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Verstärkte Luftraumüberwachung an den Außengrenzen - und bald auch Manöver am Boden? Ein kanadischer F-18-Pilot in der Nato-Basis bei Siauliai in Lithauen (Archivbild).
Verstärkte Luftraumüberwachung an den Außengrenzen - und bald auch Manöver am Boden? Ein kanadischer F-18-Pilot in der Nato-Basis bei Siauliai in Lithauen (Archivbild).(Foto: REUTERS)

"25.000 bis 40.000 Mann": Nato erwägt großes Ost-Manöver

Während im Osten der Ukraine die Waffen sprechen, denkt der für Osteuropa zuständige Nato-Kommandeur laut über eine groß angelegte Militärübung nach. Die demonstrative Einsatzbereitschaft könnte Russland weiter provozieren.

Mitten in der Ukraine-Krise stellt ein führender Nato-General erstmals große Manöver mit mehreren zehntausend Soldaten in den Grenzregionen zu Russland in Aussicht. "Wir haben bisher Großmanöver von 25.000 bis 40.000 Mann nur in den westlichen Nato-Ländern durchgeführt", sagte der unter anderem für Osteuropa zuständige Nato-Befehlshaber, der deutsche General Hans-Lothar Domröse, der "Welt".

Solche multinationalen Übungen könnten demnach bald schon auch in den Nato-Mitgliedern im europäischen Osten stattfinden. "Ich kann mir gut vorstellen", betonte der General, "dass wir das in Zukunft auch in Osteuropa und im Baltikum machen".

"Ich kann mir das gut vorstellen": General Domröse im Einsatz (Archivbild).
"Ich kann mir das gut vorstellen": General Domröse im Einsatz (Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)

Beobachter sehen die Entwicklung mit Sorge: Großmanöver der Nato an ihrer Ostgrenze dürften Russland verärgern und insgesamt wenig zur Entspannung der Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen beitragen. Russland wirft dem westlichen Bündnis vor, seine Einflusssphäre stetig weiter auszudehnen.

Verschiedene kleinere Nato-Staaten hatten angesichts der russischen Annexionspolitik auf der Krim und den Vorgängen im Osten der Ukraine wiederholt um stärker sichtbaren Beistand gebeten. Die Nato hat ihre Manöver in Osteuropa seit der Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland bereits massiv ausgeweitet. Beobachter fühlen sich an die heißesten Phasen des Kalten Krieges erinnert, in denen hochgerüstete Arsenale und wechselseitige Machtdemonstrationen ein Gleichgewicht des Schreckens sicherstellen sollten.

Granate schlägt auf Sportplatz ein

Im ostukrainischen Konfliktgebiet standen Teile von Donezk und Luhansk weiter unter Artilleriebeschuss. Nach dem Tod von zwei Schülern auf einem Sportplatz in Donezk am Vortag gaben sich die Konfliktparteien gegenseitig die Schuld an der Tragödie. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach nach dem Einschlag einer Granate von einem "Kriegsverbrechen".

Das ukrainische Außenministerium gab den Separatisten die Schuld. Der ukrainische Geheimdienst SBU leitete eine Untersuchung ein. In Russland eröffnete die nationale Ermittlungsbehörde nach dem Tod der Kinder ein Verfahren wegen Mordes. Es gebe Hinweise darauf, dass ukrainische Sicherheitskräfte den Befehl zum Beschuss des bewohnten Gebietes gegeben hätten, sagte Behördensprecher Wladimir Markin in Moskau. Die Separatisten setzten wegen der getöteten Kinder eine zweitägige Trauer an.

Militär und Separatisten werfen sich gegenseitig vor, eine Anfang September vereinbarte Waffenruhe immer wieder zu brechen. Seit Mitte April starben in dem Konflikt nach UN-Angaben mehr als 4000 Menschen.

Experten bergen MH17-Trümmer

Am Rande immer neuer Kämpfe im Konfliktgebiet Ostukraine sammeln Experten unterdessen fast vier Monate nach dem Absturz der Passagiermaschine MH17 erstmals wieder Beweise ein. Die Bergung weiterer Wrackteile vor dem Wintereinbruch soll Aufschluss bringen über die Tragödie mit 298 Toten. Eine Gruppe aus Niederländern war dazu zuletzt in dem Ort Grabowo nahe der Stadt Donezk im Einsatz, wie die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mitteilte. Das Konfliktgebiet wurde weiter von Kämpfen der Aufständischen und ukrainischen Truppen erschüttert.

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Die Fundstücke würden in Containern gesammelt und voraussichtlich über die ostukrainische Stadt Charkow in die Niederlande gebracht, sagte Separatistenführer Andrej Purgin. Geprüft werde der Einsatz von Kränen, um besonders schwere Teile der Boeing-777 zu heben. Die malaysische Maschine war am 17. Juli in dem von prorussischen Aufständischen kontrollierten Gebiet abgestürzt. Die meisten Opfer waren Niederländer. Deshalb werden die Ermittlungen dort geleitet.

Die Ukraine wirft den Separatisten vor, das Flugzeug mit einer russischen Rakete eines Buk-Luftabwehrsystems abgeschossen zu haben. Erste Ermittlungsergebnisse deuten tatsächlich auf einen Abschuss der Maschine hin. Umstritten ist aber weiterhin, wer genau für den Abschuss der Passagiermaschine verantwortlich ist. Die von Russland unterstützten Separatisten hatten eine Verantwortung für die Tragödie zurückgewiesen.

Australien und Niederlande erhöhen den Druck

Vertreter der selbst ernannten "Volksrepublik" Donezk unterstützten nun den Zugang der Ermittler. Russlands Präsident Wladimir Putin stand nach dem Absturz von Flug MH17 bei den Gipfeltreffen in Asien und Australien neuer Druck bevor. Australiens Regierungschef Tony Abbott will die schwierigen Ermittlungen zur Sprache bringen, wie er beim Besuch des niederländischen Regierungschefs Mark Rutte in Canberra sagte.

Er habe zweimal Gelegenheit, Putin anzusprechen, sagte Abbott: beim Gipfel der Pazifik-Anrainerstaaten Anfang nächster Woche in Peking (Apec) und beim Gipfel der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in Brisbane am übernächsten Wochenende. An Bord der Boeing waren auch mehr als 30 Australier.

Noch immer nicht alle Leichen geborgen

"Australien erwartet volle russische Kooperation bei der Untersuchung (des Unglücks)", sagte Abbott. "Ich erwarte, dass Putin alles tut, um die Separatisten dazu zu bringen, uns ungehinderten Zugang zur Absturzstelle zu ermöglichen", ergänzte Rutte. Ein Team habe gerade weitere menschliche Überreste geborgen. Sie würden Samstag in die Niederlande gebracht.

Ein Treffen von Putin und Abbott in Brisbane sei nicht ausgeschlossen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Ein bilaterales Gespräch sei zwar nicht vorgesehen, da Australien aber Gastgeber sei, ergebe sich wohl eine Gelegenheit.

Putin hatte die Verantwortung für die Tragödie der Ukraine zugewiesen, weil die Ex-Sowjetrepublik trotz des Krieges auf ihrem Gebiet den Luftraum nicht gesperrt habe. Das geschah erst nach dem Absturz. Russland hatte verlangt, unvoreingenommen zu ermitteln und etwa auch einen Abschuss durch die ukrainische Seite nicht auszuschließen.

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Quelle: n-tv.de

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