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"Bin in das Radikale reingerutscht": Nils D. legt umfassendes Geständnis ab

Als Teil eines "Sturmtrupps" soll der Dinslakener Konvertit Nils S. in Syrien über ein Jahr lang für den IS gekämpft haben. Beim Prozessauftakt berichtet der Dschihad-Rückkehrer ausführlich über seinen Weg in die Radikalität.

Mit einer ausführlichen Aussage des Angeklagten hat in Düsseldorf der Prozess gegen einen Mann begonnen, der in Syrien einer IS-Spezialeinheit angehört haben soll. Der 25-jährige deutsche Konvertit Nils D. schilderte im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts seine Radikalisierung in seiner Geburtsstadt Dinslaken.

Der im Januar 2015 festgenommene D. hatte im Vorfeld des Prozesses in seinen Verhören bei den deutschen Sicherheitsbehörden bereits ausführlich über Strukturen des IS berichtet. Sein Geständnis vor Gericht war somit keine Überraschung. Zum Auftakt des Verfahrens erklärte sich der 25-Jährige auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Barbara Havliza bereit, auch vor dem Staatsschutzsenat auszusagen.

Der in seiner Jugend mehrfach straffällig gewordene D. schilderte, dass er als Schüler Drogen und Alkohol konsumiert habe. Nachdem der in einer evangelischen Familie aufgewachsene Dinslakener im August 2011 zum Islam konvertierte, stellte er nach eigenen Worten sein Leben innerhalb kürzester Zeit vollständig um.

Kontakt mit Fundamentalismus über Cousin

Der erste Kontakt mit fundamentalistischem Islam sei über seinen Cousin zustande gekommen. Drogen und Alkohol seien fortan tabu gewesen, stattdessen habe er regelmäßig gebetet und sich einen Bart wachsen lassen. In seiner Vernehmung hatte D. der Vorsitzenden Richterin zufolge zu Protokoll gegeben: "Ich bin dann praktisch direkt in das Radikale reingerutscht."

D., Vater einer Tochter, schilderte vor Gericht, wie er sich nach einer gescheiterten Ausbildung zum Anlagenmechaniker der Dschihadistengruppe "Lohberger Brigade" anschloss. Die Gruppe war 2013 aus dem Dinslakener Stadtteil Lohberg in den Bürgerkrieg nach Syrien gezogen, wo mehrere der Dschihadisten bei Gefechten oder Selbstmordattentaten getötet worden sein sollen.

Laut der Anklagevertreterin Carola Bitter soll sich D. als Mitglied der "Lohberger Brigade" von Oktober 2013 bis Ende 2014 in Syrien aufgehalten haben. Demnach gehörte er dort von April bis November 2014 einem sogenannten "Sturmtrupp" der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zur Festnahme von Deserteuren an.

D. kann wegen Geständnisses auf Milde hoffen

D. habe die "terroristischen Ziele" des IS gefördert und sei in der festen Absicht nach Syrien gereist, sich dort sofort in die Miliz einzugliedern, sagte Bitter. In dem Bürgerkriegsland habe er sich den Zielen des IS "umfassend untergeordnet".

Zwar sei dem Angeklagten keine konkrete Beteiligung an Kampfhandlungen in Syrien nachzuweisen. Allerdings sei D. dort im Umgang mit Schusswaffen und im Bau von Sprengsätzen geschult worden, führte Bitter aus. Auch habe der heute 25-Jährige "als Zuschauer an einer Hinrichtung" teilgenommen.

Als Mitglied des IS-"Sturmtrupps" sei D. an zehn bis 15 Einsätzen beteiligt gewesen, an denen er vermummt und mit einem Kalschnikow-Sturmgewehr ausgerüstet teilgenommen habe. Dabei sei dem Angeklagten bekanntgewesen, dass den vom IS festgenommenen Deserteuren im Gefängnis "Folter bis hin zum Tod" gedroht habe.

Für den Prozess setzte der Düsseldorfer Staatsschutzsenat zunächst neun weitere Verhandlungstage an. Bei einem Schuldspruch droht D. eine Höchststrafe von zehn Jahren Haft. Allerdings könnte es sich mildernd auf das Strafmaß auswirken, dass er im Gegensatz zu den meisten bislang in Deutschland angeklagten IS-Dschihadisten nicht zu den Vorwürfen der Bundesanwaltschaft schweigt.

Quelle: n-tv.de

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