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Ein Graffito mexikanischer Demonstranten zeigt Donald Trump, der über die von ihm angestrebte Mauer nach Mexiko blickt.
Ein Graffito mexikanischer Demonstranten zeigt Donald Trump, der über die von ihm angestrebte Mauer nach Mexiko blickt.(Foto: imago/ZUMA Press)
Donnerstag, 10. November 2016

"Es ist Defcon 2": Lateinamerika zittert vor Donald Trump

Von Roland Peters, Bogotá

29 Prozent der Latino-Stimmen – Trumps Ergebnis ist besser als erwartet. In Lateinamerika selbst wird der Republikaner nicht überall willkommen geheißen. Mexiko zittert vor den Folgen seines Wahlsiegs. Uruguays Ex-Präsident Mujica sagt nur ein einziges Wort.

Die lateinamerikanische Welt hat unterschiedlich auf das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen reagiert. Besonders in Mexiko gibt es Sorgen vor dem, was nun folgen wird. Trump hatte sich während des Wahlkampfes vor allem auf diejenigen eingeschossen, die aus dem Nachbarland kommen. Er beschimpfte Mexikaner als Kriminelle, Vergewaltiger und Drogendealer.

Die Reaktion von Mexikos linksorientiertem Präsidenten Enrique Peña Nieto lässt verschiedene Deutungen zu. "Ein neues Kapitel unserer Beziehungen beginnt mit unserem Nachbarland, dem wir Mexikaner geschlossen begegnen werden" sagte er. Zugleich wies er darauf hin, dass beide Länder "Freunde, Partner und Verbündete" seien.

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Ein Analyst der mexikanischen Zeitung "El Universal" sieht den Wahlausgang als "Defcon 2", als zweite Stufe des Zustands der militärischen Alarmzustands. Mexiko befinde sich vielleicht so nah an einen nationalen Notstand wie seit Jahrzehnten nicht. Dabei bezog sich der Journalist neben dem von Trump angekündigten Rücktransport von Millionen Mexikanern vor allem auf die geplante Neuverhandlung des Handelsabkommens Nafta, die Unsicherheit in der mexikanischen Wirtschaft verursachen und die "Finanzmärkte leiden lassen" könnte.

"Mit all meinen Fähigkeiten, meinem Körper und meiner Seele werde ich für die Rechte, das Wohlergehen und die Interessen der Mexikaner eintreten, wo immer sie sich auch befinden", sagte Präsident Nieto. Dies klingt nach Respekt vor der Durchsetzungskraft des künftigen US-Präsidenten - und der Einschätzung, dass Trump seine Ankündigung wahrmachen könnte, 5,3 Millionen Mexikaner und die restlichen der insgesamt 11 Millionen Menschen, die sich ohne Aufenthaltserlaubnis in den USA befinden, in ihr Herkunftsland zurückzuschicken. Nieto vereinbarte mit Trump für die Zeit vor dessen Vereidigung ein Gespräch.

Militärübung in Kuba, Kolumbien gelassen

Kuba kündigte kurz nach Trumps Wahlerfolg eine Militärübung vom 16. bis 18. November an, um im Rahmen der "Bastionsstrategie" Reaktionen auf "feindliche Handlungen" zu erproben. Eine Verbindung zur Wahl wurde nicht explizit hergestellt. Erstmals hatte Kuba die Übung nach der Wahl von Ronald Reagan im Jahr 1980 durchgeführt. Trump hatte im Wahlkampf gesagt, er werde die Entspannungspolitik von Noch-Präsident Barack Obama gegenüber dem sozialistischen Staat teilweise beenden und etwa die US-Botschaft in Havanna wieder schließen, wenn Kuba nicht mehr politische Freiheiten zulassen werde.

In Kolumbien, das auch wegen der Bekämpfung von Drogenproduktion und -schmuggel engste Verbindungen zu den USA unterhält, reagierte Präsident Juan Manuel Santos positiv auf den Wahlausgang. "Kolumbien wird die Beziehungen zu den USA mit Donald Trump weiter vertiefen", sagte er. Im Rahmen des "Plan Colombia" fließen seit 2000 jedes Jahr Milliarden Dollar nach Kolumbien. Das war unter den Demokraten Bill Clinton und Barack Obama so und auch beim Republikaner George W. Bush. Das US-Militär ist auf sieben Militärbasen in Kolumbien stationiert und unterstützt das Land bis mindestens ins Jahr 2019 im Anti-Drogenkrieg. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Trump das Programm aufkündigen könnte.

Das kolumbianische Magazin "Semana" wies zudem auf die Verbindungen hin, die Präsident Santos zu einem von Trumps Söhnen hat. Donald Trump Junior war demnach 2011 im kolumbianischen Präsidentenpalast zu Gast, um Möglichkeiten auszuloten, die Immobiliengeschäfte seiner Familie auf Lateinamerika auszuweiten. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge könnte der künftige Mann im Weißen Haus wegen seiner zahlreicher Geschäfte mit staatlichen Stellen auf der ganzen Welt nach seiner Amtsübernahme in Interessenkonflikte geraten.

Für Brasilien sind die USA der zweitgrößte Handelspartner nach China, etwa 1,1 Million Brasilianer leben dort. Präsident Michel Temers Reaktion klang recht gleichgültig. "An den Beziehungen zwischen Brasilien und den Vereinigten Staaten wird das gar nichts verändern", sagte der Konservative. Seine Regierung hatte während des Wahlkampfes darauf verzichtet, sich gegenüber einem Kandidaten zu positionieren.

Uruguays linker Ex-Präsident José Mujica sieht das komplett anders - er wollte zunächst nur ein einziges Wort zu Trumps Erfolg sagen: "Hilfe!" Auf Nachfrage, ob ihn der Sieg des Milliardärs überrascht habe, fügte er hinzu: "Es sind immer die schlechten Nachrichten, die überraschen." Mujica kritisiert seit langem die ungleiche Verteilung von Wohlstand.

Quelle: n-tv.de

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