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In mehreren französischen Städten befinden sich Polizisten in einem Anti-Terror-Einsatz.
In mehreren französischen Städten befinden sich Polizisten in einem Anti-Terror-Einsatz.(Foto: picture alliance / dpa)
Samstag, 06. Oktober 2012

Razzia gegen Salafisten in Frankreich: Polizei erschießt Verdächtigen

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Bei einem landesweiten Anti-Terror-Einsatz in Frankreich wird in Straßburg ein Mann getötet. Er hatte bei der versuchten Festnahme auf die Sicherheitskräfte geschossen. Diese schossen zurück und trafen ihn tödlich. Der Tote sei ein bekannter Islamist, heißt es. Insgesamt werden bei der Aktion zehn Menschen verhaftet.

Die französische Polizei ist landesweit gegen mutmaßliche Extremisten aus der Salafistenszene vorgegangen. Bei der Großrazzia wurde ein Verdächtiger erschossen, zehn Menschen wurden festgenommen, wie aus Justiz- und Polizeikreisen verlautete. Der Polizeieinsatz erfolgte im Zuge von Ermittlungen nach einem Anschlag auf einen jüdischen Lebensmittelladen in der Pariser Vorstadt Sarcelles Mitte September.

Die Beamten griffen in verschiedenen französischen Städten zeitgleich zu, darunter in Straßburg, Nizza, Cannes sowie im Pariser Raum. Bei der versuchten Festnahme eines Verdächtigen in Straßburg schoss dieser laut Ermittlerkreisen mehrfach mit einer großkalibrigen Waffe auf die Beamten, die daraufhin das Feuer erwiderten und den Mann tödlich trafen. Drei Polizisten wurden leicht verletzt.

Nach Angaben der französischen Behörden handelt es sich bei dem Toten um einen Islamisten. Der 33-Jährige sei "für seine Zugehörigkeit zur Dschihadisten-Bewegung bekannt" gewesen, sagte Anti-Terror-Staatsanwalt Francois Molins in Paris. Er sei als Drogendealer verurteilt worden und später zum radikalen Islam konvertiert. Die Fingerabdrücke des 33-Jährigen habe man auf den Resten einer Granate gefunden, die Mitte vergangenen Monats in einen jüdischen Lebensmittelladen in der Nähe von Paris geworfen worden war.

"Sehr entschlossen gehandelt"

Der 33-Jährige habe "sehr entschlossen gehandelt, möglicherweise in der Absicht, als Märtyrer zu sterben", sagte der Straßburger Staatsanwalt Patrick Poirret. Offenbar in Vorbereitung auf seinen Tod hatte er sich zuvor den Bart abrasiert, wie es hieß. Die Partnerin des Verdächtigen wurde festgenommen und in Handschellen abgeführt. Auch im Großraum Paris war einer der Festgenommen nach Polizeiangaben bewaffnet und "gefährlich".

Die landesweite Razzia, bei der laut Pariser Staatsanwaltschaft insgesamt zehn von etwa zwölf Verdächtigen festgenommen wurden, war Teil der Ermittlungen nach einem Anschlag auf ein jüdisches Geschäft in Sarcelles am 19. September. Dabei hatten zwei schwarz gekleidete Angreifer einen Sprengsatz in den Lebensmittelladen geworfen, wodurch eine Frau leichte Verletzungen erlitt.

Hinsichtlich Plänen zu möglichen weiteren Anschlägen durch die Verdächtigen sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins, bei den Durchsuchungen sei eine Liste mit jüdischen Organisationen gefunden worden. Die Razzia habe sich gegen ein "Netz, sozusagen eine Zelle" von Extremisten gerichtet. Bei mehreren der Festgenommenen handele es sich um zum Islam konvertierte Straftäter. Laut Regierungschef Jean-Marc Ayrault war der Einsatz seit Wochen vorbereitet worden.

Proteste gegen Anti-Islam-Film

Erst wenige Tage vor dem Anschlag in Sarcelles waren bei einer nicht genehmigten Demonstration von Islamisten gegen den Anti-Islam-Film "Die Unschuld der Muslime" vor der US-Botschaft in Paris antisemitische Parolen gerufen worden. Am Vortag hatte das französische Satire-Blatt "Charlie Hebdo" Karikaturen des Propheten Mohammed gedruckt.

Der Dachverband jüdischer Einrichtungen in Frankreich hatte damals bezweifelt, dass der Anschlag auf den jüdischen Lebensmittelladen im Zusammenhang mit den Demonstrationen gegen den islamfeindlichen Film stand. Der israelische Botschafter in Frankreich, Jossi Gal, hatte von einem "antisemitischen Anschlag" gesprochen. In der nördlich von Paris gelegenen Stadt Sarcelles, die auch als "Klein-Jerusalem" bezeichnet wird, leben viele aus Nordafrika eingewanderte Juden.

Quelle: n-tv.de

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