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Albers hatte noch am Vortag darauf bestanden, die Informationspanne selbst aufzuarbeiten.
Albers hatte noch am Vortag darauf bestanden, die Informationspanne selbst aufzuarbeiten.(Foto: AP)

Vertrauen in Polizei zurückgewinnen: Kölns Polizeichef stürzt über Bahnhofsmob

Nach den massiven Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln gibt es eine erste personelle Konsequenz: Der in die Kritik geratene Polizeipräsident Albers verliert seinen Job.

Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers muss nach den massenhaften Angriffen auf Frauen in der Silvesternacht sein Amt aufgeben. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger versetzte den 60-Jährigen in den einstweiligen Ruhestand.

"Meine Entscheidung ist notwendig, um das Vertrauen der Öffentlichkeit und die Handlungsfähigkeit der Kölner Polizei zurückzugewinnen", sagte der SPD-Politiker in Düsseldorf. Die Kölner Polizei müsse die Vorfälle vollständig aufarbeiten und die Konsequenzen ziehen. Albers stand unter anderem wegen seiner Kommunikationspolitik in der Kritik.

Nach einem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" hatte die Polizei zunächst bewusst die Tatsache verschwiegen, dass es sich bei etlichen in der Nacht kontrollierten Männern um Asylbewerber handelte. Das Bundesinnenministerium erklärte inzwischen, dass die Mehrheit der Verdächtigen Asylbewerber sind.

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Albers selbst wies den Vorwurf der Vertuschung zurück und erklärte, er habe immer wieder verdeutlicht, dass sich Personen  bei Kontrollen am Hauptbahnhof mit vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ausgestellten Dokumenten ausgewiesen hätten. "Solange die Polizei Menschen keine durch Fakten gestützten Tatvorwürfe machen kann, gilt hier in Deutschland die Unschuldsvermutung." Später äußerte er Verständnis für die Entscheidung seines Vorgesetzten, ihn in den Ruhestand zu versetzen. "Es geht darum, verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen", erklärte Albers.

Er war immer stärker unter Druck geraten. Sein Präsidium habe während der chaotischen Lage Verstärkung angeboten bekommen, aber nicht angenommen, sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Landesamts für Zentrale Polizeiliche Dienste. In der Silvesternacht habe die Leitstelle nachgefragt, ob Verstärkung benötigt werde. Eine Hundertschaft habe bereitgestanden. Das Angebot sei ausgeschlagen worden. Ein Bundespolizist hatte in einem Einsatzbericht einen völligen Kontrollverlust der Sicherheitskräfte geschildert.

"Es darf keinen Generalverdacht geben"

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere wollte im Gespräch mit n-tv die Kölner Personalie nicht kommentieren und verwies stattdessen darauf, dass die Tat vom Silvesterabend ohne Tabus aufgeklärt werden müsse. Wenn Täter einen Migrations- oder Flüchtlingshintergrund hätten, dürfe das nicht verschwiegen werden. Der CDU-Politiker stellte in dem Gespräch heraus, dass es keinen Generalverdacht gegen alle Flüchtlinge geben dürfe, die in Deutschland Zuflucht suchen. Die überaus größte Zahl von ihnen seien unbescholtene Bürger. "Wir wollen Integration für die, die bleiben können. Diejenigen, die nicht bleiben dürfen, müssen unser Land schnell wieder verlassen. Das ist klar geregelt und diese Regelung muss umgehend angewandt werden." In der Koalition nahm unterdessen die Debatte an Fahrt auf, wie mit kriminellen Asylbewerbern umgegangen werden soll.

Der Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags befasst sich am Montag mit dem Skandal. Für Samstag hat die islamfeindliche Pegida-Bewegung zu einer Demonstration vor dem Kölner Hauptbahnhof aufgerufen. Die rechtsextreme NPD rief ihre Mitglieder auf, sich daran zu beteiligen. Auch eine Gegenversammlung wurde angemeldet.

Festgenommene wieder frei

Das Bundesinnenministerium bestätigte, dass unter den Verdächtigen viele Asylbewerber sind. Die Bundespolizei habe 32 mutmaßliche Täter identifiziert, davon 22 Asylbewerber. Darunter seien neun Algerier, acht Marokkaner, fünf Iraner, vier Syrer, ein Iraker, ein Serbe, ein Amerikaner und drei Deutsche. Ihnen würden hauptsächlich Diebstähle und Körperverletzungen vorgeworfen.

Bei der Kölner Polizei summiert sich die Zahl der Anzeigen auf 170, in rund 120 Fällen geht es einer Sprecherin zufolge um sexuelle Übergriffe. Zwei junge Männer aus Nordafrika, die die Polizei festgenommen hatte, wurden wieder freigelassen. Der Tatverdacht gegen sie habe sich nicht erhärtet, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Quelle: n-tv.de

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