Politik
Freitag, 09. Dezember 2011

Massaker von Kolonialtruppen: Niederlande entschuldigen sich

Nach über 60 Jahren stellen sich die Niederlande den Untaten, die sie als Kolonialmacht begangen haben. Der niederländische Botschafter in Indonesien entschuldigt sich für die Erschießung zahlreicher Jungen und Männer in dem Dorf Rawagede.

Mehr als sechs Jahrzehnte nach einem Massaker niederländischer Kolonialtruppen in dem indonesischen Dorf Rawagede haben sich die Niederlande offiziell bei den Hinterbliebenen entschuldigt. "Im Namen der niederländischen Regierung entschuldige ich mich für die Tragödie, die sich am 9. Dezember 1947 in Rawagede ereignet hat", sagte der niederländische Botschafter Tjeerd de Zwaan zum 64. Jahrestag des Massakers während des indonesischen Unabhängigkeitskampfes bei einer emotionalen Zeremonie in der Ortschaft im Westen der Insel Java.

Botschafter de Zwaan ehrte die Toten.
Botschafter de Zwaan ehrte die Toten.(Foto: AP)

Als der Botschafter die Entschuldigung auf Indonesisch wiederholte, applaudierte die Menge von mehreren hundert Menschen, die an der Zeremonie vor dem Marmordenkmal für die Opfer teilnahmen. Einige brachen in Tränen aus. Niederländische Truppen hatten während des Unabhängigkeitskampfs in Rawagede Jungen und Männer getötet, während ihre Familien und Nachbarn zuschauen mussten. Nach niederländischen Angaben wurden 150 Menschen ermordet, doch Hinterbliebene geben die Zahl der Opfer mit 431 an.

Historisches Urteil

Im September hatte ein Zivilgericht in Den Haag in einer historischen Entscheidung die Niederlande für das Massaker verantwortlich gemacht und damit der Klage von acht Witwen und einem Überlebenden auf Entschädigung Recht gegeben. Drei der Kläger sind inzwischen verstorben. Bereits vor der Gerichtsentscheidung hatte der niederländische Staat der Gemeinde von Rawagede 850.000 Euro als Wiedergutmachung zugesagt und will nach dem Gerichtsurteil zusätzlich 180.000 Euro an die Kläger und ihre Familien zahlen.

60 Jahre mussten die Angehörigen auf die Entschuldigung warten.
60 Jahre mussten die Angehörigen auf die Entschuldigung warten.(Foto: AP)

Eine der Witwen, Anti Rukiyah, zeigte sich erleichtert über die Entschuldigung. "Doch gleichzeitig ist es vor so langer Zeit passiert, dass es keine Rolle mehr spielt", sagte die 93-Jährige der Nachrichtenagentur AFP. Auch ihre Tochter Ani begrüßte die Entschuldigung für ein Ereignis, das ihren Angaben nach ihr Leben veränderte. "Ich bin ohne Vater aufgewachsen. Es war so schwierig für meine Mutter, Arbeit zu finden und Essen auf den Tisch zu bringen, daher sind wir heute sehr glücklich", sagte die 70-Jährige.

Quelle: n-tv.de

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