Politik
Gauck äußerte sich zum Abschluss eines Staatsbesuchs in Norwegen.
Gauck äußerte sich zum Abschluss eines Staatsbesuchs in Norwegen.(Foto: dpa)

Gauck fordert aktivere Außenpolitik: "Manchmal muss man zur Waffe greifen"

Bei Militäreinsätzen im Ausland sind die Deutschen traditionell eher skeptisch. Bundespräsident Gauck fordert dennoch, dass Deutschland seine "Zurückhaltung" aufgeben solle.

Bundespräsident Joachim Gauck fordert von den Deutschen eine größere Bereitschaft zur Beteiligung an internationalen Militäreinsätzen. Deutschland stehe an der Seite der Unterdrückten, sagte Gauck dem Deutschlandradio Kultur: "Und in diesem Kampf für Menschenrechte oder für das Überleben unschuldiger Menschen ist es manchmal erforderlich, auch zu den Waffen zu greifen." International brauche es Kräfte, um Verbrecher oder Despoten zu stoppen. "Und dann ist als letztes Mittel manchmal auch gemeinsam mit anderen eine Abwehr von Aggression erforderlich", sagte der Bundespräsident

Video

Ihm schwebe dabei kein "deutsches Dominanzgebaren " vor, betonte Gauck. "Das Gegenteil ist der Fall." Ihm gehe es um ein "Ja zu einer aktiven Teilnahme an Konfliktlösungen im größeren Rahmen" mit den Partnern der Europäischen Union und der Nato. "So wie wir eine Polizei haben und nicht nur Richter und Lehrer, so brauchen wir international auch Kräfte, die Verbrechen oder Despoten, die gegen andere mörderisch vorgehen, stoppen."

Für eine solche aktivere Außenpolitik sei in Deutschland ein Mentalitätswechsel nötig, argumentierte Gauck. "Ich habe das Gefühl, dass unser Land eine Zurückhaltung, die in vergangenen Jahrzehnten geboten war, vielleicht ablegen sollte zugunsten einer größeren Wahrnehmung von Verantwortung." Deutschland könne sich auf eine solche Rolle einlassen, weil es inzwischen eine "verlässliche Demokratie" sei.

Gauck äußerte sich zum Abschluss eines Staatsbesuchs in Norwegen. Dort habe er "auf allen Ebenen ein 'Ja zu einem aktiven Deutschland' gehört", berichtete der Präsident. Mit seinen Interviewäußerungen knüpfte Gauck an seine Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz an, in der er ein größeres außenpolitisches Engagement Deutschlands gefordert hatte.

Linke sieht Gauck als "Feldherrn"

Scharfe Kritik an Gaucks Überlegungen kam von der Linkspartei. "Ein Bundespräsident, der quasi als Feldherr die Bundeswehr mit Hurra in alle Welt schicken möchte, stellt sich gegen die Bevölkerung und begibt sich damit ins Abseits", erklärte der Außenexperte der Linksfraktion im Bundestag, Jan van Aken. "Gaucks einseitiger Blick auf das Militärische ist hochgefährlich." Deutschland müsse sich mit nichtmilitärischen Mitteln für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt einsetzen.

In dem Interview sprach sich der Bundespräsident auch dafür aus, junge Menschen weltweit zum Lernen der deutschen Sprache zu ermuntern. Berlin sei "cool", sagte er. Er beobachte, dass "alle möglichen jungen Leute" nach Berlin kämen und dort auflebten. "Das sind Dinge, die sind nicht groß mit großen wissenschaftlichen oder politischen Headlines verbunden, aber so ein gutes, positives Lebensgefühl mal mitzunehmen aus Deutschland, das kann dann auch der Einstieg sein für eine längere und tiefere Beziehung zu unserem Land."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen