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Bei der Pressekonferenz von LaPierre (im Hintergrund) protestierten Menschen gegen die Waffenlobby NRA.
Bei der Pressekonferenz von LaPierre (im Hintergrund) protestierten Menschen gegen die Waffenlobby NRA.(Foto: AP)

Newtown gedenkt der Amoklauf-Opfer: NRA fordert Waffen an Schulen

Vor jeder Schule der USA sollen bewaffnete Wachen stehen, fordert die US-Waffenlobby NRA in ihrer ersten Reaktion auf den Amoklauf in Newtown. Präsident Obama tritt dagegen für strengere Waffengesetze ein - und Ohio liberalisiert seine Regelungen. Am Ort des Blutbads gedenkt man derweil mit einer Schweigeminute der Opfer.

Nach dem Schulmassaker von Newtown hat sich die US-Waffenlobby für den Einsatz bewaffneter Polizisten vor jeder Schule ausgesprochen. "Das einzige, was einen bösen Menschen mit Waffe aufhält, ist ein guter Mensch mit einer Waffe", sagte der Vizepräsident der National Rifle Association (NRA), Wayne LaPierre, in Washington. US-Präsident Barack Obama stärkte dagegen den Befürwortern eines strengeren Waffenrechts den Rücken.

Die Newtown gedachten die Menschen der Opfer des Massakers.
Die Newtown gedachten die Menschen der Opfer des Massakers.(Foto: dpa)

Viele Amerikaner gedachten unterdessen mit einer Schweigeminute der Opfer des Massakers. Während die Fahnen im Regen auf halbmast wehten, schlugen Kirchenglocken langsam 26 Mal - für jedes Opfer in der Schule einmal. Viele Bundesstaaten hatten sich dem Vorschlag Connecticuts angeschlossen und auch um eine Schweigeminute um 9.30 Uhr (Ortszeit) gebeten - der Zeit, in der die ersten Kinder getötet wurden. Auch Präsident Obama hielt im Weißen Haus eine Schweigeminute.

Vor einer Woche hatte ein 20-Jähriger an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown 20 sechs und sieben Jahre alte Kinder sowie sechs Erwachsene erschossen. Der Attentäter, der zuvor zuhause auch seine Mutter getötet hatte, tötete sich nach der Bluttat selbst.

"Die NRA hat Blut an den Händen"

Das Weiße Haus, Sportstadien und öffentliche Gebäude würden mit Waffen geschützt, sagte LaPierre weiter. "Doch unsere geliebten, unschuldigen und verletzbaren Kinder ... lassen wir jeden Tag furchtbar schutzlos." Die NRA, die nach eigenen Angaben vier Millionen Mitglieder zählt, gilt als einer der mächtigsten Lobbys in den USA. Die NRA sei bereit, beim Training für entsprechende Programme zum Schutz von Schulkindern mitzuhelfen, hieß es.

Video

LaPierre wandte sich gegen strengere Gesetze zum Erwerb von Schusswaffen in den USA. Solche Gesetze würden nichts bringen. Bei seiner ersten Stellungnahme nach dem Amoklauf an einer Grundschule im Bundesstaat Connecticut in der vergangenen Woche kritisierte der Verband zudem den Einfluss von Gewaltvideos und -filmen. Zudem würden die Medien die NRA hassen und ihre Ziele verunglimpfen, klagte LaPierre.

Demonstranten störten die Pressekonferenz mehrfach. Ein Aktivist entrollte ein Banner mit der Aufschrift "Die NRA tötet unsere Kinder", bevor er aus dem Saal gebracht wurde. Andere Demonstranten riefen: "Die NRA hat Blut an den Händen ... Stoppt jetzt den Verkauf von Sturmgewehren." Etwa 40 Demonstranten protestierten außerhalb des Gebäudes gegen die NRA. Der Kongressabgeordnete Chris Murphy, der den Distrikt mit der Grundschule in Newton vertritt, nannte die NRA-Ausführungen im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter "das Abscheulichste", was ihm je untergekommen sei.

"Es reicht"

Obama wandte sich in einer Video-Botschaft an mehrere Hunderttausend US-Bürger, die auf der Internetseite des Weißen Hauses eine Petition für schärfere Waffengesetze unterzeichnet hatten. "Sie dürften in ihrem Kampf für schärfere Kontrollen nicht nachlassen", sagte der Präsident. Das Blutbad in Newtown hatte eine landesweite Debatte über eine Reform des vergleichsweise liberalen Schusswaffenrechts der USA ausgelöst, die jahrelang am Widerstand vieler Amerikaner gescheitert war.

Obama rief dagegen die Befürworter schärferer Waffengesetze auf, den Druck auf die Abgeordneten aufrechterhalten. "Rufen Sie Ihre Kongressvertreter so oft wie nötig an, bekennen Sie Farbe und sagen Sie im Namen unser aller Kinder: 'Es reicht'." Der Präsident will den Kongress dazu bewegen, den Verkauf von Sturmgewehren zu verbieten sowie den bisher weitgehend unkontrollierten Handel mit Waffen auf einschlägigen Messen strenger zu kontrollieren. Obamas Regierungsmannschaft soll die Reformvorschläge noch im Januar vorlegen.

Eine ganz andere Haltung nahm dagegen der Gouverneur von Ohio ein. Der Republikaner John Kasich unterzeichnete ein Gesetz zur Lockerung des Waffenrechts. Künftig müssen die Bürger des Bundesstaates nur einmal eine Prüfung ablegen, um eine Waffe verdeckt mitführen zu dürfen. Bislang mussten sie dies jedes Mal bei der Erneuerung ihres Waffenscheins tun. Außerdem dürfen Waffen verdeckt an mehr Plätzen getragen werden - selbst in der Garage des regionalen Parlaments in der Hauptstadt Columbus.

Die Gesetzesänderung war lange vor dem Amoklauf in Gang gesetzt worden. Die US-Verfassung sichert jedem Amerikaner das Recht zum Tragen einer Waffe zu. Hunderte Millionen Pistolen und Gewehre befinden sich in Privatbesitz.

Derweil kam es einem Medienbericht zufolge erneut zu einer tödlichen Schießerei. Im Bundesstaat Pennsylvania habe ein Schütze zwei Männer und eine Frau getötet, berichtete die Zeitung "Altoona Mirror" unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Bei einem Feuergefecht mit dem Mann seien zudem drei Polizisten verletzt worden. Der mutmaßliche Täter sei ums Leben gekommen. Die Tat habe sich in der Gemeinde Frankstown ereignet.

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Quelle: n-tv.de

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