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Die Windschutzscheibe des Lkw zerbarst unter der Wucht des Aufpralls.
Die Windschutzscheibe des Lkw zerbarst unter der Wucht des Aufpralls.(Foto: REUTERS)

So klappte die Festnahme: Mutiger Zeuge verfolgte mutmaßlichen Täter

Nachdem er einen Lkw in eine Menschenmenge auf einem Berliner Weihnachtsmarkt gelenkt hat, versucht der Fahrer zu fliehen - allerdings nicht unbemerkt. Ein Zeuge folgt dem Flüchtigen. Dank ihm kann die Polizei den mutmaßlichen Täter festnehmen.

Es ist kurz nach 20 Uhr am Montagabend, als ein Lastwagen mit polnischem Kennzeichen mit hoher Geschwindigkeit auf einen Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz rast. Zwölf Menschen sterben - Dutzende weitere werden verletzt. Die Berliner Polizei geht mittlerweile davon aus, dass der Fahrer den Lkw absichtlich in die Menge gelenkt hat. Erst nach 50 Metern kommt der Sattelschlepper zum Stehen. Mehrere Zeugen sehen, wie ein Mann aus der demolierten Fahrerkabine klettert und flüchtet. Ihnen ist es offenbar zu verdanken, dass seine Flucht nicht lange dauerte.

Wie die Zeitung "Die Welt" unter Berufung auf einen Polizeisprecher berichtet, melden sich die Menschen kurz nach dem mutmaßlichen Attentat über den Notruf. Sie sagen, der verdächtige Mann renne die Budapester Straße hinunter - offenbar will er den Berliner Tiergarten erreichen. "Womöglich wollte er in der Dunkelheit Schutz suchen", sagt Polizeisprecher Winfrid Wenzel. Einer der Zeugen fasst sich ein Herz und läuft ihm mit einigen Metern Abstand hinterher. Während er dem Verdächtigen folgt, hält er die Notrufzentrale am Telefon auf dem Laufenden. Dadurch weiß die Polizei genau, wo sich der Mann gerade befindet.

In Höhe der Siegessäule kann eine Streife der Berliner Polizei den Flüchtigen schließlich schnappen - er kam nur zwei Kilometer weit. "Mit Hilfe dieses Zeugen war es uns möglich, den Verdächtigen zu fassen", erklärt Wenzel. "Diese Zivilcourage kann uns heute etwas Mut machen." Wer der Zeuge ist, wolle die Polizei dem Bericht zufolge aus Rücksicht auf seine Persönlichkeitsrechte nicht sagen. Womöglich hat er aber einen großen Beitrag zur Aufklärung der Tragödie geleistet. Laut Polizei wird der mutmaßliche Täter derzeit verhört.

Fahrer reiste wohl als Flüchtling ein

Nach Informationen des RBB-Inforadios und der "Welt" soll er aus Pakistan stammen, 23 Jahre alt sein und am 31. Dezember 2015 in Passau nach Deutschland eingereist sein. Die Deutsche Presse-Agentur hatte zuvor erfahren, dass der Mann auch aus Afghanistan stammen könnte. Angeblich soll er mehrere Identitäten genutzt haben. Der für den Staatsschutz zuständige Generalbundesanwalt in Karlsruhe hat die Ermittlungen aufgenommen. Der Polizei soll der mutmaßliche Täter bereits wegen geringfügiger Delikte bekannt sein.

Wie die "Welt" weiter berichtet, soll ein Sondereinsatzkommando (SEK) der Polizei am Morgen einen Hangar im stillgelegten Berliner Flughafen Tempelhof gestürmt haben. Dort sind Flüchtlinge untergebracht. Das SEK habe eine erste heiße Spur, heißt es. Die Polizei lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht aber bisher ab.

Quelle: n-tv.de

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