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Hat sein Ohr nah an der Truppe: Hellmut Königshaus (Archivbild).
Hat sein Ohr nah an der Truppe: Hellmut Königshaus (Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)

General schubst Soldatin?: Königshaus beklagt Türkei-Einsatz

Der Patriot-Einsatz in der Türkei verläuft für die Bundeswehr offenbar ganz anders als erwartet. Ernste Beschwerden dringen an die deutsche Öffentlichkeit: Bei einem Truppenbesuch stößt der Wehrbeauftragte angeblich auf "unhaltbare Zustände".

Jederzeit feuerbereit: Am Stadtrand von Kahramanmaras zielen deutsche Raketen in einen leeren Himmel.
Jederzeit feuerbereit: Am Stadtrand von Kahramanmaras zielen deutsche Raketen in einen leeren Himmel.(Foto: REUTERS)

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, sieht erhebliche Missstände beim Bundeswehr-Einsatz in der Türkei. Das geht nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" aus einer Unterrichtung des Verteidigungsausschusses hervor, in der Königshaus seine Eindrücke von einem Truppenbesuch vor wenigen Tagen schildert.

Die Zusammenarbeit mit der türkischen Seite werde "überwiegend als problematisch empfunden", zitiert das Blatt aus dem Bericht. Während des Besuchs von Verteidigungsminister Thomas de Maizière habe ein türkischer General eine deutsche Soldatin geschubst, die den Verkehr der Delegationsautos habe regeln wollen. Dabei muss es sich um mehr als einen sanften Rempler gehandelt haben: Die Soldatin habe danach über Prellungen geklagt, heißt es.

Die türkische Armee unterbinde nach Eindruck der deutschen Soldaten zudem systematisch den Kontakt zwischen ihren Soldaten und den Deutschen. Wer Kontakt aufnehme, werde "gemaßregelt", heißt es in dem Bericht über die Zustände in Kahramanmaras. Königshaus war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Tief im türkischen Hinterland

Am Einsatzort bei Kahramanmaras sind derzeit bis zu 400 Bundeswehrsoldaten stationiert, um die Türkei mit Patriot-Flugabwehrraketen vor Angriffen aus dem benachbarten Syrien schützen. Die Zustände im Sanitärbereich der türkischen Kaserne bezeichnet der Wehrbeauftragte dem Bericht zufolge als "unhaltbar".

Kahramanmaras liegt gut 100 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Die Bundeswehr ist außerhalb der Stadt mit zwei "Patriot-Feuereinheiten der Luftwaffe" stationiert.

Eine sogenannte Feuereinheit umfasst bis zu acht Startgeräte mit jeweils acht abschussbereiten Lenkflugkörpern. Dazu kommen ein Feuerleitstand und ein Multifunktionsradar.

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Quelle: n-tv.de

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