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Die Chile-Theorie der AfD: Muss Merkel das Land verlassen?

Von Christian Rothenberg

In einer Polit-Talkshow fordert AfD-Vize von Storch mehr Sachlichkeit in der Flüchtlingsdebatte. Dann behauptet sie, Kanzlerin Merkel werde das Land aus Sicherheitsgründen verlassen müssen. n-tv.de fragt nach, wie sie darauf kommt.

Eine Dreiviertelstunde lang plätschert die Sendung von Anne Will recht höhepunktarm vor sich hin. Dann bricht plötzlich höhnisches Gelächter aus. Moderatorin Will zeigt einen Facebook-Beitrag der AfD-Europaabgeordneten vom 13. Januar. "Ich nehme Wetten an: Wenn sie [Merkel] bald zurücktritt, wird sie das Land verlassen. Aus Sicherheitsgründen."

AfD-Vizechefin Beatrix von Storch.
AfD-Vizechefin Beatrix von Storch.(Foto: imago/Jürgen Heinrich)

Was sie damit meine, hakt Will nach. Daraufhin erwidert von Storch: "Damit meine ich, dass das Gerücht war, dass sie nach Chile oder Südamerika geht." Von Storch hat das kaum ausgesprochen, da hauen sich einige Zuschauer im Fernsehstudio mit ihren Händen lachend auf die Oberschenkel. CDU-Vize Armin Laschet entfährt ein zweifaches "unfassbar". Wenige Minuten vorher hatte von Storch eine "Versachlichung" der Flüchtlingsdebatte angemahnt.

Die Kanzlerin auf der Flucht nach Südamerika - nicht nur in der Hauptstadt dürfte das zu Wochenbeginn ein Gesprächsthema sein. Aber: Woher stammt das Gerücht? n-tv.de hat am Montagmorgen bei der AfD-Politikerin nachgefragt.

"Wünsche ihr einen ruhigen und friedlichen Ruhestand"

Von Storch verweist auf Franz Josef Strauß. Der frühere CSU-Chef soll 1976 in seiner Wiederwahl-Rede gesagt haben, Helmut Kohl werde seine Memoiren eines Tages möglicherweise in Sibirien schreiben. Von Storch sagt: "So kann man wohl auch laut darüber nachdenken, wo Frau Merkel ihre Memoiren schreiben wird. Südamerika ist mit Sicherheit schöner als Sibirien. Wo immer es sein wird, ich wünsche ihr einen ruhigen und friedlichen Ruhestand, der hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft liegt." Worauf sie sich bei ihrer Aussage, Merkel werde nach Südamerika gehen, genau stützt, verrät von Storch nicht. Ihre Antwort gibt keinerlei Aufschluss darüber, ob die Kanzlerin wirklich plant, sich ins Exil nach Südamerika abzusetzen. Über die Herkunft jenes Gerüchts, das sie am Sonntag selbst in die Welt gesetzt hat.

Mit Chile und Südamerika kennt sich von Storch eigentlich ganz gut aus. Ihr Mann Sven wuchs in Chile auf. Im EU-Parlament ist die 44-Jährige außerdem Mitglied der Delegation Parlamentariergruppen EU-Chile und Europa-Lateinamerika. Erst Mitte November reiste sie mit anderen EU-Politikern nach Chile. Dabei kritisiert sie Merkel: "Die Kanzlerin hat sich in Chile mit ihrer Forderung eines bolivianischen Zugangs zum Pazifik zu Lasten des Territoriums von Chile massiv in die inneren Angelegenheiten beider Länder eingemischt." Merkel solle sich lieber um die eigenen Grenzen kümmern.

Bolivien hat 1879 seinen 400 Kilometer langen Küstenstreifen an Chile verloren. Die Regierung streitet seit Jahren mit dem Nachbarland um den Zugang zum Meer und will diesen vor dem Internationalen Gerichtshof einklagen. Die Kanzlerin sagte in diesem Zusammenhang Anfang November in einer Pressekonferenz mit dem bolivianischen Präsidenten Evo Morales jedoch lediglich: "Ich glaube, darüber [Zugang zum Meer] muss mit Chile gesprochen werden."

"So ein Quatsch"

In der Union hat sich die Chile-Theorie am Montagmorgen auch zu den Abgeordneten herumgesprochen, die die ARD-Sendung am Sonntag nicht gesehen haben. "Das ist völlig absurd. Merkel ist eine gute Bundeskanzlerin und das bleibt sie auch. Solche Äußerungen zeigen, dass die AfD völlig außerhalb der Realität agiert", sagt Unions-Fraktionsvize Franz-Josef Jung n-tv.de. Der CDU-Abgeordnete Thomas Bareiß sagt: "Die AfD entlarvt sich durch solche plumpen Sprüche selbst. Auf dieses Niveau begeben wir uns nicht." Einige CDU-Politiker wollen die Angelegenheit nicht kommentieren. Zu "so einem Quatsch" müsse man nichts sagen, sagt einer.

In der Flüchtlingskrise wurde vielfach darüber spekuliert, ob Merkel 2017 noch einmal antritt. Tatsächlich gibt es Gerüchte über ihre Zukunft. Eines, das sich bereits seit fast zwei Jahren hartnäckig hält: Sie wird Generalsekretärin der Uno und damit Nachfolgerin von Ban Ki-Moon. In den vergangenen Monaten haben Unionsabgeordnete hinter vorgehaltener Hand immer wieder über das Uno-Szenario gesprochen. Hauptsitz der Vereinten Nationen ist jedoch New York. Von dort sind es etwa zehn Flugstunden nach Chile.

Quelle: n-tv.de

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