Politik
Die Anti-Assad-Proteste reißen nicht ab.
Die Anti-Assad-Proteste reißen nicht ab.(Foto: AP)

Schützenhilfe aus Libanon?: Neues Blutvergießen in Syrien

Weiter Gewalt in Syrien: In mehreren Provinzen und in einigen Dörfern herrscht inzwischen Bürgerkrieg. Es gibt aber auch relativ ruhige Landesteile. Das täuscht nicht darüber hinweg, dass die Gefechte zwischen Armee und Deserteuren zunehmen. Die USA meinen, Präsident Assad habe die Kontrolle verloren.

Der Bürgerkrieg in Syrien weitet sich aus. Aktivisten berichteten, in der Nähe des libanesischen Grenzübergangs Masnaa seien am Freitag Dutzende von Fahrzeugen mit Kämpfern der libanesischen Schiiten-Bewegung Hisbollah gesichtet worden, die über eine normalerweise nur vom Militär genutzte Straße nach Syrien gefahren seien. Sie hätten Kampfparolen gerufen und geschworen, der alawitischen Minderheit zu helfen, der Syriens Präsident Baschar al-Assad angehört.

Gleichzeitig meldeten die Aktivisten unter Berufung auf einen Offizier der libanesischen Armee, es gebe Pläne, die grenznahe syrische Ortschaft Al-Sabadani zu überrennen, die von der Protestbewegung kontrolliert wird. Dort hatte es diese Woche nach Kämpfen zwischen Deserteuren und Regierungstruppen eine Art "Waffenruhe-Vereinbarung" gegeben.

Dutzende Opfer

Auch in anderen Landesteilen geht das Blutvergießen weiter. Sicherheitskräfte töteten bei Razzien und Protestaktionen nach Angaben von Aktivisten mindestens 18 Menschen.

Die US-Regierung hielt  den Druck auf Assad aufrecht und bezeichnete seinen Sturz von der Macht als "unvermeidbar". "Es ist klar, dass sein Regime keine volle Kontrolle mehr über das Land hat", sagte Jay Carney, der Sprecher von US-Präsident Barack Obama. Die internationale Gemeinschaft werde Syrien weiter isolieren.

Neue Gefechte

In der Provinz Daraa sollen Angehörige der Sicherheitskräfte einen Mitarbeiter der Abteilung "Politische Sicherheit" getötet haben. Dieser habe heimlich mit den "Revolutionären" zusammengearbeitet, meldete die Protestbewegung.

Aus der Provinz Idlib und aus der Ortschaft Duma bei Damaskus wurden Gefechte zwischen Armee-Einheiten und Deserteuren gemeldet. Zugleich sollen in Idlib die Leichen von sechs Männern, die zwei Tage zuvor verschwunden waren, ihren Familien übergeben worden sein.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, "bewaffnete Terrorgruppen" hätten am Donnerstag in der Provinz Hama einen General der Ordnungstruppen und zwei weitere Angehörige seiner Truppe erschossen. Die Oppositionellen hatten am Donnerstag berichtet, mehrere Soldaten aus dieser Einheit seien desertiert. Sie hätten vor ihrer Flucht den Kommandeur, General Adel Mustafa, sowie weitere Mitglieder der Truppe getötet.

Bleiben die Beobachter im Land?

In Kairo ist inzwischen der Leiter der Beobachtermission der Arabischen Liga in Syrien, der sudanesische General Mohammed al-Dabi, eingetroffen. Er hat einen Bericht über den einmonatigen Beobachtereinsatz vorbereitet, der am Wochenende bei der Arabischen Liga diskutiert werden soll. Die Liga will daraufhin entscheiden, ob der von vielen Beobachtern als erfolglos eingestufte Einsatz verlängert werden soll oder nicht.

Das Ziel der Liga, das Blutvergießen in dem Konflikt zwischen dem Regime von Präsident Baschar al-Assad und der Protestbewegung zu beenden, wurde bisher nicht erreicht. Syrische Oppositionelle protestierten am Freitag vor dem russischen Konsulat in Istanbul gegen die Haltung Moskaus im Syrien-Konflikt. Russland verhindere im UN-Sicherheitsrat Sanktionen gegen Assad und sei daher mitverantwortlich für den Tod von Zivilisten in Syrien, erklärten die rund 100 Demonstranten.

Sanktionen greifen zunehmend

Die von der EU und den USA gegen Syrien verhängten Sanktionen machen der Regierung inzwischen zu schaffen. Erdölminister Sufian Alaw bezifferte die Verluste der Erdöl-Industrie seit September 2011 auf mehr als zwei Milliarden Dollar (1,54 Mrd Euro). Die Europäische Union und die USA hatten wegen der Gewalt gegen Demonstranten ein Importverbot für Erdöl und Erdölprodukte aus Syrien verhängt. Die Öl-Einnahmen finanzierten den Staatshaushalts bislang zu einem Drittel.

Quelle: n-tv.de

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