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Seit 2006 hat Nordkorea in Punggye-ri sechs Nukleartests durchgeführt - den letzten im September 2017.
Seit 2006 hat Nordkorea in Punggye-ri sechs Nukleartests durchgeführt - den letzten im September 2017.(Foto: AP)
Freitag, 13. Oktober 2017

Nach Atomtests in Punggye-ri: Nordkoreas Testgelände soll instabil sein

Im gebirgigen Norden testet Nordkorea seit Jahren unterirdische Atombomben - zuletzt soll auch eine H-Bombe gezündet worden sein. Experten fürchten nun, dass diese Explosion die Gesteinsmassen destabilisiert hat. Sie warnen vor den Folgen eines erneuten Tests.

Nach mehreren kleineren Beben und Erdrutschen nahe des nordkoreanischen Nukleartestgeländes in Punggye-ri könnte die gebirgige Region im Nordosten des kommunistischen Landes dauerhaft destabilisiert worden sein. Südkoreanische Forscher vermuten, dass der sechste und bisher größte Atomtest Anfang September dazu geführt hat, dass das Gelände nicht länger zum Test von Atombomben genutzt werden kann.

Trotz verschärfter Sanktionen ist Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bisher nicht bereit, das Atomprogramm einzustellen.
Trotz verschärfter Sanktionen ist Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bisher nicht bereit, das Atomprogramm einzustellen.(Foto: AP)

"Die Explosion vom 3. September war derart stark, dass die bereits existierenden Tunnel im Gestein unter dem Testgelände eingestürzt sein könnten", sagte Kim So-gu vom Seismologischen Institut in Seoul der Nachrichtenagentur Reuters. Sollte dies der Fall sein, drohe bei einem erneuten Test in der Region die Freisetzung radioaktiver Strahlung.

Anfang September hatte Machthaber Kim Jong Un nach nordkoreanischen Angaben erfolgreich eine Wasserstoffbombe getestet, die um ein Vielfaches stärker gewesen sei als herkömmliche atomare Sprengsätze. Der Test löste ein Erdbeben der Stärke 6,3 aus - in den Folgewochen gab es zudem mehrere kleine Beben, die aber laut südkoreanischen Experten wohl nicht durch neue Tests ausgelöst wurden, sondern Folge der Zerstörung von unterirdischen Gesteinsmassen gewesen sein könnten.

Sorge wegen Nähe zu Vulkan

Erst am Freitagmorgen war in Hamgyŏng-pukto - der nördlichsten Provinz Nordkoreas, in der sich das Testgelände befindet - erneut ein schwaches Beben der Stärke 2,7 gemessen worden. Das Epizentrum lag den Angaben südkoreanischer Behörden zufolge in drei bis fünf Kilometern Tiefe. Auf Satellitenbildern von der Region sind außerdem zahlreiche Erdrutsche dokumentiert, berichteten Analysten von "North 38" - einem Projekt des US-koreanischen Instituts an der Johns Hopkins Universität in Maryland.

"Ich glaube, die Region um Punggye-ri ist mittlerweile gesättigt", sagte Kim So-gu. "Sollte noch ein Test in diesem Bereich durchgeführt werden, gäbe es das Risiko einer radioaktiven Verschmutzung." Zudem liegt der Mount Paektu, ein Vulkan im Grenzgebiet zwischen China und Nordkorea, nicht weit vom Testgelände entfernt. Zuletzt brach er 1903 aus. Doch seit den nordkoreanischen Tests in Punggye-ri streiten Experten darüber, ob die Erschütterungen einen neuen Vulkanausbruch auslösen könnten.

Norden bereitet neue Tunnel vor

Südkoreanische Geheimdienste gehen davon aus, dass der Norden trotz dieser Unsicherheiten weitere zwei Tunnel auf dem Testgelände vorbereitet. Der erste Tunnel war bereits nach dem ersten Atomtest 2006 geschlossen worden, der zweite soll nach dem sechsten Test im September eingestürzt sein. Pjöngjang hatte zuletzt aber auch damit gedroht, eine Bombe oberirdisch zu testen.

Damit hatte Machthaber Kim auf die anhaltend kriegerischen Töne von US-Präsident Donald Trump reagiert. Seinen Außenminister Ri Yong Ho ließ er verkünden, der nächste Atomtest Nordkoreas könne die "stärkste Explosion einer Wasserstoffbombe" im Pazifischen Ozean bringen. Ob das Land aber schon so weit ist, Atomsprengköpfe zu produzieren, die klein genug sind, um auf Mittel- oder Langstreckenraketen montiert werden zu können, zweifeln Experten an.

Quelle: n-tv.de

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