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Taschenmann zuvor bei McDonalds?: Kamera filmt Bombenleger

Die Polizei veröffentlicht ein Video, das den Träger der Bonner Bomben-Tasche zeigen soll. Die Aufzeichnung wird bei McDonalds gemacht, nur zehn Minuten bevor ein Mann die Tasche am Gleis 1 des Bonner Hauptbahnhofs abstellt. In Essen sorgt am Abend erneut eine verdächtige Tasche für Aufregung.

Die Video-Sequenz zeigt einen Mann, der mit einer blauen Tasche bei McDonalds im Hauptbahnhof Bonn gefilmt wurde.
Die Video-Sequenz zeigt einen Mann, der mit einer blauen Tasche bei McDonalds im Hauptbahnhof Bonn gefilmt wurde.(Foto: dapd)

Im Fall des Sprengsatzes vom Bonner Hauptbahnhof suchen die Ermittler neben einem dunkelhäutigen Mann nun auch einen Hellhäutigen. Dieser sei auf Videoaufnahmen aus einer McDonald's-Filiale zu sehen, sagte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers. Nähere Einzelheiten nannte Albers dazu zunächst nicht. Am Bahnhof selbst, beziehungsweise dem betreffenden Gleis 1, konnten keine Videoaufzeichnungen gemacht werden.

Der Sprengsatz hätte offenbar gar nicht am Bahnhof deponiert werden sollen. Ermittler gehen davon aus, dass die Taschenbombe vermutlich in einen Zug aufgenommen oder an einen anderen belebten Ort abgestellt werden sollte. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".  Für diese Annahme sprächen die Aussagen der beiden wichtigsten Zeugen in diesem Fall, zwei Jungen im Alter von 13 und 14 Jahren.

Tasche in Essen sorgt für Aufregung

Der Inhalt der Tasche in Essen war offenbar harmlos.
Der Inhalt der Tasche in Essen war offenbar harmlos.(Foto: dpa)

Am Abend hatte ein erneuter Fund einer verdächtigen Tasche für Aufregung gesorgt. Betroffen war diesmal der Essener Hauptbahnhof. Der Inhalt sei harmlos, teilte die Polizei später mit. Die Experten hatten sich entschlossen, die Sporttasche vorsichtshalber mit Wasser zu beschießen. Dem Vernehmen nach hatten Metalldetektoren angeschlagen. Was genau in der Tasche war, blieb zunächst unklar. Bundespolizei-Sprecher Volker Stall sagte, man habe die Tasche um kurz nach 20.30 Uhr mit einem Wassergewehr aufgeschossen. "Das ist analog, wie es in Bonn war."

Zünder noch nicht entdeckt

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In Bonn hatte sich in der am Montag entdeckten Sporttasche ein mit Ammoniumnitrat gefülltes Metallrohr befunden, um das vier Butangaskartuschen gebunden waren. Das sagte der stellvertretende Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum in Karlsruhe. Ob die Bombe tatsächlich funktionsfähig war, sei aber noch nicht geklärt. Es sei zwar eine Zündvorrichtung mit einem batteriebetriebenen Wecker gefunden worden, aber noch kein Zünder, sagte Griesbaum.

Das Fehlen eines Zünders wird unter Hinweis auf die Behördenkreise damit erklärt, dass die Einsatzkräfte die verdächtige Tasche mit einer Wasserkanone beschossen hätten. Dabei sei der Zünder "wohl in unzählige Teile zerrissen" worden.

Die Polizei Köln dementierte Berichte, wonach es sich bei der Bombe um eine Sprengeinrichtung gehandelt habe, wie sie mit den Anschlägen auf die Pendelzüge 2004 in Madrid detoniert waren. Die Bonner Bombe habe vielleicht nur zehn Prozent der Sprengkraft jener aus Madrid gehabt. Damals waren dort 191 Menschen ums Leben gekommen.

Die Bundesanwaltschaft hat bislang die Ermittlungen nach dem Bombenfund noch nicht an sich gezogen. Es bestünden keine ausreichenden Anhaltspunkte für einen terroristischen Hintergrund, sagte Generalbundesanwalt Harald Range. Sobald zureichende Anhaltspunkte für eine mögliche terroristische Tat vorlägen, werde die Karlsruher Behörde "selbstverständlich" das Verfahren übernehmen.

