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Cem Özdemir, entschieden.
Cem Özdemir, entschieden.(Foto: picture alliance / dpa)

Grünen-Chef gegen Dialog mit Pegida: Özdemir wütet gegen "weinerliches Gesülze"

Gespräche mit den Pegida-Demonstranten? Grünen-Chef Özdemir ist klar dagegen. Bei seinen Politiker-Kollegen hört er "Gesülze" und sieht eine "weinerliche Haltung". Konzessionen dürfe es nicht geben. Niedersachsens Innenminister Pistorius vermutet Unwissenheit.

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hat Forderungen nach einem Dialog mit dem nichtextremistischen Teil der "Pegida"-Demonstranten zurückgewiesen. Er halte nichts von "so einer weinerlichen Haltung im Umgang mit Pegida", sagte er. "Klartext ist angesagt und nicht dieses Gesülze, was ich da zum Teil höre von manchen Kollegen von mir." Er verstehe, wenn jemand seine Sorgen zum Ausdruck bringen wolle. "Aber man hat schon auch die Aufgabe zu schauen, welche Parolen neben einem gerufen werden und was auf den Plakaten steht, neben denen man läuft", sagte Özdemir.

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Der in Deutschland geborene Politiker mit türkischen Wurzeln warf den Demonstranten pauschale Ablehnung von Migranten und Muslimen vor. Sie wollten die deutsche Gesellschaft ändern. "Ich sehe nicht, dass man da ernsthaft politische Konzessionen machen könnte. Welcher Art denn? Da ist bitte schön angesagt, dass der Rechtsstaat sich auf seine Hinterfüße stellt und sagt: Deutschland ist eine offene Gesellschaft."

In den vergangenen Tagen hatten sich viele Politiker, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie der Zentralrat der Muslime für einen Dialog mit der Bewegung ausgesprochen.

"Angst, keinen Job zu haben"

Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) sieht dagegen keine generelle und wachsende Ablehnung von Muslimen in Deutschland: "Die Menschen, die da mitlaufen, haben nämlich Angst aus ganz anderen Gründen: Sie haben Angst, dass am Ende des Monats zu wenig Geld da ist, sie haben Angst, keinen Job zu haben", sagte er. "Da müssen wir ansetzen, aber nicht bei einer vermeintlichen Islamisierung."

Pistorius hat für die Pegida-Demonstrationen eine simple Erklärung: "Diejenigen, die da mitlaufen, lassen sich von den einfachen Botschaften mitreißen, sie wollen sich einfach mal beim und über den Staat beschweren", sagte Pistorius. "Ich glaube, dass viele gar nicht wissen, was und vor allem wer hinter den Botschaften auf den Plakaten steckt." Die Gleichsetzung des Islams mit dem Islamismus sei "das große Einfallstor des Rechtsextremismus in die Mitte der Gesellschaft". "Darin besteht die Gefahr. Das ist die Eintrittskarte für unverhohlenen Fremdenhass, verstärkt durch die Masse."

Vergangenen Montag hatten sich trotz bundesweiter Kritik rund 15.000 Menschen an der wöchentlichen "Pegida"-Demonstration in Dresden beteiligt. Für diesen Montagabend haben die Veranstalter zu einem "gemeinsamen Weihnachtsliedersingen" vor der Semperoper aufgerufen. In Dresden, München und anderen Städten sind Gegenaktionen geplant.

Quelle: n-tv.de

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