Politik

"Rowdytum" in Hannover: Nackter Protest gegen Putin

Auf der Hannover Messe kommt es zu einem Eklat. Mehrere barbusige Frauen stürmen auf Russlands Präsidenten Putin zu. Auf ihren Brüsten steht "Fuck dictator". Präsident Putin zeigt sich gelassen: Ihm habe die Aktion "gefallen". Weniger gefallen dürfte ihm die Kritik der Kanzlerin.

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Vier barbusige Frauen haben beim Besuch vom Russlands Präsident  Wladimir Putin auf der Hannover Messe gegen dessen politisches System protestiert. Sie rannten laut schreiend auf Putin zu, als er zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Rundgang über die Messe unternahm.

Die Frauen wurden aber von Bodyguards gestoppt, bevor sie den Präsidenten erreicht hatten. Auf ihre Brüste hatten die Protestiererinnen geschrieben "fuck dictator". Putin und Merkel hatten gerade den Stand von Volkswagen verlassen, als sich die Attacke ereignete. Sie wollten den Messe-Rundgang aber fortsetzen. Vermutlich handelt es sich um Aktivistinnen der Gruppe "Femen".

Putin gibt sich gelassen

Nach dem Zwischenfall reagierten Putin und Merkel mit größter Gelassenheit.  "Wir sind ein freies Land, und man kann demonstrieren", sagte Merkel, die allerdings den Ort der Aktion kritisierte. "Ob man in Deutschland zu einer solchen Notmaßnahme greifen muss, ...daran habe ich meine Zweifel." Konsequenzen würden geprüft.

Ihm habe die Aktion der Frauen "gefallen", sagte der russische Präsident. Was sie gerufen hätten, habe er nicht gehört. "Ich sehe darin nichts Schreckliches. Aber wenn man eine politische Diskussion will, müsste das auch angekleidet gehen." Ein Sprecher des russischen Präsidialamtes hatte die Aktion zuvor als Rowdytum bezeichnet. Die Verantwortlichen müssten bestraft werden. Bereits am Sonntag hatte es in Hannover Proteste gegen das russische Vorgehen etwa gegen Nichtregierungsorganisationen gegeben.

Merkel mahnt

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Kritische Töne musste sich Putin auch von der Bundeskanzlerin gefallen lassen. Merkel mahnte erneut an, den Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) in Russland die Chance auf freie Entfaltung zu geben. "Es geht darum, so habe ich es für uns deutlich gemacht, dass die NGO gut und frei arbeiten können", sagte sie auf einer Pressekonferenz mit Russlands Präsident Putin. Organisationen wie die deutsche Stiftungen und das Goethe-Institut müssten ungehindert arbeiten können.

Putin sicherte den deutschen Stiftungen in Russland dies zu, verteidigte aber erneut, dass die russische Regierung Überblick über die finanziellen Unterstützung russischer NGO aus dem Ausland haben wolle. Wie schon am Wochenende erklärte er, dass in den ersten vier Monaten des Jahres mehrere Milliarden Euro aus dem Ausland an russische NGOs geflossen seien. Menschenrechtsogranisationen bezweifeln dies.

Putin betonte, dass es in der Frage des Umgangs mit der Zivilgesellschaft Unterschiede mit Merkel. Beide hätten das Thema bei dem Abendessen am Sonntag intensiv diskutiert. Zugleich wies er den Vorwurf zurück, er wollen die NGOs in Russland gängeln. "Wir stellen niemanden unter Kontrolle", sagte er.

Merkel sagte dagegen mit Blick auf die Durchsuchung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in St. Petersburg: "Natürlich ist es ein Eingriff, wenn Festplatten kontrolliert werden. Ich habe ... deutlich gemacht, dass eine lebendige Zivilgesellschaft entstehen kann, wenn die Einzelnen ohne Angst und Sorge arbeiten können, natürlich auf Grundlage der Gesetze." Die Kanzlerin war vor dem Putin-Besuch in Hannover parteiübergreifend aufgefordert worden, die Frage der Menschenrechte deutlich anzusprechen.

Beziehungen sollen ausgebaut werden

Zugleich betonten beide, dass sie die Beziehungen zwischen beiden Ländern vertiefen wollten. "Russland ist für Deutschland ein wichtiger, strategischer Partner. Wir haben intensivste Kontakte, die wir fortsetzen wollen", sagte die Kanzlerin.

An der Hannover Messe nehmen 6500 Aussteller aus 65 Ländern teil, die größte Teilnehmerzahl seit zehn Jahren. Das diesjährige Partnerland Russland ist mit 167 Ausstellern vertreten. Das sind so viele wie noch nie auf einer Messe außerhalb Russlands.

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Quelle: n-tv.de

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