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Papst Franziskus bezeichnet den Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche als "Bruder".
Papst Franziskus bezeichnet den Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche als "Bruder".(Foto: dpa)

Historisches Küsschen in Havanna: Papst trifft russischen Patriarchen Kirill

"Es ist klar, dass das der Wille Gottes ist", sagt Franziskus am Flughafen in Havanna. Erstmals seit der Kirchenspaltung vor fast 1000 Jahren treffen sich ein Papst und der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche. Beobachter sprechen von einem Meilenstein.

Papst Franziskus ist mit dem Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche zu einer historischen Unterredung in Havanna zusammengekommen. Das Treffen zwischen Franziskus und Patriarch Kirill am Flughafen der kubanischen Hauptstadt ist das erste seit der Kirchenspaltung vor fast 1000 Jahren. Nach einer Begrüßung mit Handschlag und Wangenküsschen sowie einem historischen Foto zogen sich beide zu einem etwa zweistündigen privaten Gespräch in den Protokollsaal zurück.

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Der Papst und der Patriarch wollten unter anderem über die Christenverfolgungen in den Krisenherden in Nahost, Afrika und Asien sprechen. An der Begrüßung nahm auch Kubas Präsident Raúl Castro teil. Mit der Begegnung wollen beide Kirchenoberhäupter in Zeiten von Terror, Krieg und Vertreibung ein kraftvolles ökumenisches Zeichen setzen. Geplant ist auch eine gemeinsame Erklärung.

Seit 20 Jahren gab es Pläne für ein solches Treffen, das nun durch den gleichzeitigen Aufenthalt beider Gottesmänner in der Region möglich wurde. Franziskus hatte bereits 2014 deutlich gemacht, dass er die Beziehungen auf eine neue Stufe heben will, als er verkündete, er würde den Moskauer Patriarchen treffen, "wo immer" dieser wolle. Nach seinem Besuch in Havanna will der Papst nach Mexiko weiterreisen. Es handle sich um eine intensive Reise, "die mein Bruder Kirill, ich und die Mexikaner uns aber sehr gewünscht haben", sagte der 79 Jahre alte Argentinier laut dem Vatikan während des Fluges.

Zwei Stunden sollte das Gespräch zwischen Papst und Patriarch dauern.
Zwei Stunden sollte das Gespräch zwischen Papst und Patriarch dauern.(Foto: dpa)

Katholiken und Orthodoxe gehen seit der Kirchenspaltung (Schisma) im Jahr 1054 getrennte Wege. Damals exkommunizierten sich die Oberhäupter der Ostkirche in Byzanz, dem heutigen Istanbul, und der Westkirche in Rom gegenseitig. Folge war die Eigenständigkeit der orthodoxen Kirchen. Nach Katholiken und Protestanten stellen die Orthodoxen heute die drittgrößte Gruppe innerhalb des Christentums. Die "orthodoxe Welt" ist in 14 Kirchen zersplittert. Die größte ist der russisch-orthodoxe Zweig mit rund 150 Millionen Gläubigen. Im Juni soll es nach langer Vorbereitung auf Kreta zu einem historischen Treffen aller orthodoxen Kirchen kommen.

Kirill und Putin - eine "unheilige Allianz"?

In den vergangenen Jahrzehnten trafen Franziskus und seine Vorgänger zwar andere orthodoxe Patriarchen, aber bisher nicht den russischen. Der 69-jährige Kirill gilt als Freund der Ökumene, aber auch als Verfechter traditioneller Familienwerte und Gegner von Homosexuellenrechten. Und er pflegt engen Kontakt zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Kremlchef bindet die orthodoxe Kirche als Machtstütze aktiv in seine Politik ein. Er sieht in ihr einen starken Verbündeten im Kampf gegen westlichen Liberalismus und Werteverfall. Kritiker sprechen von einer "unheiligen Allianz" von Staat und Kirche.

Trotz des historischen Treffens sind nach Darstellung Moskaus längst nicht alle Meinungsverschiedenheiten beigelegt. "Wir hoffen, dass dieses Treffen ein neues Kapitel in den Beziehungen unserer beiden Kirchen aufschlägt", sagte der Metropolit (Erzbischof) Ilarion der Zeitung "Kommersant". Der Ostkirchen-Experte Thomas Bremer sagte, in der russisch-orthodoxen Kirche gebe es noch immer große Vorbehalte gegen Rom.

Quelle: n-tv.de

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