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Manch einer zweifelt am Willen der Kirche, die Missbrauchsfälle aufzuklären.
Manch einer zweifelt am Willen der Kirche, die Missbrauchsfälle aufzuklären.(Foto: dapd)

Pfeiffer erhält Unterlassungserklärung: Kirche will Vorwürfe stoppen

Die Bischofskonferenz will juristisch unterbinden, dass der Kriminologe Pfeiffer seine Zensurvorwürfe wiederholt. Doch die Debatte um die abgesagte Studie zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche ist bereits in vollem Gange.

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Nach der Aufkündigung einer Missbrauchsstudie geht die katholische Kirche juristisch gegen Zensurvorwürfe des Kriminologen Christian Pfeiffer vor. Er habe von der Kirche eine Unterlassungserklärung erhalten, sagte der Direktor des ursprünglich mit der Studie beauftragten Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN).

Pfeiffer sah zunächst keinen Anlass von seiner Position abzurücken, wollte sich aber noch juristisch beraten. Weil die Kirche ein knappes Jahr nach Vereinbarung der Studie die Veröffentlichung von Ergebnissen nachträglich reglementieren wollte, hatte er von Zensurversuchen gesprochen. "Für die Opfer ist der Stopp der Studie sehr enttäuschend. Wir werden die Opfer bitten, mit uns weiter zusammen zu arbeiten", bekräftigte Pfeiffer der "Passauer Neuen Presse".

Mangelt es am Aufklärungswillen?

Zuvor hatte die Deutsche Bischofskonferenz Pfeiffers Institut den Studienauftrag entzogen. Die Studie hätte kirchlichen Missbrauch umfassend untersuchen sollen und externen Forschern erstmals Zugang zu den Archiven der Kirche ermöglicht.

Indessen hagelt es Kritik an der Entscheidung der Kirche. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger stellte im Deutschlandradio den Willen der Bischofskonferenz zur vollständigen Aufklärung der Fälle in Frage. Möglicherweise habe die Kirche am Ende ihre Hand auf gewonnene Erkenntnisse halten wollen, so die FDP-Politikerin.

Der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, schloss sich der Justizministerin an. "Ich habe den Verdacht, dass starke Kräfte in der katholischen Kirche jetzt nach der Methode Vergessen-und-Vergeben arbeiten", sagte Hilgers der "Saarbrücker Zeitung".

Künast: "Schlag ins Gesicht der Opfer"

Auch der unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Missbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, äußerte sich zu dem Fall. Er bedauerte, dass die Kirche die Studie gestoppt hat. "Es wäre ein ganz wichtiger Baustein im Bereich der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in Deutschland gewesen", sagte Rörig im ZDF. "Für Betroffene ist Aufarbeitung sehr, sehr wichtig, um das Erlebte auch gut verarbeiten zu können."

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sprach von einem "Schlag ins Gesicht der Opfer". Es müsse schnell ein neuer Weg für die rückhaltlose Aufklärung gefunden werden, verlangte sie in der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Bischöfe sprechen von "Differenzen"

Der Münsteraner Theologe Klaus Müller vermutet einen Machtkampf unter den Bischöfen hinter dem vorläufigen Scheitern des Projekts. Insbesondere konservative Geistliche hätten Angst vor den Ergebnissen der umfassenden wissenschaftlichen Untersuchung, sagte der Wissenschaftler der Universität Münster. "Es kann nur daran liegen, dass die Seite der Bischöfe, die diese Form der Aufklärung für richtig halten, unter massivem Druck der konservativen Kräfte stehen."

Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, wies indessen den Vorwurf der Zensur erneut zurück. Vielmehr habe es Differenzen mit dem Leiter des Forschungsprojekts, Christian Pfeiffer, über die Auswertung von auf Tonband aufgezeichneten Interviews gegeben. "In dem letzten Vertragsentwurf ist überhaupt keine Rede davon, dass es eine, wie Herr Pfeiffer gerne sagt, Kontrolle, Zensur geben solle." Langendörfer nannte Pfeiffer einen renommierten Wissenschaftler, der "unseriös geworden ist". Langendörfer, wandte sich auch gegen Berichte, es seien von kirchlicher Seite Akten zu Missbrauchsfällen vernichtet worden. Dafür gebe es keine Anhaltspunkte.

Quelle: n-tv.de

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