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Nach Angaben der israelischen Armee werden am Sonntag 300 Soldaten die in Jerusalem stationierte Polizei verstärken.
Nach Angaben der israelischen Armee werden am Sonntag 300 Soldaten die in Jerusalem stationierte Polizei verstärken.(Foto: REUTERS)

Netanjahu will mit Abbas reden: Palästinenser planen "Freitag der Revolution"

In Jerusalem brodelt es. Zum muslimischen Freitagsgebet auf dem Tempelberg will Israels Polizei nur Männer von über 40 Jahren zulassen. Palästinenser-Organisationen rufen zu Demonstrationen auf. Neue Ausbrüche der Gewalt scheinen vorprogrammiert.

Nach einem Tag relativer Ruhe in Israel und den Palästinensergebieten haben die palästinensischen Organisationen zu einem "Freitag der Revolution" aufgerufen. Im israelisch besetzten Westjordanland und im Gazastreifen waren im Anschluss an das muslimische Freitagsgebet Demonstrationen vorgesehen. US-Außenminister John Kerry reist angesichts der jüngsten Eskalation der Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern in den kommenden Tagen in den Nahen Osten.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist indes zu einem Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bereit. Er würde sich auch mit arabischen Führern treffen, um die Gewalt zu stoppen, sagte Netanjahu. Zudem bestätigte der israelische Regierungschef, dass die USA angeboten hätten, Gespräche in Jordanien zu vermitteln. Netanjahu erklärte, er sei völlig offen für ein solches Treffen mit Abbas und arabischen Spitzenpolitikern. "Ich denke, es ist unter Umständen sinnvoll, weil es die Welle der Aufstachelung stoppen könnte."

Wegen der zunehmenden Gewalt kommt zudem der UN-Sicherheitsrat an diesem Freitag zu einer Sondersitzung zusammen. Jordanien habe um das Treffen gebeten, teilten die Vereinten Nationen mit. Eine Resolution sei nicht zu erwarten, sagten Diplomaten. Es könne aber eine Erklärung geben, in der beide Seiten aufgefordert werden, die Gewalt zu beenden.

Massive Polizeipräsenz

Die israelische Polizei kündigte an, zum Freitagsgebet auf dem Jerusalemer Tempelberg würden aus Sicherheitsgründen nur Männer im Alter von über 40 Jahren zugelassen. Der Tempelberg ist das wichtigste Heiligtum im Judentum und nach Mekka und Medina das drittwichtigste Heiligtum im Islam.

Nach Angaben der israelischen Armee werden am Sonntag 300 Soldaten die in Jerusalem stationierte Polizei verstärken. Schon am Donnerstag zeigten die israelischen Sicherheitskräfte in der zwischen Israelis und Palästinensern umstrittenen Stadt massive Präsenz. Mit Gewehren bewaffnete Polizisten und Grenz-Einsatzkräfte kontrollierten Plätze, Kreuzungen und Straßen und patrouillierten an Stellen, wo sie sonst nicht zu sehen waren.

Das israelische Sicherheitskabinett hatte am Mittwoch die Polizei ermächtigt, die arabischen Viertel in Ost-Jerusalem im Falle von Spannungen abzuriegeln oder eine Ausgangssperre zu verhängen. Weitere Maßnahmen sehen unter anderem vor, die Waffengesetze für Israelis zu lockern. Sechs Armeekompanien werden der Polizei unterstellt, um vor allem die Überwachung der Sperranlage zum Westjordanland zu verstärken. Die Wohnhäuser von Attentätern sollen künftig binnen 72 Stunden zerstört und an ihrer Stelle keine neuen Bauten erlaubt werden.

Kerry kommt – nächste Woche

Kerry verurteilte in einer Rede an einer Universität im US-Bundesstaat Indiana die jüngsten "Terrorattacken" gegen israelische Zivilisten. Mit seiner Ankunft im Krisengebiet wurde frühestens am Montag gerechnet.

Seit Monatsbeginn wurden bereits mehr als 30 Palästinenser bei Anschlägen oder Protestaktionen getötet. Im gleichen Zeitraum starben sieben Israelis bei Attentaten. Die meisten Attentäter kamen aus arabischen Vierteln Ost-Jerusalems. Erst am Dienstag hatten zwei Attentäter in einem Linienbus neben Messern auch eine Schusswaffe eingesetzt und zwei Passagiere getötet. Zudem starb ein Rabbiner, als ein Palästinenser in einem ultraorthodoxen Viertel von Jerusalem mit seinem Auto eine Bushaltestelle rammte.

Israel hatte Ost-Jerusalem nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt und später annektiert. Die UNO erkennt die Annexion nicht an. Israel betrachtet Jerusalem als seine "unteilbare" Hauptstadt, während die Palästinenser den Osten der Stadt zur Hauptstadt eines eigenen Staates machen wollen.

Quelle: n-tv.de

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