Terrorismus-Experte: Kein absoluter Schutz

Quelle: Polizei Köln
Quelle: Polizei Köln

Der Terrorismus-Experte Michael Lüders warnt davor, die Suche nach den Tätern auf das islamistische Spektrum einzuengen. "Nicht immer ist ein Terroranschlag mit islamistischem Hintergrund zu vermuten", sagte er bei n-tv. "Auch der Rechtsextremismus spielt nach wie vor eine große Rolle in diesem Bereich."

Noch immer hätten die Sicherheitsbehörden allen Anlass wachsam zu sein. Einen absoluten Schutz gegen Terroranschläge oder den Versuch, diese zu verüben, gebe es aber nicht. "Deutschland ist ein Ruheraum für radikale Islamisten", so Lüders weiter. Selbst, wenn es hier lediglich einige Hundert Salafisten gebe, seien einige von ihnen "sehr gewaltaffin".

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, bestätigte bei n-tv eine "gleichbleibend" hohe Terrorgefahr in Deutschland - "und zwar nicht nur durch islamistische Eiferer, sondern möglicherweise auch durch andere terroristische Strömungen." Die Sicherheitsbehörden dürften nie nachlassen und müssten wachsam bleiben. Auch Wendt bestätigte, dass sich die Polizei bei ihren Ermittlungen nicht auf einen islamistischen Täterkreis beschränke.

Union will Linie gegen Salafisten verschärfen

Salafismus

Die Bewegung beruft sich auf eine reaktionäre Auslegung des Islams und gilt als die am schnellsten wachsende Strömung in der islamistischen Szene. Für junge Muslime oder Konvertiten ist der Salafismus häufig eine Zwischenstation auf dem Weg in den Dschihad. In Deutschland werden bis zu 4000 Menschen dem Umfeld der Salafisten zugerechnet. Die Sicherheitsbehörden zählen rund 25 von ihnen, die bereits eine Ausbildung in Camps absolviert haben, zu den sogenannten Gefährdern, denen man einen Anschlag zutraut.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bezeichnete den Bombenalarm als ein "neues Alarmzeichen, das wir jederzeit mit Anschlägen auch aus dem islamistischen Bereich rechnen müssen". Der "Passauer Neuen Presse" sagte der CSU-Politiker: "Wir wissen von einer Reihe hochgefährlicher und gewaltbereiter Leute, deren Aufenthalt immer wieder zwischen Deutschland und arabischen Ländern wechselt." Man versuche, diese Leute zu beobachten, "aber ein Restrisiko bleibt". Angst, jetzt zum Beispiel auf Weihnachtsmärkte zu gehen, müsse aber niemand haben, sagte Herrmann.

Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, sprach sich für die Ausweisung von Salafisten aus. Dabei müssten auch Einbürgerungen solcher Islamisten nachträglich überprüft werden, forderte er im "Kölner Stadt-Anzeiger". "Man muss sich die ganzen Einbürgerungsakten aus den Ländern deshalb noch einmal ansehen und fragen, ob womöglich falsche Angaben gemacht wurden. Wenn ja, dann könnte man ihnen die deutsche Staatsbürgerschaft wieder aberkennen." Auch der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach, sprach sich in der Zeitung für die erleichterte Ausweisung von Salafisten aus.

Polizei lässt Verdächtige wieder frei

Die Polizei ist indes wieder auf der Jagd nach dem mutmaßlichen Haupttäter. Mit einem Phantombild suchen die Ermittler den Mann, der die präparierte Tasche auf dem Bahnsteig abgelegt haben soll. Er wurde laut Polizei von einem 14 Jahre alten Schüler beschrieben.

Zwei Verdächtige, die am Dienstag festgenommen worden waren, kamen noch am Abend wieder frei. Ein erster Tatverdacht habe sich nicht erhärtet, berichtete die Kölner Polizei. Bei einem der Freigelassenen handelt es sich nach Informationen aus Sicherheitskreisen um den Somalier Omar D., der der Islamistenszene zuzuordnen sei. Auch der zweite Mann soll Medienberichten zufolge der Szene angehören.

Quelle: n-tv.de

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