerks in Fukushima geführt hatten.