Politik
In Portugal gibt es den "Christusorden", eine Nachfolgeorganisation der Tempelritter.
In Portugal gibt es den "Christusorden", eine Nachfolgeorganisation der Tempelritter.(Foto: picture alliance / dpa)

Tempelritter, Videospiele, Lady Di: Mysteriöse "Hinweise" auf die Paris-Attentate

Von Roland Peters

Die westliche Welt fragt sich, wie der IS nach dem Terror von Paris besiegt werden kann. "Synchronmystiker" fragen sich, welche Hinweise es darauf gab. Die Antworten sind verwegen - sie reichen bis zu den Tempelrittern und Prinzessin Diana.

Hätten die Terroranschläge von Paris verhindert werden können? Die Institutionen, die versagt haben, bauschen sich auf, die Sicherheitsexperten rufen nach Geld. Die Briten haben bereits eine personelle Verstärkung ihres Geheimdienstes GCHQ beschlossen. In den USA sollen Flüchtlinge aus Syrien nach Meinung der meisten Abgeordneten wie Träger eines gefährlichen Virus' behandelt werden. Und Frankreich klopft sich pausenlos öffentlich mit Kriegsrhetorik auf die Brust, hat aber schon vor den 130 Toten von Paris den Islamischen Staat im Irak und in Syrien bombardiert. Sie alle beschäftigen sich mit der Frage, wie sie reagieren und solche Anschläge in Zukunft verhindert werden können.

Es gibt allerdings auch Menschen, die sich vor allem mit der Vergangenheit beschäftigen. Sie sind überzeugt, dass es auf alle großen Ereignisse der Weltgeschichte konkrete Hinweise gibt, man müsse nur genau hinschauen. Der Glaube heißt, aber Achtung, jetzt langsam lesen: Synchronmystizismus. Geheimdienste und Sicherheitsbehörden sind dafür nicht nötig. Vor allem im Netz findet abseits des Nachrichtenstroms und der üblichen Debatten eine permanente Schnitzeljagd der gläubigen Schwarmintelligenz statt. Sie suchen nach Fingerzeigen auf Katastrophen, Kriege, oder eben Attentate wie 9/11 oder Paris; in der Kunst, der Popkultur, im Alltag. Es geht nicht um Vorhersagen oder Verhindern, das Ziel ist ein esoterisches: Im Nachhinein die Zeichen und Verbindungen zu Alltäglichem erkennen, wo andere keine sehen.

Einer ihrer Vertreter ist Alan Abbadessa-Green, Herausgeber von "The Sync Book". Abbadessa-Green hat auch an einem Video mitgewirkt, in dem erklärt wird, wie der Film "Zurück in die Zukunft" (1985) den Angriff auf die Twin Towers erahnen lässt. Ebenfalls populär: Im verschwörungstheoretischen Mastermind-Computerspiel "Deus Ex" fehlt in New Yorks Silhouette am Horizont das World Trade Center. Die Entwickler sagen, sie hätten Probleme mit dem Speicherplatz gehabt. In der Geschichte des Spiels haben Terroristen die Gebäude zerstört. Es erschien im Jahr 2000. Die Flugzeuge wurden am 11. September 2001 von Al-Kaida-Anhängern in die Wolkenkratzer gesteuert.

Alles ist erlaubt

Links unten auf dem "Battlefield 3"-Screenshot ist das Datum zu sehen (zum Vergrößern klicken)
Links unten auf dem "Battlefield 3"-Screenshot ist das Datum zu sehen (zum Vergrößern klicken)(Foto: Screenshot n-tv.de)

Steile Thesen, Vermutungen, Analogien herbeireden, Bilder auf den Kopf drehen, alles ist erlaubt. Hauptsache, es passt irgendwie, denn alles auf der Welt ist mit allem verbunden. Im Fall von Paris haben die Synchronmystiker abseits der üblichen Verschwörungstheorien (von den kriegswilligen USA inszeniert, wahlweise von Israel, damit die westliche Welt alle Moslems tötet, Frankreich stecke selbst dahinter, et cetera) bereits eine Menge Material zusammengetragen.

Eine Auswahl - und eine Tatsache.

  1. Der offensichtlichste Hinweis ist das Datum: Freitag, der 13. Die Kombination von Wochentag und Datum taucht etwa im Oktober des Jahres 1307 auf, als der französische König die Verhaftung aller Tempelritter anordnete. Sie hatten gegen Moslems im Nahen Osten gekämpft. Dazu kommen ein Roman (Thomas William Lawson, "Freitag der 13.", 1907) und diverse Filme. Der bekannteste ist wohl der gleichnamige Horror-Slasher von Sean S. Cunningham (1980).
     
  2. Am 13. November 1918 besetzten französische und britische Truppen Konstantinopel, die Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Das Kalifat hatte gemeinsam mit dem deutschen Kaiserreich im 1. Weltkrieg gegen die Alliierten gekämpft. Vom heutigen Istanbul aus war das letzte Kalifat der Moderne regiert worden - bis zur Ausrufung des Islamischen Staates (IS). Waren die Taten am 13. November 2015 Rache?
     
  3. Im Videospiel "Battlefield 3" (2011) soll der Protagonist der Einzelspielerkampagne einen terroristischen Anschlag in Paris verhindern. Das eingeblendete Datum zu Beginn der Mission ist der 13. November. Dumm nur für die Synchronmystiker, dass die Handlung im Jahr 2014 stattfindet. Zudem ist es eine Atombombe, die explodiert.
     
  4. Im Klub Bataclan, wo die meisten Menschen bei den Attentaten von Paris starben, stand die christlich orientierte Rockband "Eagles of Death Metal" auf der Bühne. Bevor das Massaker losging, spielten die US-Amerikaner den "Duran Duran"-Coversong "Save a Prayer". Achtung, jetzt wird es wirklich hanebüchen: Am 1. Dezember, 18 Tage nach dem Attentat, wird es 6666 Tage her sein, dass Prinzessin Diana starb. Die Britin liebte Duran Duran. Die Zahl 18 ist gleich 3 mal 6, also 666, und 666 ist bekanntlich die Zahl des Teufels. Der Gitarrist Jesse Hughes trägt den Spitznamen "Der Teufel". Und als die Angreifer anfingen, die Besucher zu erschießen, spielten er und seine Kollegen den Song "Kiss the Devil". Alles klar?

Dazu kommen Rechenwege und Resultate mit Querverbindungen zu 9/11, zwischen New York und Paris im Allgemeinen und zu den Freimaurern im Speziellen.

Tatsache ist, dass der 13. November 2015 in den USA "11/13/15" geschrieben wird. Nur sechs Mal je Jahrhundert enthält ein Datum drei aufeinanderfolgende ungerade Zahlen, rechnet die "Huffington Post". Es wird demnach wieder am 1/3/5 so weit sein, also dem 3. Januar 2105.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen