Politik
Merkel in Brüssel
Merkel in Brüssel(Foto: REUTERS)

Irische Banker am Telefon: Merkel hat "nur Verachtung dafür übrig"

Von Hubertus Volmer

Die jüngst veröffentlichten Hohngesänge irischer Banker sorgen europaweit für Verärgerung. Auch Kanzlerin Merkel ist sauer - nicht auf die Iren, sondern auf die Banker, deren Tonfall überall der gleiche zu sein scheine.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit deutlichen Worten auf die jüngst enthüllten Telefonate irischer Banker aus dem Jahr 2008 reagiert. Als sie am frühen Freitagmorgen in Brüssel von einem irischen Journalisten auf die Mitschnitte angesprochen wurde, sagte Merkel, dafür habe sie "wirklich nur Verachtung".

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"Das ist eine richtige Schädigung der Demokratie, der sozialen Marktwirtschaft und allem, wofür wir arbeiten", sagte die Kanzlerin weiter. Für normale Menschen sei das schwer zu akzeptieren. Zugleich lobte sie die irische Regierung, deren EU- Präsidentschaft Ende des Monats ausläuft, für ihre Rolle beim Erzielen des Kompromisses um den EU-Haushalt. Sie machte außerdem deutlich, dass sich ihre Wut nicht gegen Irland richte, sondern gegen die Mentalität der Banker.

"Die Tonalität scheint bankenübergreifend gleich zu sein", so Merkel. "Sie ist für Menschen, die ganz normal jeden Tag zur Arbeit gehen, die ihr Geld verdienen, einfach nur ganz, ganz schwer zu verkraften, um nicht zu sagen gar nicht zu verkraften."

Der Vorfall sei für "uns" eine unglaubliche Herausforderung, sagte Merkel, denn "die Menschen zu überzeugen, ... Solidarität mit anderen Menschen" zu üben, die schwächer seien - "das alles wird dadurch zerstört".

"Fucking Germans"

Die Tageszeitung "Irish Independent" hatte am 24. Juni Telefonmitschnitte von irischen Bankern veröffentlicht, die im September 2008 - kurz vor der irischen Bankengarantie - automatisch aufgenommen worden waren. Der damalige Chef der Anglo Irish Bank sagt in den Mittschnitten etwa: "Neuer Tag, neue Milliarde." Ein anderer Banker macht sich am Telefon über die erwarteten deutschen Garantien lustig, indem er "Deutschland, Deutschland über alles" singt. (Hier kann man sich mit Aufnahmen anhören.)

Aus den Gesprächen geht hervor, dass die Formel "too big to fail" von den Bankern bewusst als Strategie eingesetzt wurde: "Wenn es groß genug aussieht, um wichtig zu sein, aber nicht so groß, dass es gleich alles kaputtmacht, dann, denke ich, hat man eine Chance."

Deutsche Sparer, die ihr Geld auch nach der staatlichen Bankengarantie der irischen Regierung bei der Anglo Irish anlegten, werden in den Mitschnitten als "fucking Germans" bezeichnet. Die sieben Milliarden Euro, die die Bank vom irischen Staat als Nothilfe haben wollte, werde man zurückzahlen, "sobald wir das Geld haben", sagt der Leiter des Kapitalmarktgeschäfts, "also nie". Die Summe von sieben Milliarden war ohnehin nur frei erfunden: Er habe sich die Zahl "aus dem Arsch gezogen".

"Unsere schlimmsten Vermutungen sind bestätigt"

Irland hatte die Anglo Irish Bank mit Hilfe seiner EU-Partner gerettet. Deutschland war größter EU-Geldgeber bei den Hilfen. EU und IWF hatten Irland mit 85 Milliarden Euro von der Pleite bewahrt. Am 21. Januar 2009 wurde die Anglo Irish Bank verstaatlicht.

In den irischen Medien sind die Telefonmitschnitte ein großes Thema. Die "Irish Times" beispielsweise wies ihre Leser darauf hin, dass die "einflussreiche 'Bild'-Zeitung" über Jahre eine zurückhaltende Linie gegenüber Irland eingehalten habe, während sie "Pleitegriechen", Zyprer und andere Krisenstaaten attackierte. Damit sei es nun vorbei.

Die Aufregung in Irland ist indes noch sehr viel größer. Ein Kommentar des "Irish Independent" schreibt, die Telefonmitschnitte "bestätigen unsere schlimmsten Vermutungen über die Arroganz der Banker". Die Bankenkrise hat Irland hart getroffen: Durch die umfassende Bankengarantie der irischen Regierung vom September und Oktober 2008 (von der auch deutsche Banken ausführlich profitiert haben) ist die Staatsverschuldung dramatisch gestiegen, die Arbeitslosigkeit liegt bei 14 Prozent, mehr als 300.000 Iren haben ihr Land in den vergangenen vier Jahren verlassen.

Quelle: n-tv.de

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