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Mit dem Islamvertrag sollte unter anderem der Islamunterricht in Niedersachsen geregelt werden.
Mit dem Islamvertrag sollte unter anderem der Islamunterricht in Niedersachsen geregelt werden.(Foto: dpa)
Freitag, 12. August 2016

Ditibs Verbindungen nach Ankara: Niedersachsen legt Islamvertrag auf Eis

Wie unabhängig ist die deutsche Islam-Organisation Ditib von der Türkei? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Bevor Niedersachsen einen Islamvertrag mit der Organisation abschließt, will die Landesregierung Klarheit.

Als Reaktion auf die Lage in der Türkei nach dem Putschversuch schiebt die rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen den unterschriftsreifen Islamvertrag auf. Ministerpräsident Stephan Weil kündigte an, die Frage der Beeinflussung der muslimischen Verbände durch die Türkei müsse in Ruhe erörtert werden. "Wir werden auf diese Diskussion eingehen, wir wollen nicht mit dem Kopf durch die Wand."

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Insbesondere geht es um den türkischen Moscheeverband Ditib. Dem größten islamischen Dachverband in Deutschland wird von Kritikern vorgeworfen, ein verlängerter Arm des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu sein. Das weist der Verband zurück. Weil bescheinigte dem niedersächsischen Landesverband in Niedersachsen einen selbstständigen Kurs.

Eigentlich wollte Niedersachsen den lange diskutierten Vertrag noch in diesem Jahr unterzeichnen. Nach einem gemeinsamen Gespräch erklärten SPD, Grüne und FDP am Freitag, es sei nicht absehbar, ob der Vertrag noch vor der nächsten Landtagswahl Anfang 2018 unterschrieben werde.

900 Moscheegemeinden in Deutschland

Mit dem Islamvertrag will Niedersachsen wie schon Hamburg und Bremen Regelungen etwa zum islamischen Religionsunterricht, zur Seelsorge in Krankenhäusern und Gefängnissen sowie zum Moscheebau und Bestattungswesen festhalten.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ging unterdessen auf Distanz zu Ditib. "Es verstärken sich die Zweifel, dass die Organisation den Kriterien zur Einstufung als Religionsgemeinschaft entspricht", sagte sie der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Die nordrhein-westfälische Staatskanzlei prüft seit vergangenem Jahr einen Antrag von Ditib und drei weiterer Islamverbände, als Religionsgemeinschaften mit erweiterten Rechten anerkannt zu werden.

Ditib steht für "Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion" und ist der größte islamische Verband in Deutschland. Laut Selbstdarstellung gehören der Organisation bundesweit rund 900 Moscheegemeinden an. Der Dachverband ist personell und organisatorisch eng mit der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet in Ankara verwoben.

Quelle: n-tv.de

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