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Die Arktis wird mehr und mehr zum Ziel kommerzieller Interessen. (Im Bild: Eine Expedition 2004)
Die Arktis wird mehr und mehr zum Ziel kommerzieller Interessen. (Im Bild: Eine Expedition 2004)(Foto: picture-alliance/ dpa)

Gefragte Rohstoffe: Kampf um Arktis verschärft

Öl, Gas und seltene Metalle: Die Arktis ist längst zum Streitobjekt geworden. Die Anrainerstaaten untermauern immer wieder ihre Ansprüche auf eine kommerzielle Nutzung der unwirtlichen Eis-Region - auch mit Drohgebärden. Kurz nach Russland starten die USA eine weitere Forschungsmission.

Wissenschaftler aus den USA und Kanada beginnen am Montag eine Expedition zur Vermessung des arktischen Meeresbodens. Von den Ergebnissen der auf fünf Wochen angesetzten Arbeiten erwarten beide Länder Aufschluss darüber, wie weit nach Norden sie ihre Souveränität auf Regionen ausdehnen können, in den große Vorkommen an Öl, Erdgas und anderen Rohstoffen vermutet werden. Die Wissenschaftler ans Ziel bringen sollen zwei mächtige Eisbrecher, die von Häfen in Alaska und in Kanada aus in See stechen werden. Gemäß Seerechtskonvention der Vereinten Nationen haben Küstenstaaten die Hoheit über einen 370 Kilometer breiten Streifen und dürfen diesen auch wirtschaftlich nutzen. Sie können diesen Streifen vergrößern, wenn sie die Existenz eines darüber hinausgehenden Festlandssockels beweisen, wie die Geologische Gesellschaft der USA (USGS) erklärte.

Das Eis schmilzt rapide - und erholt sich nicht. Oben 1979, unten 2005.
Das Eis schmilzt rapide - und erholt sich nicht. Oben 1979, unten 2005.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die exakte Festlegung von Seegrenze ist angesichts der Klimawandels von besonderem Interesse, da der Temperaturanstieg die Ausbeutung bislang nicht erreichbarer Vorratsstätten möglich macht. Immer nördlichere Öl- und Gasfelder könnten erschlossen werden, Fischfangflotten weiter vordringen und die bisher fast immer vom Eis verschlossene Nordost-Passage könnte den Seeweg zwischen Europa und Asien drastisch verkürzen.

Unterschiedlichen Prognosen zufolge werden Anfang September nur noch 4,7 bis 5,2 Millionen Quadratkilometer des Arktischen Ozeans mit Eis bedeckt sein, so das Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung. Allerdings werde die Eisschmelze nicht den Rekord von 2007 erreichen, als nur noch 4,3 Millionen Quadratkilometer des Ozeans eisbedeckt waren. Zurzeit misst die Eisfläche rund um den Nordpol noch rund zehn Millionen Quadratkilometer. "Das Eis der Arktis erholt sich nicht", lautet die Essenz aus den aktuellen Messungen.

Auch in diesem Jahr werde der Arktische Ozean zum Ende des Sommers mit erheblich weniger Eis bedeckt sein als im Schnitt der Jahre von 1980 bis 1990. Seinerzeit umfasste die Eisfläche rund um den Nordpol jeweils im September mehr als sieben Millionen Quadratkilometer. Obwohl seit 2007 eine leichte Erholung beobachtet werde, sei langfristig mit einem weiteren Rückgang zu rechnen.

Heikle Missionen

Den Anspruch Russlands in der Region unterstrichen im Jahr 2007 Forscher, als sie mit einem Klein-U-Boot in 4300 Metern Tiefe am Nordpol die Flagge ihres Landes setzten. Und zurzeit ist der russische Atomeisbrecher "Jamal" in der Region unterwegs, um zu beweisen, dass ein großer Teil der Arktis eine natürliche Verlängerung des russischen Festlandes ist.

Wie heikel die Missionen sind, zeigte sich vor wenigen Tagen, als Kanadas Luftwaffe zwei russische Kampfflugzeuge abfing, die sich dem kanadischen Luftraum nahe der Arktis genähert hatten. Nach Angaben des kanadischen Verteidigungsministeriums wurden seit 2007 jedes Jahr mehrere russische Maschinen abgefangen. Der Sprecher bezeichnete diese Flüge als "Machtdemonstration" Russlands. Der Kreml hat immer wieder klargemacht, seine Interessen notfalls auch mit militärischer Gewalt durchsetzen zu wollen.

Russland hat bereits eine Fahne am Meeresboden unter dem Nordpol gesetzt.
Russland hat bereits eine Fahne am Meeresboden unter dem Nordpol gesetzt.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Auch zwischen Kanada und den USA ist der exakte Verlauf ihrer Seegrenze umstritten. In dieser Frage warten beide Länder mit Spannung auf die Ergebnisse der neuen Expedition. Für die Wissenschaftler selbst ist die Debatte über Grenzen aber nicht von vorrangigem Interesse. "Das ist Sache der Diplomaten und keine wissenschaftliche Entscheidung", sagte Jonathan Childs von der USGS. Die Forscher würden sich auf das Sammeln von Daten zur Vermessung des Meeresgrundes und zur Dicke von Gesteinsschichten konzentrieren. Die Politik wird die Daten jedoch für ihre Interessen zu nutzen wissen.

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Quelle: n-tv.de

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