Politik
Die Kämpfer des Islamischen Staats im Irak nutzen eine umstrittene Fatwa, um sich nach dem Kampf ungehemmt am Sex mit Jungfrauen erfreuen zu können.
Die Kämpfer des Islamischen Staats im Irak nutzen eine umstrittene Fatwa, um sich nach dem Kampf ungehemmt am Sex mit Jungfrauen erfreuen zu können.(Foto: REUTERS)

Irakische Frauen sollen dienen: Kalifats-Kämpfer rufen zum "Sex-Dschihad"

Von Nora Schareika

Sex ist in jedem Krieg eine Waffe. Auch die Moralapostel des "Kalifats" im Irak nutzen sie und bemühen eine umstrittene Fatwa. Medien zufolge sammelt der Isis unverheiratete Frauen ein, um sich abseits vom Kampfalltag verwöhnen zu lassen.

Im irakischen Fernsehen wurden Frauen gezeigt, die nach Vergewaltigung nach Bagdad geflohen sind und dort im Krankenhaus behandelt werden.
Im irakischen Fernsehen wurden Frauen gezeigt, die nach Vergewaltigung nach Bagdad geflohen sind und dort im Krankenhaus behandelt werden.(Foto: Screenshot/Youtube Al-Iraqia TV)

Die radikalsunnitischen Dschihadisten im Irak haben Medienberichten zufolge eine Kampagne für den sogenannten "Sex-Dschihad" gestartet. In den Anfang Juni von den Kämpfern überrannten Städten Mossul und Tikrit soll es zu zahlreichen Vergewaltigungen, Morden und Entführungen gekommen sein. Genaue Zahlen liegen nicht vor. Laut UN-Angaben hatten bereits kurz nach Beginn der Kampagne mindestens vier Frauen Selbstmord begangen, weil sie die Schande der Vergewaltigung nicht ertrugen. Väter sollen ermordet worden sein, als sie sich schützend vor ihre ledigen Töchter stellten.

Verschiedene arabische Medien zeigten ein Plakat der Gruppe "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (Isis), das vom 13. Juni 2014 datiert ist. Vor rund zehn Tagen rief die Gruppe in der von ihr beherrschten Region ein Kalifat aus und nennt sich selbst jetzt nur noch "Islamischer Staat". Das Poster war erstmals in einem kuwaitischen Fernsehmagazin aufgegriffen worden. Darin werden die Bürger Mossuls und Tikrits aufgerufen, alle unverheirateten Frauen an deren "Brüder" - die Dschihadisten - zu übergeben. Andernfalls würden sie die Härte des islamischen Rechts zu spüren bekommen. Der kuwaitische Moderator merkt sarkastisch an: "Was wollen diese Leute? Die Weltherrschaft? Waffen? Geld? Nein. Sie wollen noch etwas anderes ..."

Wörtlich ist in dem Isis-Aufruf vom "dschihad an-nikah" die Rede, übersetzt etwa "sexueller Dschihad". Über den kuwaitischen TV-Beitrag berichtete die ägyptische Zeitung "Al-Masry al-Youm", anschließend griffen die islamkritische Initiative "The Clarion Project" mit Sitz in New York und mehrere weitere Medien das Thema auf.

Schöne Stunden gegen den Hormonstau

Isis-Aufruf aus dem Irak: "Wir fordern alle Leute in diesem Bezirk auf, ihre unverheirateten Frauen zu bringen, damit sie im sexuellen Dschihad ihre Pflicht für ihre kämpfenden Brüder erfüllen."
Isis-Aufruf aus dem Irak: "Wir fordern alle Leute in diesem Bezirk auf, ihre unverheirateten Frauen zu bringen, damit sie im sexuellen Dschihad ihre Pflicht für ihre kämpfenden Brüder erfüllen."(Foto: Screenshot/Youtube TV Kuwait)

Das Phänomen des "Sex-Dschihad" geht auf eine umstrittene Fatwa eines Religionsgelehrten aus Saudi-Arabien aus dem Jahr 2013 zurück. Dieser, Scheich Muhammad al-Arifi, hat sie mittlerweile widerrufen und als Erfindung bezeichnet. Ursprünglich ging es bei dieser vermeintlichen Fatwa um den Bürgerkrieg in Syrien. Sunnitischen Frauen wurde darin nahegelegt, nach Syrien zu reisen und die dortigen "Mudschahidin" auf diese spezielle Weise zu unterstützen.

Nach der propagierten Logik erlaubt das "Gesetz der Notwendigkeit verbotene Dinge unter außergewöhnlichen Umständen". Im vergangenen Jahr fand der zweifelhafte Aufruf besondere Aufmerksamkeit bei tunesischen Frauen. Ein gutes Dutzend ist bestätigterweise nach Nordsyrien gereist, um den Islamisten dort schöne Stunden zu bereiten. Denn aller strengen Moral zum Trotz handelt es sich meist um junge Männer, die mit ihren Hormonen klarkommen müssen. Was könnte da gelegener kommen als die Hingabe überzeugter junger Frauen, die auf diese Weise ihren "Beitrag" leisten wollen?

Auch im Zuge des Dschihad-Tourismus nach Syrien war in den vergangenen Monaten immer wieder auch von Frauen berichtet worden, die vor Ort gezielt islamistische Kämpfer geheiratet hatten - auch, um die nächste Generation von Dschihadisten auf den Weg zu bringen. Im Frühjahr erregte der Fall einer 16-jährigen Deutsch-Algerierin aus Konstanz Aufsehen, die ohne das Wissen ihrer Eltern über die Türkei nach Syrien gereist war und einen türkischstämmigen Salafisten aus Bonn heiratete.

Bei den jetzt gemeldeten Vorfällen im Irak handelt es sich indes wohl kaum um freiwilligen Sex-Dschihad seitens der Frauen. Islamisten haben stets bestritten, diese Praxis zu befürworten, so auch die Muslimbrüder. Experten halten es dennoch für möglich, dass die Berichte stimmen. Vergewaltigungen sind gängige Praxis in allen Kriegen - auch radikale Islamisten, die eine überlegene Moral für sich beanspruchen, machen da vermutlich keine Ausnahme.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen