Politik
Herman Van Rompuy und der japanische Premierminister Shinzo Abe.
Herman Van Rompuy und der japanische Premierminister Shinzo Abe.(Foto: dpa)
Donnerstag, 05. Juni 2014

Wie ein Belgier die Politik entzückt: Macht Poesie, nicht Krieg!

Von Issio Ehrich

EU-Ratspräsident Van Rompuy überrascht bei seinen öffentlichen Auftritten immer wieder mit poetischen Schnipseln aus Fernost. Und so lässt er auch auf dem G7-Treffen in Brüssel die großen Krisen der Welt für einen Moment in Vergessenheit geraten.

Ein Konflikt bestimmt den Gipfel der größten Industrienationen der Welt. Erstmals seit 1998 findet das alljährliche Treffen der Staatschefs ohne russischen Präsidenten statt. Wegen der Ukraine-Krise ist der G8-Gipfel nur ein G7-Gipfel.

Ein Mann beglückt das Treffen vielleicht auch deshalb mit einem besonderen Signal der Friedfertigkeit: Herman Van Rompuy.

Der EU-Ratspräsident begrüßt den japanischen Premierminister Shinzo Abe mit einem japanischen Gedicht. Er zitiert den mittelalterlichen Dichter Jamaguchi Sodu in der klassischen Form des Haiku, in Versen von fünf, sieben und nochmals fünf Silben, die meist die Schönheit der Natur besingen. Wer nun denkt, Van Rompuy tue dies, um sich dem japanischen Premier anzubiedern, irrt. Der Belgier handelt getreu dem Motto: macht Poesie, nicht Krieg. Es geht ihm nicht um Japan, sondern um die ganze Welt.

Ein Haiku-Botschafter

Haiku sind seit Jahren Van Rompuys Faible. Er ist von den kurzen Gedichten derart begeistert, dass er selbst Verse in dieser Form verfasst. Jeden Abend überlegt er sich ein Gedicht, das erzählte er einmal der Nachrichtenagentur Belga. Erinnert er sich am nächsten Tag noch daran, schreibt er es auf. So entstehen Zeilen wie:

Autumn end november:
The night has fallen
The bare branches can be seen
Even more lonely

Van Rompuy trägt seine Ergüsse immer wieder bei Auftritten als EU-Ratspräsident vor und hat schon zwei Gedichtbände veröffentlicht. Auf seiner Webseite präsentiert er eine Auswahl seiner Poesie.

Der Ratspräsident sieht die Gedichtform wie die Musik als universelles, globales Medium für den Humanismus. Sich sieht er als Haiku-Botschafter. Es liegt nahe, dass er sich gerade bei diesem G7-Gipfel gedacht hat: Was könnte die Welt besser gebrauchen als ein wenig Menschlichkeit?

Quelle: n-tv.de

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